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Ein Film von Andreas Bernardi und Daniel Mesenholl

Wasenbach ist ein kleiner Ort im Taunus, rund sieben Kilometer südwestlich von Diez im Rhein-Lahn-Kreis gelegen. 314 Einwohner leben recht eng beieinander. Der Ort schmiegt sich beidseitig an die Flanken einer bogenförmigen Talaue.

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Viele Straßen verlaufen parallel am Hang, was dem Betrachter ein terrassenartig ansprechendes Ortsbild bietet. Der Tal-Kessel hat zugleich Auswirkungen auf die Akustik. Jede Schiedsrichterentscheidung schallt vom Sportplatz auf dem Hochplateau bis zur anderen Bergseite. "Man versteht jedes Wort, Neuigkeiten machen schnell die Runde", meint Bürgermeister Reiner Schwarz. Bauplätze zur Dorferweiterung gibt es nur außerhalb, auf der Höhe. Einer der Gründe, warum das Dorfgemeinschaftshaus nicht mitten in Wasenbach gebaut werden konnte.

Ende 2011 stellte der Gemeinderat seine Baupläne vor. Für knapp eine Million Euro sollte ein großzügig gestaltetes Dorfgemeinschaftshaus gleich neben dem Sportplatz entstehen. Einige Mitbürger wollten das verhindern. Manche aus persönlicher Ablehnung, einige aus Angst vor Verschuldung. Unterschriften wurden gesammelt, ein Bürgerbegehren eingebracht, letztlich kam es zur Abstimmung mit denkbar knappem Ausgang. Seinerzeit drohte die Dorfgemeinschaft am Bauvorhaben zu zerbrechen, schließlich hatte die Zerreißprobe ein Happy End.

Heute sind selbst die Zweifler von damals froh, dass gebaut wurde. Das Dorfgemeinschaftshaus ist keine reine Feierstätte. Wiederholt half es mit Schicksalsschlägen umzugehen. Für manchen Wasenbacher hat es eine große, persönliche Bedeutung. Ein Sänger aus dem Ort organisierte dort eine Benefiz-Veranstaltung zur Unterstützung der Koblenzer Palliativstation. Mit den Spendenbeträgen wurden todkranken Kindern ein letzter Wunsch erfüllt. Aktive aus Ortsvereinen stellten eine mehrtägige Typisierungsaktion zur Suche eines Stammzellenspenders auf die Beine.

Berti Mehlen (Foto: SWR)
37 Jahre lang fuhr Berti Mehlen als singender Wurstverkäufer über die Lande. Heute macht der Rentner Kaminholz, um fit zu bleiben. Bild in Detailansicht öffnen
Pascal Zampa genießt es mitten in der Natur zu leben. Von Berlin ist er mit seiner Familie hierhergezogen, um seinen Kindern die Chance zu geben behütet und naturnah aufzuwachsen. Bild in Detailansicht öffnen
Heute hat sich das Dorfgemeinschaftshaus zu Wasenbachs Mittelpunkt entwickelt. Doch 2011, als die Planungen begannen, war man sich im Ort nicht einig darüber, ob man den Neubau braucht. Bild in Detailansicht öffnen
Der guten Dorfgemeinschaft hat es Ralf Hannappel mit zu verdanken hat, dass seine Söhne noch leben. Beide leiden an einer lebensgefährlichen Immunkrankheit. Dank eines Knochenmarkspenders konnten sie gerettet werden. Bild in Detailansicht öffnen

Im Ort lebt eine Familie mit zwei Söhnen, die beide an einer lebensbedrohlichen Immunerkrankung leiden. Beide Kinder konnten gerettet werden. Eine Leistung, die nur durch das familiäre Miteinander möglich war, meinen alle Beteiligten rückblickend. Die Wasenbacher sprechen offen über die brisante Zeit, als der Neubau auf der Kippe stand. Denn dieses Kapitel ist Geschichte. Erfolgsgeschichte. Was die Menschen hier ausmacht ist mit anzupacken, sich selbst zu helfen. Freiwillige erbrachten am Bau Eigenleistungen im Wert von 170.000 Euro. Über mehrere Jahre, jeden Samstag, bei Wind und Wetter. Das schweißt zusammen. Mit jedem Stein ist nicht bloß ihr Bau gewachsen, auch der Stolz auf ihr Dorfgemeinschaftshaus.

Straßenkarte Wasenbach (Foto: SWR)
Straßenkarte Wasenbach
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