Mann bringt auf einem Dach Photovoltaikmodule an (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Energie aus der Sonne

Für wen sich eine Solaranlage lohnt

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Michael Wegmer
SWR-Wirtschaftsredakteur Michael Wegmer (Foto: SWR, Michael Wegmer)
Michael Herr

Den eigenen Strom produzieren - eine Solaranlage klingt für viele Hausbesitzer attraktiv. Doch rentieren sich Photovoltaikanlagen? Sind Balkonkraftwerke lohnende Alternativen?

Die Energiepreise erreichen derzeit täglich neue Höchststände. Der Krieg in der Ukraine und die Inflation treiben die Gas- und Öl-Preise immer weiter in die Höhe. Für viele Hausbesitzer stellt sich spätestens jetzt die Frage, wie sie sich vom globalen Energiemarkt unabhängiger machen können. Neben dem Austausch der Heizung oder einer Gebäudesanierung kann auch die Installation einer Solaranlage Kosten sparen. Das ist nicht nur eine finanzielle Investition in die Zukunft, sondern befördert auch die Energiewende.

Wie stellt man fest, ob sich eine Solaranlage lohnt?

Inwiefern es sich lohnt, eine Photovoltaikanlage zu installieren, ist je nach individuellem Fall sehr unterschiedlich. Ob eine eigene Solaranlage lukrativ ist, können Verbraucherinnen und Verbraucher leicht ermitteln. Es gibt im Internet viele Rendite-Rechner, zum Beispiel bei Stiftung Warentest oder den Solardach-Check von co2online.

"Die Verbraucher sollten sich unbedingt vor der Installation einer Solaranlage beraten lassen."

Wer mit einer Solaranlage Strom erzeugt und ihn ins Netz einspeist, erhält nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dafür eine Vergütung. Weil die EEG-Vergütung vom Staat für 20 Jahre festgeschrieben ist, lässt sich diese Investition besser kalkulieren als viele andere.

Dafür muss man allerdings einige Details kennen. Wie hoch wären die Anschaffungskosten für die PV-Anlage, wie viel kostet der Stromspeicher, wie viel vom jährlich erzeugten Solarstrom soll selbst verbraucht werden, mit welchem Stromertrag der Solarmodule wird gerechnet. Interessentinnen und Interessenten sollten sich also schon vorab gut mit dem Thema Solarstrom beschäftigt haben. Dann können die ermittelten Werte eingegeben werden. Hier wird dann die Rendite einer Photovoltaikanlage über einen Zeitraum von 20 Jahren berechnet - natürlich ohne Garantie.

Da die Strompreise in Zukunft voraussichtlich noch weiter ansteigen werden, lässt sich in Zukunft mit Photovoltaikanlagen womöglich noch mehr Geld sparen.

Große Soloaranlage auf Gebäudedach (Foto: Colourbox, Colourbox | #260882)
Bei Solarstrom lohnt sich der Eigenverbrauch mehr als der Verkauf. Colourbox | #260882

Ist mein Haus für die Installation einer Photovoltaikanlage geeignet?

Diese Frage können Expertinnen und Experten der Verbraucherzentrale beantworten. Dank öffentlicher Förderung bieten sie den Eignungscheck für nur 30 Euro an.

In Baden-Württemberg können Hausbesitzer auch mit Hilfe des erweiterten Solarkatasters prüfen, ob sich Solarmodule auf dem eigenen Dach lohnen, welche Einnahmen sie mit einer Solaranlage erzielen könnten und wann sich die Photovoltaikanlage amortisiert haben würde. 

Statistisch gesehen sind die meisten Häuser für die Installation von Solarmodulen geeignet. Optimal für eine Photovoltaikanlage ist ein Dach mit einem Neigungswinkel von 30 bis 35 Grad, das nach Süden ausgerichtet und kaum beschattet ist. Doch auch für Abweichungen von dieser Regel finden sich häufig geeignete Solaranlagen - beträgt der Neigungswinkel des Daches unter 25 oder über 60 Grad, kann der Gewinn aus der erzeugten Solarenergie um etwa zehn Prozent geringer ausfallen. Auch auf Ost- und Westdächern kann sich die Installation von Solarmodulen noch lohnen; ob dort noch ausreichend Solarstrom erzeugt werden kann, muss im Einzelfall geprüft werden. 

Generell gilt die grobe Faustregel: Je mehr des erzeugten Solarstroms selbst genutzt werden soll, desto eher lohnt sich die Anschaffung einer Photovoltaikanlage.

Sollte man den Solarstrom lieber selbst nutzen oder ins System einspeisen?

Solarstrom selbst zu nutzen, lohnt sich mehr, als den Strom ins Netz einzuspeisen. Die Kosten für Solaranlagen waren in den vergangenen Jahren stark gesunken - allerdings haben die Preise seit Beginn des Krieges in der Ukraine angezogen. Wenn man alle Anschaffungskosten der Photovoltaikanlage gegenrechnet, kostet eine selbst erzeugte Kilowattstunde Solarstrom im Schnitt bis zu 14 Cent. Im Augenblick liegt der Durchschnittspreis in Deutschland für eine Kilowattstunde Strom vom Stromversorger bei mehr als 40 Cent. Wer Strom von der Photovoltaikanlage auf dem Dach verbraucht, spart in der Regel also mehr als die Hälfte, weil darauf keine Abgaben und Netzentgelte fällig werden.

Solaranlage wird von einem Arbeiter auf einem Dach montiert. Mit einer Solaranlage lassen sich oft hohe Stromkosten vermeiden. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Rolf Haid)
Mit einer Solaranlage lassen sich oft hohe Stromkosten vermeiden. picture alliance/dpa | Rolf Haid

Für den nicht benötigten Solarstrom, der ins Netz eingespeist wird, erhalten die Eigentümerinnen und Eigentümer Geld. Diese Einspeisevergütung sinkt allerdings immer weiter und liegt momentan bei rund 6,5 Cent pro Kilowattstunde Strom. Zwar wird diese voraussichtlich in Zukunft wieder leicht erhöht, dennoch lohnt es sich der Verkauf von Solarstrom deutlich weniger als der Eigenverbrauch.

Wie lässt sich der Eigenverbrauch der Solarenergie erhöhen?

Im Schnitt nutzen Solaranlagen-Betreiber nur etwa 30 Prozent ihres erzeugten Stroms. Der Rest wird in das öffentliche Netz eingespeist und verkauft. Mit Hilfe einer intelligenten Energiesteuerung kann der überschüssige Strom jedoch noch stärker im eigenen Haus benutzt werden. Beispielweise lassen sich E-Autos per Zeitschaltuhr aufladen. Durch einen Energiespeicher kann Solarstrom auch nachts oder zu sonnenarmen Zeiten genutzt werden. Außerdem kann es sich lohnen, in eine Luft-Wärmepumpe zu investieren und künftig mit Strom zu heizen. Dafür fallen grob Kosten zwischen 10.000 und 30.000 Euro an. Im Gegenzug ist man jedoch vom Gasmarkt vollkommen autark.

Durch solche Maßnahmen lässt sich der Eigenverbrauch der Solarenergie auf bis zu 50 Prozent steigern, was sich auf Dauer sehr rechnen kann. Vor größeren Investitionen sollte jedoch am besten ein Handwerksbetrieb oder Energieberater konsultiert werden, ob sich die Anschaffungen tatsächlich rechnen.

Wo gibt es Förderungen und Zuschüsse für Solaranlagen?

Zum einen gibt es die bereits erwähnte EEG-Einspeisevergütung. Deren Höhe hängt von der Größe der Photovoltaikanlage und dem Monat der Inbetriebnahme ab. Der Netzbetreiber ist verpflichtet, den überschüssigen erzeugten Strom abzunehmen und zu vergüten. Dazu muss die Solaranlage nur im sogenannten Marktstammdatenregister registriert werden. Das ist ein Gesamtregister für den deutschen Strom- und Gasmarkt. Der Preis für die Kilowattstunde Strom wird im Monat der Inbetriebnahme festgelegt und dann in den darauffolgenden 20 Jahren gezahlt.

Aber auch für die Anschaffung der Photovoltaikanlage gibt es eine Reihe von Fördermöglichkeiten. Die staatliche Förderbank KfW bietet zinsgünstige Darlehen und zum Teil sogar Zuschüsse an. Voraussetzung für die Förderung der Photovoltaikanlage ist, dass ein Teil des erzeugten Stroms ins Netz eingespeist wird.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen bietet ebenfalls Zuschüsse. Unter anderem werden Solarkollektoranlagen in Neubauten mit 30 Prozent und Wärmepumpenanlagen mit bis zu 35 Prozent der förderfähigen Kosten gefördert.

Daneben haben viele Kommunen und Bundesländer Förderprogramme aufgelegt. Rheinland-Pfalz zum Beispiel fördert die Anschaffung einer Solaranlage zusammen mit einem Batteriespeicher, damit der Strom über den Tag verteilt besser genutzt werden kann. Das Programm werde, sagt die Landesregierung, so gut angenommen, dass die Bearbeitungszeit für Anträge im Augenblick bei ein paar Monaten liege.

Baden-Württemberg hat ein ähnliches Programm aufgesetzt. Aufgrund der hohen Nachfrage sei der Fördertopf allerdings leer, neue Förderanträge könnten daher derzeit nicht gestellt werden. Dafür erhalten Photovoltaikbetreiber in Baden-Württemberg, die ein Elektroauto kaufen oder leasen, vom Verkehrsministerium einen BW-e-Solargutschein über 1.000 Euro.

Ist Photovoltaik steuerlich absetzbar?

Grundsätzlich lassen sich die Anschaffungskosten sowie Betrieb und Wartung von Photovoltaikanlagen steuerlich absetzen. Ab einem Jahresumsatz von 22.000 Euro muss auch Umsatzsteuer berechnet werden. Anders sieht es bei kleineren PV-Anlagen aus, die zum Eigenbedarf zählen. Hier muss die Mehrwertsteuer selbst bezahlt werden, dafür sind die Gewinne nicht steuerpflichtig und es fällt deutlich weniger Bürokratie an.

Welche Fördermöglichkeiten es bei Gebäudesanierungen generell gibt und was sich davon steuerlich geltend machen lässt, erfahren Sie hier:

Balkonkraftwerke als Alternative für Mieter

Abhängig von der Wohnsituation kommt möglicherweise für manche ein sogenanntes Balkonkraftwerk in Frage. Diese Mini-PV-Anlagen sind einzelne Solarmodule, die den selbstproduzierten Strom ins hauseigene Netz einspeisen. Besonders attraktiv sind diese für Mieter, die keine eigene Immobilie besitzen. Mit Hilfe eines Balkonkraftwerks können die Energiekosten in vielen Fällen deutlich reduziert werden.

Die Mini-PV-Anlagen lassen sich beispielsweise an Hauswänden, der Garage, im Garten oder am Balkon befestigen – Hauptsache, die Solarzelle bekommt genügend Sonne ab. Dazu wird eine Rahmenhalterung montiert, das Solarmodul befestigt und anschließend in dem richtigen Neigungswinkel eingestellt. Innerhalb eines Arbeitstags ist das Balkonkraftwerk in Normalfall aufgebaut.

Mobile Photovoltaikanlage können auch im Garten aufgestellt werden. (Foto: Colourbox, Colourbox | #260882)
Mini-PV-Anlagen können auch in den eigenen Garten gestellt werden. Colourbox | #260882

Rechnen sich Balkonkraftwerke?

200 bis 300 Kilowattstunden können mit Mini-PV-Anlagen ohne Weiteres pro Jahr gewonnen werden. Mit dem erzeugten Strom eines Solarmoduls lässt sich etwa der Verbrauch des Kühlschranks oder eines WLAN-Routers abdecken. Die Kosten für ein Balkonkraftwerk belaufen sich je nach Anbieter etwa 600 bis 700 Euro pro Solarmodul.

Werden Balkonkraftwerke gefördert?

Immer mehr Kommunen, Bundesländer, Regionalverbände, aber auch einige Netzbetreiber und Stromverbände fördern die Anschaffung von Balkonkraftwerken. Gelegentlich finden sich auch örtlichen Sponsoren, die einen Teil der Kosten abnehmen, um nachhaltige Energien zu fördern.

Aufgrund der verhältnismäßig geringen Stromgewinnung gilt der Betrieb der Balkonkraftwerke als reiner Eigenverbrauch und ist dementsprechend nicht umsatzsteuerpflichtig. Je nachdem, wie hoch die Anschaffungskosten und der eigene Stromverbrauch genau sind, rechnet sich der Kauf oft schon nach kurzer Zeit. Nach fünf Jahren haben sich die Anschaffungskosten in vielen Fällen schon amortisiert.

Zwei Männer stehen vor einem Balkonkraftwerk. Diese Mini-PV-Anlagen können viel Solarstrom für den Eigenverbrauch erzeugen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Martin Schutt)
Balkonkraftwerke können eine lohnende Alternative zu Solaranalagen auf dem Dach sein. picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Martin Schutt

Wichtig zu wissen: Vor der Inbetriebnahme der Mini-PV-Anlage muss diese beim regionalen Netzbetreiber und beim Markstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen sein. Maximal zwei Anlagen oder bis zu 600 Watt Stromerzeugung sind insgesamt gesetzlich erlaubt. Zudem sollte der Vermieter vor der Montage von Balkonkraftwerken um Erlaubnis gefragt werden – gesetzlich müssen diese normalerweise aber zumindest geduldet werden.

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