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Ein Eigenheim soll es sein, aber bitte bezahlbar - die Lösung könnte ein Tiny House sein. Dauerhaft auf 18, 30 oder maximal 45 Quadratmetern in den eigenen vier Wänden wohnen und leben, können sich immer mehr Menschen vorstellen. Mikrohäuser - englisch Tiny Houses - sind im Trend, sehen knuffig aus, verpflichten den Bewohner zur Sparsamkeit auf allen Kanälen - und können sogar glücklich machen. Die Stellplatzsuche ist allerdings oft ein Problem.

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Das ist ein Tiny House

Ein Minihaus, ungefähr sechs bis neun Meter lang, maximal 45 Quadratmeter Wohnfläche: Vom umgebauten Bauwagen für wenige 1.000 Euro bis zum Luxus-Cube im futuristischen Design für einen sechsstelligen Betrag ist alles möglich. Es gibt kleinere Modelle bis maximal 3,5 Tonnen Gewicht, die auf einem Anhänger stehen und größere Tiny Houses, die auf LKW-Hängern gezogen werden können und entsprechend andere Ausmaße haben. Das Höchstgewicht liegt dann bei 14 Tonnen. Diese Tiny Houses haben den Beinamen "on wheel" (= auf Rädern). Es gibt auch Tiny Houses, die fest auf Bodenplatten aufliegen.

Diese behördlichen Hürden gibt es

Wenn das Mikrohaus auf einem Anhänger steht, braucht man dafür eine Wohnwagenzulassung und TÜV. In diesem Fall darf das Tiny House nicht schwerer als 3,5 Tonnen sein und die maximale Größe von vier Meter Höhe, 7,5 Meter Länge und 2,55 Meter Breite nicht überschreiten.

Laut deutschem Recht wird das Tiny House vom Fahrzeug zum Gebäude, wenn es erst einmal abgestellt ist, und darf daher nur auf einem erschlossenen Grundstück mit Baugenehmigung stehen.

Tiny House (Foto: SWR)
Da das Wohnrecht Sache der Länder und Kommunen ist, gibt es regionale Unterschiede bei den Bebauungsplänen und Ortsgestaltungssatzungen, die bei der Abstellung eines Tiny Houses beachtet werden müssen.

Die erste Anlaufstelle sollte immer das örtliche Bauamt sein, dort können Interessierte eine Bauvoranfrage stellen. Dann wird entweder eine Genehmigung für den Stellplatz erteilt oder - was häufiger passiert - abgelehnt. Die Gründe dafür: Freiflächen sind oft als solche geplant und sollen nicht versiegelt werden. Sie dienen als Grünfläche der Ökologie und als Erholungsfläche. Gerade im innerstädtischen Bereich spielt auch die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle: Ein großes Grundstück soll nicht mit einem kleinen Haus bebaut werden, wenn man auf der Fläche mit anderen Bauvorhaben Wohnraum für viel mehr Menschen schaffen kann.

Das Alles gilt übrigens nicht auf Campingplätzen. Wer dauerhaft in einem Tiny House wohnen will, findet am ehesten auf Campingplätzen einen Stellplatz. Ob man da 365 Tage im Jahr wohnen darf, muss allerdings ebenfalls geklärt oder beantragt werden. Möglich ist es unter anderem nur, wenn die zuständige Gemeinde das Dauercampen erlaubt.

Ökologische Vorteile eines Tiny House

Das umweltbewusste Motto "Weniger Fläche bedeutet auch weniger Ressourcenverbrauch" ist für viele ein Grund, sich für ein Tiny House zu entscheiden. Zudem kann jeder Tiny-House-Besitzer selbst entscheiden, wie ökologisch er leben möchte und welche Aspekte ihm beispielsweise beim Heizen oder der Wasseraufbereitung wichtig sind.

Doch ob sie wirklich ökologisch nachhaltig produziert oder bewohnbar sind, liegt zunächst in der Hand der Erbauer.

Kriterien für den Kauf eines ökologisch-nachhaltigen Mikrohauses:

  • aus heimischen Hölzern gebaut
  • gut isoliert
  • ausgestattet mit Nachhaltigkeits-Hightech im Bereich Wärme (etwa mit einem Zweikammer-Ofen)
  • Grauwasseraufbereitung (etwa über eine Pflanzenkläranlage auf dem Dach)
  • Trockenkompost-Trenntoilette, in der Flüssiges von Festem durch eine Wand in der Kloschüssel getrennt wird

Ökologische Nachteile eines Tiny House

Ob Tiny Houses wirklich eine nachhaltige Wohnform der Zukunft sein können, wird ab November 2020 an der Technischen Hochschule Bingen erforscht.

Tiny House der TH Bingen (Foto: SWR)
Die Wissenschaftler der TH Bingen haben ein Tiny House der Luxusklasse für 210.000 Euro auf den Campus gestellt, welches zukünftig als Testlabor genutzt wird.

In diesem Tiny House wird zukünftig auf kleiner Fläche Technik getestet, die auf große Flächen übertragen werden kann.

"Aus energie- und versorgungstechnischer Sicht ist es nicht der optimale Weg, weil ich natürlich eine unvorteilhafte Cubatur habe, also eine große Außenfläche im Verhältnis zur Wohnfläche, über die es relativ viele Wärmeverluste gibt. Und das macht so ein Gebäude relativ ineffizient."

Martin Pudlik, Professor für Regernative Energiewirtschaft an der TH Bingen

Gegen das Nachhaltigkeitsprinzip spricht also, dass ein Raum mit vier Außenflächen, Ober- und Unterseite sehr viel Angriffsfläche für Wärmeverlust in den kalten Monaten bietet und zudem häufig nur von einem einzelnen Bewohner genutzt wird. Dagegen spricht auch, dass diese  - wenn auch nur kleine Grundfläche - für einen einzelnen Menschen versiegelt ist, im Gegensatz zu einem Mehrfamilien- oder Hochhaus, wo viele Menschen übereinander wohnen. Das gilt besonders für den städtischen Bereich.

Darum können Tiny Houses glücklich machen

Wer gelernt hat, mit wenig Raum auszukommen, weniger Konsumgüter um sich zu scharen und weniger Kleidung im Schrank zu horten, erlebt eine Leichtigkeit, die befreiend ist. Zudem hat ein kleiner Wohnraum auch weniger Fläche, die geputzt werden muss. Frei nach dem Motto "Weniger ist eben doch mehr". Zudem erlauben einige Tiny-Houses auch individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, ideal zugeschnitten für den jeweiligen Bewohner.

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