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Rheuma, eine weit verbreitete Volkskrankheit, trifft auf Covid-19, eine neue Infektion, die die gesamte Bevölkerung bedroht - mit Folgen für die Betroffenen...

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Um einen Zusammenhang zwischen Rheuma und Corona herstellen zu können, ist es wichtig zu wissen, was Rheuma überhaupt ist.

Das versteht man unter Rheuma

  • Medizinisch korrekt lautet Rheuma "Krankheiten des rheumatischen Formenkreises".
  • Über 100 verschiedene Erkrankungen fallen darunter, die oft durch Entzündungen hervorgerufen werden.
  • Der Name Rheuma kommt aus dem Griechischen und bedeutet "ziehender, reißender Schmerz" - Rheumatische Erkrankungen sind häufig mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verbunden.
  • Diese können den gesamten Bewegungsapparat – Gelenke, Gelenkkapseln, Knochen, Muskulatur oder Sehnen –, aber auch innere Organe und den Gesamtorganismus betreffen.
  • Rheuma kann man in jedem Alter bekommen – auch jüngere Erwachsene und sogar Kinder leiden daran.
  • Es gibt vier Hauptgruppen von Rheuma.

Rheuma-Erkrankungen werden nach vier Hauptgruppen eingeteilt

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen
Die häufigste Form ist die Rheumatoide Arthritis. Ohne Therapie führt die rheumatoide Arthritis häufig zur Zerstörung und zum Funktionsverlust der betroffenen Gelenke. Je früher eine rheumatoide Arthritis behandelt wird, desto besser lässt sich der Verlauf beeinflussen und die Gelenkzerstörung verhindern.

Degenerativ-rheumatische Erkrankungen
Gelenkknorpel oder Wirbelsäule sind beschädigt oder krankhaft verändert. Betroffene klagen über Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Die Arthrosen sind die häufigsten chronischen Gelenkerkrankungen. Der Knorpel in Knie, Hüfte, Finger oder Zehen ist meist großflächig geschädigt.

Chronische Schmerzsyndrome des Bewegungsapparates
In diese Gruppe fällt der chronische Rückenschmerz, der zu den häufigsten Behandlungsanlässen führt. Er nimmt mit dem Alter zu und erreicht seinen Höhepunkt in der Altersgruppe ab 70 Jahren. 

Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden 
Hierzu zählt die Osteoporose – eine Krankheit, die Folge entzündlichen Rheumas sein kann. Bei der Osteoporose – auch Knochenschwund genannt – ist der Knochenstoffwechsel gestört. Die Knochen werden anfällig für Brüche.Die Osteoporose selbst verursacht keine Beschwerden, Knochenbrüche jedoch sehr wohl.

Deshalb sind Rheumapatienten durch Corona besonders gefährdet

Arzt und Rheuma-Patient im Behandlungszimmer, Arzt diagnostiziert die Beweglichkeit der Handgelenke (Foto: SWR)
Während der Infektionslage in der Corona-Pandemie müssen Rheumapatienten unbedingt den Therapieregeln der behandelnden Ärzte folgen.
  • Rheumapatienten infizieren sich häufiger mit Viren und Bakterien und erkranken schwerer als Menschen ohne Rheuma.
  • Sie sind zum einen durch die Grunderkrankung an sich einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt,
  • zum anderen durch die Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen.

Eine Therapie mit Immunsuppressiva sollte keinesfalls ohne Rücksprache mit den behandelnden Ärzten abgesetzt werden. Eine aktive, unbehandelte entzündliche Rheumaerkrankung ist in der Regel gefährlicher für eine Ansteckung mit einer Viruserkrankung als ein mit Medikamenten gut eingestelltes entzündliches Rheuma.

Rheumamittel werden gegen Covid-19 getestet

Intensivmediziner aus der ganzen Welt erhoffen sich, mit dem Rheumamittel Tocilizumab schwere Verläufe bei Covid-19-Erkrankungen stoppen zu können. Im Rahmen einer weltweiten Studie sei auch drei Patienten an der Uniklinik München Tocilizumab verabreicht worden, so der Intensivmediziner Prof. Michael von Bergwelt. Er erklärt im Deutschlandfunk, den Patienten gehe es besser. Dies könne aber auch ein natürlicher Verlauf sein, denn die Studie sei "placebo-kontrolliert". Das heißt, weder Mediziner noch die Erkrankten wissen, was verabreicht wurde.

Es gebe zwar begründete Hoffnungen, dass Tocilizumab gegen überschießende Immunreaktionen helfen könne. Man habe bereits gute Erfahrungen bei der Blutkrebs-Therapie gemacht, betonte Professor von Bergwelt, trotzdem sei das Mittel keine Wunderwaffe gegen das Coronavirus. Dafür seien zu viele Komponenten noch unerforscht.

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