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Bawettchen ist Kult! Es geht um eine Eisenbahn, die alle lieben, die es aber nicht mehr gibt; also um Zuggeschichten ohne Zug und eine individuelle Spurensuche in Rheinhessen.

Der langjährige Eisenbahn-Romantik-Sprecher Jo Jung macht sich auf den Weg in die Rheinhessische Schweiz, wo er großteils aufgewachsen ist. Bei sich trägt er ein Bild vom Bawettchen, das bereits über seinem Kinderbett hing. Anlässlich seiner letzten Sendung im Dienste des SWR möchte er mehr über diese verschwundene, aber nicht vergessene Eisenbahn in Erfahrung bringen. 

Rheinhessen Bawettchen

Bawettchen (Foto: SWR)
Mit diesem - leicht unscharfen - alten Bild vom „Bawettche“ beginnt alles. Bild in Detailansicht öffnen
Eisenbahn-Romantik-Sprecher Jo Jung steht mit dem Foto in Mainz am Bahnsteig und wartet auf den Zug, der ihn in die Heimat vom Bawettchen bringen soll. Bild in Detailansicht öffnen
In Mainz verkehren zahlreiche Züge von Vlexx, unter anderem fährt auch einer Richtung Bad Kreuznach. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Kamerateam vom SWR begleitet Jo Jung auf seiner Spurensuche. Wir sind gespannt, was er in Rheinhessen erleben wird. Bild in Detailansicht öffnen
Glück mit dem Wetter: während der Dreharbeiten hatten wir meistens Sonne. Bild in Detailansicht öffnen
In Neu-Bamberg besucht Jo Jung Freunde und Verwandte und fragt nach Fotos und persönlichen Geschichten vom Bawettchen. Bild in Detailansicht öffnen
Den alten Bahndamm gibt es hier nur noch als Straßennamen. Das Kamerateam folgt Jo Jung und der den Schildern. Bild in Detailansicht öffnen
Wir machen einen Abstecher zum Steinbruch bei Neu-Bamberg, wo das Bawettchen früher Material abholte und der Großvater von Jo Jung Betriebsleiter war. Bild in Detailansicht öffnen
Steine in allen Größen: Hier wurde früher wohl auch Bahnschotter hergestellt. Bild in Detailansicht öffnen
Der Bahnhof von Neu-Bamberg-Frei-Laubersheim ist heute in Privatbesitz. Filmen dürfen wir netterweise trotzdem. Bild in Detailansicht öffnen
Die Schrift haben die Besitzer selbst restauriert. Das Bewusstsein, dass hier mal Bawettchen hielt, soll nicht verloren gehen. Bild in Detailansicht öffnen
Auch in den ehemaligen Bahnhof in Badenheim dürfen wir einen Blick werfen. Dieser liebevoll sanierte Raum war mal die Wartehalle. Bild in Detailansicht öffnen
Die alten Brücken zwischen Neu-Bamberg und Wöllstein sind eindrucksvolle Zeugnisse der Eisenbahn-Zeit. Über sie führt heute ein Wander- und Fahrradweg. Bild in Detailansicht öffnen
Der Kameramann sucht nach besonderen Blickwinkeln, während Jo Jung mit fachkundiger Begleitung hin- und herspaziert. Bild in Detailansicht öffnen
Von der Strecke ist nicht mehr viel zu sehen, vom Loktyp, der hier hauptsächlich unterwegs war, auch nicht. Dafür besitzen einige Eisenbahnfans der Gegend die preußische T 3 als Modell in ganz unterschiedlichen Größen. Bild in Detailansicht öffnen
Hier bekommen wir einen Eindruck, wie es früher mal war: Steffen Eiser hat einem Wöllsteiner Modellbahner eine Anlage abgekauft und baut sie weiter aus. Bild in Detailansicht öffnen
Vor dem Bahnhof in Wöllstein hält die preußische T 3 als H0-Modell. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Früher wurde hier Kohle ausgeladen. Ein großer Wöllsteiner Ziegelhersteller brauchte sie für die Produktion. Bild in Detailansicht öffnen
Extra für unsere Dreharbeiten hat Steffen Eiser die Anlage aus dem Keller geholt. Wir sind ihm sehr dankbar, so zumindest ein Mini-Bawettchen in Aktion erleben zu dürfen. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Stück größer, aber nicht in allen Details Bawettchen ähnlich: Frei-Laubersheim hat der Lok ein Denkmal gesetzt. Bild in Detailansicht öffnen
Im Mai 2019 haben wir die Landjugend beim Aufstellen des Denkmals beobachtet. Bild in Detailansicht öffnen
Es war eine engagierte und fröhliche Hauruckaktion an einem Sonntag. Bild in Detailansicht öffnen
Glückliches Posing nach vollbrachter Arbeit und es gab verdienten Applaus. Bild in Detailansicht öffnen
Noch ein Stück größer, aber Bawettchen auch nur ähnlich: die Dampflok von der Prignitzer Schmalspurbahn steht in einem privaten Garten in Wöllstein. Der Besitzer hat sie uns stolz gezeigt. Bild in Detailansicht öffnen
In Sprendlingen traf früher Bawettchen auf die Rheinhessenbahn. Endlich ein Zug, der heute noch fährt! Bild in Detailansicht öffnen
Von Sprendlingen folgen wir der Strecke ein Stück Richtung Worms. Bild in Detailansicht öffnen
Weinberge wischen am Fenster vorbei. Sie reichen teilweise bis an die Gleise. Bild in Detailansicht öffnen
So stellt man sich Rheinhessen vor: Reben, Sonne und bitte Zugverkehr! Bild in Detailansicht öffnen
Abschließend besuchen wir in Armsheim das Alte Stellwerk. Der Himmel zieht sich zu. Gut, dass wir ohnehin innen drehen wollten! Bild in Detailansicht öffnen
In der unteren Etage hängen die ehrenamtlichen Mitglieder eines Fördervereins alte Signale auf. Bild in Detailansicht öffnen
In der oberen Etage diskutieren Eisenbahner mit Nicht-Spezialisten, wie sie die komplexe Technik in ihrem Museum vermitteln wollen. Bild in Detailansicht öffnen
Es lohnt sich, hier ein Erlebnismuseum einzurichten: Das mechanische Stellwerk in Armsheim ist das einzige in Rheinhessen, das mit aller Technik erhalten ist. Bild in Detailansicht öffnen
Zurück in Stuttgart: Ein halbes Jahr später entsteht im SWR aus dem Material von den Dreharbeiten ein Film. Bild in Detailansicht öffnen
Der Cutter schneidet den Filmanfang mit Jo Jung im Bild, der auf Spurensuche geht. Bild in Detailansicht öffnen
Dieselbe Filmsequenz vier Wochen später bei der Mischung durch den Toningenieur: erst nachdem die Originaltöne von den Dreharbeiten mit der Musik abgemischt sind, spricht Jo Jung den Text auf den Film. Bild in Detailansicht öffnen
Mit diesem - leicht unscharfen - Schnappschuss durch die Scheibe des Tonstudios endet Jo Jungs letzte Sprachaufnahme im Sender. Ein besonderer Tag! Bild in Detailansicht öffnen

Bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts fuhr Bawettchen zwischen Fürfeld und Sprendlingen. Neben Personen transportierte es landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Wein und Zuckerrüben und auch Baumaterial aus dem Steinbruch bei Neu-Bamberg und einer großen Ziegelei in Wöllstein. 

Es ranken sich zahlreiche Geschichten um Frauen namens „Babette“, die der Zugstrecke ihren Namen gegeben haben sollen. Eng verbunden mit der rheinhessischen Bezeichnung „Bawettche“ ist auch ein Loktyp, die preußische T 3, die 65 Jahre lang hier dampfte. Aber auch sie existiert nur noch auf Abbildungen und als Modell in verschiedenen Größen.

Desto verwunderlicher ist es, dass die Rheinhessen immer noch gerne von ihrem Bawettchen erzählen, quasi wie von einem Familienmitglied. Sogar die junge Generation engagiert sich fürs Bawettchen und hat ihr im Mai 2019 in Frei-Laubersheim ein Denkmal gesetzt. Die Bahnhöfe von Neu-Bamberg-Frei-Laubersheim und Badenheim sind inzwischen liebevoll zu Wohnhäusern umgestaltet worden und tragen dazu bei, dass die Erinnerung ans Bawettchen nicht verloren geht.

In Sprendlingen traf das Bawettchen früher auf die Rheinhessenbahn, die heute noch fährt. Nach einem Abstecher zum Alten Stellwerk Armsheim, das von einem Förderverein zum Erlebnismuseum umgestaltet wird, stellt Jo Jung am Ende seiner Spurensuche fest: Neben den wenigen Relikten sind es nicht zuletzt die Bilder im Kopf, die eine verschwundene Eisenbahn wie sein Bawettchen so liebenswert macht, durch Erzählungen weitergegeben von Generation zu Generation.

(ESD: 23.10.2020)

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