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SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele (Foto: Dirk Bannert)

Fahrrad-Diebe haben es oft leicht. Meist können sie schnell ein Schloss knacken. Alle zwei Minuten passiert das in Deutschland. Dabei gibt Absicherungen, die Langfinger hassen.

Neben sinnlosen Billig-Schlössern, die oft unter fünf Euro kosten, unterscheidet man sechs Arten von brauchbaren Befestigungen: Bügelschlösser, Panzerkabel, Faltschlösser, (Spiral-)kabelschlösser, Rahmen- und Bremsscheibenschlösser. Außerdem gibt es zwei Varianten von Fahrrad-Alarmanlagen. Zusätzlich hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club eine Checkliste zur Diebstahlsicherung. Die kostenlose Fahrradpass-App (Android/Apple) der Polizei ist zwar kein Schutz aber hilfreich.

Bügelschlösser

Die schweren Stahlbügel sind das Beste für die Fahrradsicherheit. Die Markenprodukte sind so stabil gebaut, dass ein gewaltsamer Aufbruchsversuch auf offener Straße kaum Erfolg hat. Allerdings ist das Anschließen an Laternen oder Bäume schwierig.

Panzerkabel und Ketten

Gute Panzerkabel und Kettenschlösser sind fast so sicher wie Stahlbügel, da die Panzerung oder die Kettenglieder ähnlich widerstandsfähig sind. Ihr Vorteil: Sie sind wesentlich flexibler, was das Anschließen an Straßenlaternen ermöglicht.

Faltschlösser

Faltschlösser lassen sich wie ein Zollstock einfach zusammenlegen und gut am Fahrrad befestigen. Die hochwertigen und damit auch hochpreisigen Modelle sind ähnlich sicher wie Bügelschlösser. Wichtig: Immer die längste Version wählen, damit das Anschließen klappt.

In Schweden hängen Fahrräder an Halterungen in der Luft. (Foto: Claes Pettersson  on Unsplash.)
In Schweden müssen Fahraddiebe Leitern oder Trampoline dabei haben. Claes Pettersson on Unsplash.

Rahmenschlösser

Rahmenschlösser reichen als alleinige Diebstahlsicherung nicht aus. Sie sind nur eine Art „Wegfahrsperre“. Für einen kurzen Besuch beim Bäcker kann es reichen, das Hinterrad zu blockieren. Allerdings nur, wenn man sein Rad im Auge behält. Darüber hinaus eignen sie sich als zusätzliche Sicherung und haben den Nebeneffekt, dass das Hinterrad gegen Teileklau gesichert ist.

Spiralkabelschlösser

Für die dünnen Spiralkabel gilt das gleiche wie für Rahmenschlösser: Besser als nichts – aber man sollte sein Rad immer im Auge behalten.

Polizeioberkommissar Klaus Schneider zeigt in Fürth ein zerstörtes Kabelschloss. Der Fahraddiebstahl hätte mit einem stabilieren Fahrradschloss eventuell verhindert werden.   (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Timm Schamberger/dpa)
Was von einem Fahrraddiebstahl übrig blieb: Ein sauber durchtrenntes Kabelschloss. picture alliance / Timm Schamberger/dpa

Bremsscheibenschlösser

Für Motorräder gibt es sie schon länger, jetzt sind sie auch für Fahrräder mit Scheibenbremsen auf dem Markt. Bremsscheibenschlösser werden durch die Löcher in der Bremsscheibe geführt und blockieren zuverlässig das betreffende Rad.

Interne Fahrrad-Alarmanlagen

Sie verbinden Fahrradschloss mit Alarm – für Diebe kaum zu erkennen. Fahrradschlösser mit Alarm sind mit integrierten Bewegungssensoren ausgestattet, die alle Bewegungen des Rades überwachen. Fummelt ein Dieb am Rad herum oder versucht es wegzutragen, ertönt ein 110 dB-lauter Alarmton bis zu 30 Sekunden lang. Bei weiterer Manipulation setzt sich der Alarm fort, so dass der Kriminelle kontinuierlich bei seinem Plan gestört wird.

Teilweise ist ein Fahrradschloss mit Alarm an eine Smartphone App gekoppelt. Dann erhält der Fahrradbesitzer eine sofortige Mitteilung auf das Smartphone. Dazu muss sich der Besitzer aber meist in Empfangsreichweite aufhalten.

Tipps von der Fahrrad-Expertin

Die Fahrradexpertin Gudrun Zühlke vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) rät, bei einem teuren Fahrrad zwei Schlösser verschiedenen Typs zu benutzen, da jeder Dieb auf eine Schlossart spezialisiert sei.

Wenn die Schlösser nichts genutzt haben: GPS-Tracker führen zum Rad

Auf dem Markt sind verschiedene Systeme von GPS-Systemen zur Diebstahlsicherung. Die GPS-Tracker sind an unauffälligen Stellen am Fahrrad angebracht, zum Beispiel im Rücklicht. Wirkt das Rad geklaut lässt es sich mittels des GPS-Signals und mit Hilfe einer App wieder auffinden.

Was tun, wenn das geklaute Rad dank GPS vor einem steht?

Gudrun Zühlke vom ADFC rät, das Fahrrad zunächst mit einem eigenen Schloss zu sichern und dann die Polizei anzurufen. Auf keinen Fall solle man sein Fahrrad „zurückklauen“. Das GPS-System habe den Vorteil, dass man sein Rad rasch wiederfinde, wenn ein Gelegenheitsdieb es zwei, drei Straßen weiter schiebt. Bei organisierten Banden helfe auch das GPS-System nicht viel. Banden bringen geklaute Räder oft ins Ausland und zerlegen sie oftmals auch in Einzelteile.

Was bringt die Fahrradpass-App der Polizei?

In der Fahrradpass-App sind alle Daten, die zur Identifizierung eines gestohlenen Rades benötigt werden, gespeichert. Dadurch können die Daten im Notfall schnell an die Polizei oder an die Versicherung weitergeleitet werden. Man kann diese Angaben aber auch auf einem Stück Papier notieren und abheften und dazu noch Fotos machen.

Die Polizei hat ihre Tipps zur Sicherung von Fahrrädern auf Flugblättern und online zusammengestellt.

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