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Sie kommen zu zweit und wollen angeblich die Wasserinstallation überprüfen. Wenn die Diebe - getarnt als Mitarbeiter der Wasserwerke - wieder weg sind, fehlen Wertsachen und Geld.

Der Fall: Falsche Wasserwerker unterwegs in Bingen am Rhein

Am 15. Oktober gegen 14.30 Uhr betreten zwei Männer ein Mietshaus in der Mainzer Straße in Bingen am Rhein. Im zweiten Stock klingeln sie bei Franz-Josef N. Das Haus wird schon seit einiger Zeit saniert - innen wie außen. Die Folge: Viele Handwerker sind im Flur unterwegs, es herrscht ein reges Kommen und Gehen und die Haustüre bleibt öfters offenstehen.

Der 85jährige Franz-Josef N. ist nicht erstaunt, dass schon wieder Handwerker da sind. Die beiden geben sich als Mitarbeiter der Stadtwerke Bingen aus. Im Zuge der Bauarbeiten am Haus müssten sie dringend den Wasserdruck und die Feuchtigkeit im Bad kontrollieren.

Sie tragen selbst Mund-Nasen-Schutz und bitten Franz-Josef N. dasselbe zu tun. Weil die beiden Männer so zuvorkommend auftreten, schöpft der 85jährige keinen Verdacht. Auch nicht, als der eine sich gleich wieder in den Keller verabschiedet. Angeblich, um dort die Wasserleitung zu überprüfen. Der andere lässt sich ins Bad führen. Aber kaum ist die Badezimmertür zu, schleicht sich sein Komplize zurück in die Wohnung. Die Eingangstür hatte er vermutlich nur angelehnt.

Im Bad soll Franz-Josef N. immer wieder das Wasser am Waschbecken und an der Wanne aufdrehen, während Täter Nummer 1 so tut, als würde er die Feuchte der Badezimmerwände messen. Über die Ergebnisse seiner Messung telefoniert er angeblich mit seinem Komplizen.

Tatsächlich aber durchwühlt der zweite Täter währenddessen den Schlafzimmerschrank und lässt eine Kassette mit Silber- und Goldmünzen mitgehen. Zudem findet er eine Schmuckschatulle, eine Erinnerung an die verstorbene Frau des Opfers. Den Modeschmuck lässt der Dieb liegen, einige echte Schmuckstücke steckt er ein, genauso wie die Geldbörse mit 130 Euro und wichtigen Papieren. Darunter ist neben Führerschein und Fahrzeugschein auch der Ausweis zum neuen Hüftgelenk des Rentners.

Telefonisch sprechen sich die Täter nach dem Beutezug ab und im Bad erklärt Täter Nummer 1 die Aktion für erfolgreich beendet und verlässt – wie zuvor sein Komplize – die Wohnung.

Weitere Fälle mit den falschen Wasserwerkern in Bad Dürkheim und weiteren Städten

Bereits am 2. Juli schlugen Diebe mit der Masche der falschen Wasserwerker in Bad Dürkheim zu. Und Mitte Oktober gibt es neben dem Fall in Bingen Beutezüge gleich in vier weiteren Städten. In Kaiserslautern sogar zweimal am selben Tag.

Die Betrüger kommen immer tagsüber und sie suchen sich gezielt Senioren als Opfer.

"Die Leute klingeln dann, sprechen die Personen mit Namen an und dann ist natürlich schon ein Vertrauensverhältnis fast aufgebaut. Auch an Häuser, an denen Gerüste stehen oder offensichtlich Bauarbeiten stattfinden, gehen die Täter gezielt dran. Sie haben dann natürlich auch leichtes Spiel, da erstmal keine Skepsis aufkommt."

Anna Dexheimer, Pressestelle, Polizeipräsidium Mainz

Stadtwerke schicken Mitarbeiter nur nach vorheriger Ankündigung

Was viele Bürger nicht wissen: Stadtwerke schicken in aller Regel keine Mitarbeiter ohne vorherige Ankündigung! Weder zum Ablesen noch zu irgendeiner Wartungsarbeit.

Außerdem sind ihre Mitarbeiter an den Fahrzeugen und ihrer Kleidung zu erkennen. Und sie alle können ihren Stadtwerke-Ausweis vorzeigen! Marco Mohr, Stadtwerke Bingen: Der Mitarbeiter kann sich anhand des darauf befindlichen Lichtbilds eindeutig als Mitarbeiter der Stadtwerke identifizieren, und wenn Sie dann immer noch unsicher sind, dann rufen Sie bei den Stadtwerken an und vergewissern Sie sich, dass Arbeiten in der Straße oder konkret bei Ihnen im Haus stattfinden.

Weitere Tipps zum Schutz

"Es gibt […] ganz verschiedene Möglichkeiten, sich abzusichern. Wir empfehlen zum Beispiel immer die sogenannte Türspaltsperre nachzurüsten. Das war früher die Kette an der Haustür. Die verschafft zum einen Zeit, man hat keinen Druck, man fühlt sich sicher und ist davor geschützt, dass sich Täter direkt in die Tür drängen, ins Haus drängen. Oder den Fuß in die Tür stellen. Das verschafft auch ein großes Sicherheitsgefühl."

Anna Dexheimer, Pressestelle, Polizeipräsidium Mainz

Weitere Maschen der Betrüger, insbesondere in Zeiten von Corona erfahren Sie unter:

Die Polizei warnt Die fiesesten Abzock-Tricks mit Corona

Die Angst im Umgang mit dem Coronavirus nutzen auch Betrüger aus: Manche geben sich als falsche Ärzte aus, andere versuchen es mit dem Enkeltrick oder mit Mails, die angeblich von der WHO stammen.  mehr...

Marktcheck SWR Fernsehen

Dort finden Sie auch Tipps, wie Sie sich schützen können.

Und auch die Polizei bietet viele weitere Tipps an. Zu finden auf den Internetseiten der Polizeilichen Kriminalprävention unter „Betrüger an der Haustür“

Ihre Mithilfe ist gefragt

Können Sie helfen? Der Trickdiebstahl bei Franz-Josef N. in Bingen ereignete sich am 15. Oktober gegen 14 Uhr 30, in der Mainzer Straße.

Täterbeschreibung:

  • zwei Männer
  • beide rund 1 Meter 70 groß
  • mit dunklen Haaren
  • dunkler Kleidung
  • und dunklen Schirmmützen
  • Sie sprachen akzentfreies Deutsch.

Hinweise bitte an die Polizei Bingen unter der Telefonnummer: 06721 90 50.

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