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Die Avocado liegt seit Jahren im Trend. In der veganen Küche ist sie fester Bestandteil. Als Superfood wird sie weithin gefeiert und gehandelt. Aber es ist ein Erfolg mit Schattenseiten.

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Seit Jahren steigt der Konsum auch hierzulande an: In den vergangenen zehn Jahren ist der Import fast um das fünffache gestiegen, von 19.000 auf 91.000 Tonnen im Jahr 2019. Geringe Mengen an Avocado werden in Israel und Teilen von Spanien angebaut.

Die meisten Avocados kommen aus Übersee: In Peru, Chile und Mexiko liegen weltweit die größten Anbaugebiete. Mit weitreichenden ökologischen Folgen.

So verheerend ist die Ökobilanz der Avocado

Der Transportweg ist augenscheinlich das größte Problem:

  • Rund 10.000 Kilometer legt jede Avocado zurück, bis sie in unserem heimischen Supermarkt landet.
  • Dabei entsteht viel CO2 - ein Treibhausgas - egal ob die Frucht per Wasser verschifft oder per Flieger transportiert wird.
  • Mit dem größten Problem aber haben die Menschen in den Herkunftsländern selbst zu kämpfen, mit dem Problem der Wasserknappheit.
  • Für ein Kilo - also rund drei Avocados - werden zwischen 1.000 und 1.500 Liter Wasser verbraucht.

Wasser, das dann an anderer Stelle fehlt. In Chile veröden ganze Landstriche, Flüsse trocknen aus, weil das Wasser für Avocado-Plantagen abgezweigt wird, und zwar ganz legal. Es entstehen Wüstenlandschaften. Kleineren Bauern wird die Existenzgrundlage entzogen.

Riesige Avocado-Plantage - Monokultur aus der Luft gesehen (Foto: SWR)
Der Hunger nach Avocados im Westen lässt Monokulturen wachsen.

Monokulturen sind das Gegenteil von Artenvielfalt. Sie zerstören den Boden, weil sie anfällig für Schädlinge sind und gespritzt werden müssen. Selbst wenn der Trend hier bei uns zu Ende ginge, hätten die Menschen in Süd- und Mittelamerika mit den ökologischen Folgen immer noch zu kämpfen.

In den Herkunftsländern werden die Avocados beim konventionellen Anbau mit Pestiziden gespritzt. Deswegen sollte man diese Früchte vor dem Verzehr waschen.  Zwar hat die Avocado eine harte Schale, doch können beim Schneiden über das Messer Rückstände ins Fruchtfleisch gelangen. Am besten greift man zu Bio-Avocados, die zumindest pestizidfrei sind und zudem nicht in Monokulturen wachsen. Aber auch die ökologisch angebaute Avocado hat einen exorbitant hohen Wasserverbrauch.

Das steckt in der Avocado

Die Avocado ist nicht nur ein Lifestyle-Produkt, auf das besonders Vegetarier und Veganer schwören. In ihr steckt auch viel Gutes: Die Avocado enthält neben einigen Vitaminen und Nährstoffen vor allem vielfach ungesättigte Fettsäuren. Damit ist sie eine gesunde alternative Energiequelle gerade für Menschen, die keine tierischen Produkte zu sich nehmen.

Täglich sollte man sie dennoch nicht verzehren, denn neben all den positiven Eigenschaften hat die Avocado eben einen sehr hohen Fettanteil, fast so viel wie in Sprühsahne. Deshalb war die Frucht in den 1980ern bis in die 1990er Jahre sogar verpönt. Dann aber entdeckten Ernährungswissenschaftler das Zauberwort von den "ungesättigten Fetten". Seitdem ist der Siegeszug der Avocado ungebrochen, trotz der miserablen Ökobilanz.

Diese gesunden Alternativen gibt es

Olivenöl ist bekannt für seine gesunde Eigenschaft wegen seiner ungesättigten Fettsäuren. Deshalb bieten Oliven und Olivenöl eine echte Alternative zur Avocado. Der beste Lieferant von diesen gesunden Ölen aber sind Nüsse: vor allem Walnüsse aus heimischen Wäldern. Die haben den gleichen Effekt wie Avocado und das bei einer wesentlich besseren Öko-Bilanz. Die Verbraucherzentralen jedenfalls sehen aus ernährungswissenschaftlicher Sicht auch für Vegetarier und Veganer keinen Grund, vermehrt Avocados zu essen. Sie raten deshalb dazu, Avocados nur selten und bewusst auf den Speiseplan zu setzen.

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