Beiger VW Bully steht hinter einem Steinstrand mit aufgestelltem Aufstelldach und montiertem Jetbag. (Foto: Unsplash/Nick Dunlap)

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Nachhaltiger Campen im Wohnmobil

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Sola Hülsewig

Camping klingt nach Naturliebe und Nachhaltigkeit. Aber stimmt das wirklich immer? Wie ist man möglichst umweltfreundlich unterwegs?

#vanlife: Mit dem Camper rumreisen

Frei und unabhängig reisen und das eigene Zuhause ist immer dabei: Caravaning boomt seit Beginn der Coronapandemie wie nie. Im Jahr 2020 wurden zum ersten Mal mehr als 100.000 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen. Der Trend geht zwar – unter anderem wegen Lieferschwierigkeiten – leicht zurück, hält aber trotzdem an.

Wie nachhaltig man tatsächlich mit dem Wohnmobil unterwegs ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Wie groß der CO2-Abdruck einer Reise ist, wird zu einem großen Teil davon bestimmt, wie man an den Urlaubsort kommt. Im Vergleich: Am klimaschädlichsten ist in der Regel immer noch die Reise mit dem Flugzeug – nur übertroffen durch Kreuzfahrtschiffe.

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Wohnmobile, Gespanne mit Wohnwagen und Vans verbrauchen durch ihre Größe und ihr Gewicht oft mehr Sprit als kleinere Pkw. Moderne Diesel-Camper verbrauchen im Schnitt zwischen 11 und 12 Liter auf 100 Kilometer.

Wie die CO2-Bilanz am Ende aussieht, hängt also nicht unwesentlich davon ab, wie weit man reist. Forscher des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) haben im Auftrag des Caravan Industrie Verbands (CIVD) in einer Studie die CO2-Emissionen verschiedener Reisearten ermittelt.

Ein Ergebnis: Liegt der Urlaubsort nicht allzu weit entfernt und ist der Aufenthalt vergleichsweise lang (Beispiel: zweiwöchiger Urlaub auf Rügen), ist der Campingurlaub umweltfreundlicher als eine Anreise mit dem Pkw plus Hotelübernachtung. Im Hotel werden bis zu zehnmal mehr CO2-Äquivalente freigesetzt, wie bei einer Übernachtung auf dem Campingplatz.

Was ist nachhaltiger: Wohnmobil oder Hotel?

Liegt der Zielort dagegen eher weit weg, kann die Rechnung schon anders aussehen: Bei einer Reise nach Südfrankreich ist die Anreise per Pkw mit Hotelübernachtung sogar tendenziell klimafreundlicher als die Anreise per Campingmobil mit Übernachtung auf dem Campingplatz. Trotzdem schlägt die Camper-Variante deutlich eine Anreise per Flugzeug plus Hotelübernachtung und liegt auch vor der Anreise mit Flugzeug plus Campingplatz-Übernachtung. Wer mit einem motorisierten Campingfahrzeug auf einem einfach ausgestatteten Stellplatz übernachtet, kann auch CO2-Emissionen sparen.

Fazit: Caravaning sollte möglichst als langsames Reisen begriffen werden: Lieber wenige, lange Urlaube mit kürzeren Distanzen.

Für längere Distanzen sollte überprüft werden, ob man am Zielort einen Camper oder ein Mobilheim mieten kann – und möglichst klimafreundlich anreisen.

Besonders nachhaltig: Zelturlaub

Am allernachhaltigsten ist das gute alte Zelt – auch wenn Campingmobile, wie Van, Wohnmobil oder Wohnwagen, auf Campingplätzen der Standard sind. Wer dann noch mit Zug, Bus oder Fahrrad anreist, tut der Umwelt einen großen Gefallen.

Orange-silberfarbenes Zelt steht in einem Wald auf einem Grill-Campingplatz. (Foto: Colourbox)

Diese Wohnmobile sind am nachhaltigsten

Generell gilt: Je kleiner und leichter das Camping-Mobil, desto klimafreundlicher. Ältere, besonders große Wohnmobile haben meist einen besonders hohen Verbrauch. Wer zu zweit reist, könnte z. B. im kleinen Van in VW-Bus-Größe campen oder eine Familie im größeren Teilintegriertem mit vier oder mehr Schlafplätzen.  

Im Innenausbau sollte man also auf Minimalismus und Funktionalität setzen. Wer natürliche Materialien verwenden möchte, ist mit Nadelholz gut beraten, da es vergleichsweise leicht ist. Auch Filz und (öko-tex-zertifiziertes) Linoleum bieten sich hier an. Mittlerweile gibt es Ausbauer, die sich auf natürliche Materialien spezialisiert haben. 

Weniger Gewicht schont die Umwelt

Auch beim Packen lässt sich durch gute Planung Gewicht und damit Sprit sparen. Lebensmittel sollten möglichst vor Ort eingekauft werden, dann profitieren auch die Menschen am Urlaubsort. Wassertanks nur nach Bedarf füllen – oft reicht ein halbvoller Tank bis zur nächsten Auffüll-Möglichkeit.

Auch beim Campen Müll trennen!

Mindestens Papier, Restmüll und Verpackungen sollten auch beim Campen getrennt werden. Anfallenden Müll dürfen Camper auch nicht einfach in öffentlichen Mülltonnen entsorgen. Am besten nimmt man seinen Müll mit und entsorgt ihn auf Camping- oder Stellplätzen.

Auch anfallendes sogenanntes Grauwasser vom Spülen, Duschen, Kochen, Zähneputzen etc. darf nicht einfach auf die Wiese gekippt werden. Auch wenn auf der Verpackung steht, dass das Produkt biologisch abbaubar ist, kann es Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen schaden, wenn es direkt in die Umwelt gelangt. Die biologische Abbaubarkeit bezieht sich auf Kläranlagen. Daher gilt: Das Grauwasser unbedingt an speziellen Entsorgungsstellen ablassen – zum Beispiel auf Campingplätzen. Zudem kann man an Tankstellen kann man nachfragen, ob man dort sein Grauwasser entsorgen kann. Auch Gullis sind nur für Regenwasser vorgesehen und kein Ort, wo man Grauwasser loswird. Unter gar keinen Umständen sollte Grauwasser in der Nähe von Gewässern entsorgt werden, da es für Wasserorganismen besonders schädlich sein kann. 

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Trenntoiletten sind besonders umweltfeundlich

Es versteht sich von selbst, dass Chemietoiletten, wie sie in vielen Wohnmobilen üblich sind, alles andere als umweltfreundlich sind.

Die eindeutig bessere Variante: Trockentoilette oder Trenntoiletten. Sie müssen im Sitzen benutzt werden und brauchen kein Wasser. Der Urin fließt im vorderen Teil in eine Art Trichter und wird in einem Kanister gesammelt, der Kot landet im hinteren Teil in einem Eimer und wird mit Sägespänen getrocknet. Beides kann zuhause einfach auf den Komposthaufen. Der Urin gibt zudem, 1:10 verdünnt, einen super stickstoffhaltigen Dünger ab. Unterwegs kann der Urin in herkömmlichen Toiletten entsorgt werden, der Kot im Restmüll. Übrigens: Die Trenntoilette stinkt aufgrund der Trennung von festem und flüssigem Stuhl quasi nicht.

Umweltfreundliche Campingplätze

Wie nachhaltig Campingplätze und Unterkünfte generell am Urlaubsort tatsächlich wirtschaften, kann man häufig nur durch gezielte Nachfragen bei den Betreibern herausfinden. Folgende Labels bieten zudem Orientierung beim Camping:

  • Ecocamping: Das Versprechen: Die Campingplätze beschäftigen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Einheitliche Kriterien gibt es hier allerdings keine. 
  • Ebenfalls ein Siegel vom Verein "Ecocamping": Der "Klimafreundliche Betrieb". Dafür müssen Campingplätze feste Kriterien erfüllen. Urlauberinnen und Urlauber campen hier klimaneutral.
  • Das EU-Ecolabel zertifiziert Campingplätze ebenfalls nach einheitlichen Kriterien. Zum Beispiel: Die Plätze beziehen Ökostrom, sparen Wasser und vermeiden Abfall.

„Die Nachhaltigkeit hat nicht unbedingt was mit Luxus. Klar, haben 5-Sterne- oder 4-Sterne-Campingplätze mehr Wellnessangebote, die mehr Energie brauchen. Aber wenn die Energie nachhaltig erzeugt wird, vor Ort am besten noch, ist das nicht so das große Problem. Ich kenne sehr kleine Campingplätze, die nicht viel Aufmerksamkeit dem Thema Nachhaltigkeit zuwenden, und dadurch sehr unnachhaltig sind. Ich kenne wiederum ganz große Campingplätze, die Klima-plus sind, sogar noch positive Sachen machen.“

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