Folge 693

Baltisches Schmalspurmärchen

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Litauen, Lettland und Estland, die baltischen Staaten haben nach dem Ende der Sowjet-Herrschaft viel für die Erhaltung ihrer Vergangenheit getan. Auf baltischen Schmalspurstrecken kann man auf einer gemütlich-geruhsamen Reise in die Vergangenheit manch einer Eisenbahnlegenden begegnen.

Am Anfang stand ein Alptraum. Tausende von Güterwaggons fuhren nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Baltikum nach Sibirien. Um den Widerstandswillen der Litauer zu brechen, ließ Sowjet-Diktator Stalin fast 50 Prozent der Bevölkerung verfrachten. Die wenigsten der Deportierten kamen aus Sibirien zurück. Aber Litauen hat überlebt und die Eisenbahn auch, allerdings waren die Dampfzeiten Ende der 50er-Jahre vorbei.

Schmalspurbahnen im Baltikum  (Foto: SWR)
Dampflok Trofeinyi T3. Um den Widerstand der Litauer zu brechen, ließ Sowjet-Diktator Stalin fast 50 % der Bevölkerung nach Sibirien verfrachten. Die wenigsten kamen zurück. Aber Litauen hat überlebt und die Eisenbahn auch. Bild in Detailansicht öffnen
In diesen Güterwaggons wurden Menschen nach Sibirien deportiert. Heute ist er in Vilnius ein Mahnmal der Geschichte und ein begehrtes Foto-Objekt für Touristen. Bild in Detailansicht öffnen
Die Diesellok Tu 2 ist ca. zwei Stunden unterwegs auf der 68 Kilometer langen Strecke von Rubikai nach Anyksciai. Eine Reise zurück ins neunzehnte Jahrhundert. SWR - Nils Koch Bild in Detailansicht öffnen
Diesellok Tu 2 vor Siaurukas. In der Brachlandschaft Richtung weißrussischer Grenze gibt es keine Rohstoffe, keine verarbeitende Industrie und auch keine Landwirtschaft. Das Bähnchen fährt nur durch die Natur und am Ende dann in das Naturschutzgebiet von Rubikai. Bild in Detailansicht öffnen
Die Diesellok Tu 2 hat ein 300 PS starke Maschine. Der V12-Motor aus dem sowjetischen T3-Panzer ist mit einem 195 Kilowatt-Stromgenerator gekoppelt, der vier Motoren mit Energie versorgt. Auf maximal 50 Kilometer pro Stunde schafft es die Diesellok - vorausgesetzt der betagte Motor kommt erst mal in Schwung. Bild in Detailansicht öffnen
281 Schmalspur-Dieselloks Typ Tu 2 wurden zwischen 1955 und 1959 in der Maschinenfabrik Kaluga gebaut. An Sommerwochenenden gibt es Ausflugszüge zwischen Anyksciai und Rubikiai. Bild in Detailansicht öffnen
Restaurationswagen des Siaurukas oder Bähnchen, wie es auf litauisch liebevoll genannt wird. Bild in Detailansicht öffnen
Der renovierte Bahnhof Druskinai in Litauen. Bild in Detailansicht öffnen
Dampflok Marisa im lettischen Gulbene. Sie befährt die letzte Schmalspurstrecke für den regelmäßigen Personentransport im Baltikum von Gulbene nach Aluksne. Bild in Detailansicht öffnen
Dampflok Marisa, Baujahr 1956, wurde nach einer Baronin benannt, die der Gatte, Baron von Wolf, wohl bei einer Eisenbahnfahrt auf der Banitis-Strecke kennen und lieben gelernt hatte. Bild in Detailansicht öffnen
Dampflok Marisa mit historischem Zug. Höchstgeschwindigkeit des mit Holz befeuerten und mit einem fünfeinhalb Tonnen Wassertank ausgestatten Prachtstücks sind satte 35 Kilometer pro Stunde. Nils Koch Bild in Detailansicht öffnen
Historischer Zug mit Dampflok Marisa. Bild in Detailansicht öffnen
Dampflok Marisa in Gulbene. 423 dieser Dampfloks wurden in der DDR-Fabrik Orenstein & Koppel gebaut und in die Sowjetunion geliefert. Ganze vier Ku 4 sind heute noch betriebsfähig. Drei in der Ukraine und diese eine hier in Lettland. Bild in Detailansicht öffnen
Die Drehscheibe im Bahnhof Gulbene. Bild in Detailansicht öffnen
Museumslok Ku 4 in Anyksciai. Der Optimismus ist groß. Auch diese Lok soll wieder in Dienst gestellt werden. Bild in Detailansicht öffnen
Museumslok in Anyksciai. Bild in Detailansicht öffnen

Fortschritt war angesagt und damit Dieselloks. Auch auf den Schmalspurgleisen, die aber mit dem Ende der Sowjetunion nicht mehr befahren wurden. Ein Stück Vergangenheit ist nun wieder auferstanden. Zwei Schmalspurzüge sind in Litauen wieder für Touristen unterwegs. Der Traum von einer betriebsfähigen Dampflok hat sich noch nicht erfüllt.

Wohl aber in Lettland, dort zuckelt frisch aufgearbeitet, ein fast 60 Jahre altes, Dampfross über die 750 Millimeter breiten Gleise. Auch die Landschaft, durch die Marisa, eine der letzten Schmalspurlokomotiven des Baltikums im Liniendienst dampft, ist eine Reise wert.

(ESD: 08.02.2009)

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