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Wer Wales mit der Eisenbahn bereist, erlebt so viel, dass sich Bücher füllen lassen. Eisenbahn-Romantik begleitet Susanne Oswald, die in der Waliser Eisenbahn-Szene für einen neuen Roman recherchiert.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
14:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Von Shrewsbury reist die Autorin auf der Cambrian Line quer durch Wales an die Küste nach Aberystwyth. Dort steigt sie von Diesel auf Dampf um und erkundet das Hinterland.

Auf der Strecke der Cambrian Line liegt Newtown, einst wichtiger Standort der Textilindustrie, der seinen Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts der Eisenbahn zu verdanken hatte. Pryce Jones gründete hier als erster einen Versandhandel für Wollwaren. Anhand von Katalogen bestellten die Kunden und bekamen die Ware mit dem Zug geliefert.

Wolken, Wolle, Wales – Auf der Cambrian Line nach Aberystwyth

Eine Reise beginnt: die Romanautorin Susanne Oswald steigt in Shrewsbury in den Zug (Foto: SWR, Kirsten Ruppel)
Eine Reise beginnt: die Romanautorin Susanne Oswald steigt in Shrewsbury in den Zug und fährt mit einem Triebwagen von Transport for Wales nach Aberystwyth. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Auf der Cambrian Line bei Abermule: Im Inland ergeben sich nur wenige Durchblicke auf die Bahn. Die eingleisige Strecke ist gesäumt von Bäumen und Büschen. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Auf der Suche nach Kamerapositionen in Mittelwales: Es ist schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen. Selbst von den Hügeln sieht man den Zug kaum. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Im Depot in Machynlleth werden die Triebwagen aus den 90er Jahren, die Transport for Wales im Oktober 2018 von Arriva übernommen hat, regelmäßig gewartet. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Vom Stellwerk in Machynlleth wird die Cambrian Line überwacht. Die Männer lassen sich einen Vormittag lang vom SWR-Team über die Schulter schauen. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Der Zug aus Shrewsbury erreicht Machynlleth und wird geteilt. Die vorderen zwei Wagen fahren weiter nach Aberystwyth. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
An der 3 Kilometer langen Promenade von Aberystwyth kann man herrliche Sonnenuntergänge erleben. Im Hintergrund das Old College, ein ehemaliges Eisenbahn-Hotel, das heute zur Universität gehört. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Das Old College wurde gemeinsam mit der Bahnstrecke gebaut. Die Idee: Pauschaltourismus. Ende des 19. Jahrhunderts war das etwas Neues und ausgesprochen Luxuriöses. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Die Vale of Rheidol Railway startet in Aberystwyth. Einst gebaut, um Blei aus den Mienen im Hinterland an die Küste zu bringen, transportiert sie heutzutage Touristen. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Der Kameramann positioniert eine Gopro so, dass während der gesamten Fahrt von Aberystwyth zur Devils Bridge immer der Schornstein und die Kohle im Anschnitt zu sehen sind. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Die Vale of Rheidol Railway überquert gleich hinter Aberystwyth den Fluss, dem sie ihren Namen verdankt: den Rheidol. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Je höher sich die Vale of Rheidol Railway schraubt, desto komplizierter wird es, sie mit der Kamera einzufangen. Ganz oben im Tal schafft es nur noch eine Drohne. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Ioan Lord hat Erfahrung mit Kamerateams. Er lehnt sich aus dem Fenster und erzählt die Geschichte der Vale of Rheidol Railway, die er von Kindesbeinen auf kennt. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Der Kameramann lehnt sich aus einem anderen Fenster, um Ioan Lord bei seinen Erzählungen zu filmen. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Einer Mondlandschaft gleich: die Natur erobert sich die ehemaligen Blei-Minen nur langsam zurück. Das SWR-Team bereitet sich auf eine Untertage-Tour vor. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Der Mineneingang: Wer den Mut aufbringt, durch eine Röhre zu kriechen, wird sich in einer Eisenbahn-Welt wiederfinden, die längst vergangen ist. Reste von Schienen und Loren erinnern an den Abbau von Blei. Eine Mutprobe, die man allerdings nur unter fachkundiger Führung erleben sollte. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Ioan Lord zeigt Susanne Oswald und dem SWR-Team seine Mine. Um sie zu erhalten, hat er sie gemeinsam mit 4 Freunden für einen symbolischen Wert von einem britischen Pfund gekauft. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Zurück in Aberystwyth: Die lange Promenade reicht bis zum Constitution Hill, auf den eine Standseilbahn hinaufführt. Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen
Susanne Oswald fängt auf dem Constitution Hill an, ihren Roman zu konzipieren, der in der Eisenbahn-Szene von Aberystwyth spielen soll. Was sie wohl schreiben wird? Kirsten Ruppel Bild in Detailansicht öffnen

Machynlleth ist der Sitz des Depots von Transport for Wales und des Stellwerks von Network Rail. Im Depot werden die Dieseltriebwagen aus den 90er Jahren gewartet, die Transport for Wales von Arriva übernommen hat. Vor allem Bremschecks stehen auf der Tagesordnung, denn es herrscht Rutschgefahr durch Blätter auf den Schienen. Zahlreiche Bäume und Büsche begrenzen im Inland die eingleisige Strecke. Die Briten haben das europäische Eisenbahnverkehrsleitsystem ERTMS als erstes hier erprobt und 2011 eingeführt. Im Stellwerk Machynlleth sieht man, wie damit gearbeitet wird. Am Bahnhof findet auch die Entkopplung der Triebwagen statt, die paarweise nach Norden und nach Süden weiterfahren.

Aberystwyth ist die Endstation im Süden. Der Küstenort hat seine Entwicklung zum Seebad der Cambrian Line zu verdanken. Das Old College an der Strandpromenade - einst Eisenbahn-Hotel, dann Teil der Universität und demnächst kulturelle Begegnungsstätte - lässt einen heute noch eintauchen in eine vergangene mondäne Welt. Vor 150 Jahren reisten die wohlhabenden Briten mit dem Zug in den Erholungsurlaub am Meer.

Aber auch das Hinterland von Aberystwyth ist geprägt durch die Eisenbahn. Hier dampft es im Vale of Rheidol wie anno dazumal. Die drei Schmalspurloks der Great Western Railway von 1923/24 ziehen heutzutage Wagen mit Touristen von Aberystwyth zur Devil's Bridge. Eigentlich gebaut wurde die Strecke, um bleihaltiges Gestein zum Hafen zu transportieren. Die Minen waren bisher nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, doch ein 20-jähriger Zugbegleiter der Vale of Rheidol Railway ist dabei, das zu ändern. Ioan Lord hat mit 4 Freunden für einen symbolischen Wert von einem Pfund eine der Minen gekauft, alle Konzessionen und Versicherungen besorgt und bietet jetzt abenteuerliche Führungen an, bei denen er die Reste des unterirdischen Schienensystems zeigt.

(ESD: 24.01.2020)

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