Reichsuniversität Straßbourg (Foto: SWR)

Forschung und Verbrechen – Die Reichsuniversität Straßburg

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Am 23. November 1941 wurde die Reichsuniversität Straßburg feierlich eröffnet. Als geistiges Bollwerk des Deutschtums im besetzten Elsass sollte die Hochschule die NS-Ideologie Richtung Westen verbreiten und sogar die Pariser Sorbonne in den Schatten stellen.

Grausame Menschenversuche

Die Fakultäten wurden mit den besten Köpfen des Deutschen Reichs besetzt, dazu zählten der „Kronjurist“ des Dritten Reichs Ernst Rudolf Huber, der Physiker und spätere Friedensforscher Carl Friedrich von Weizsäcker und der Mediziner Johannes Stein, Großvater der Filmautorin Kirsten Esch. Berüchtigt ist die Universität heute wegen der Menschenversuche, die Mediziner der Hochschule im nahegelegenen Konzentrationslager Natzweiler-Struthof durchführten.

Ort des Widerstands

Die Reichsuniversität ist aber auch ein vergessener Ort des Widerstands gegen das NS-Regime. Elsässische Studenten um den Literaturstudenten Alphonse Adam wehrten sich gegen die Zwangseinberufung der elsässischen Männer zur deutschen Wehrmacht. Dafür wurden sie vom Richter Roland Freisler zum Tode verurteilt.

Persönliche Spurensuche

In ihrem Film setzt sich die Autorin mit der Rolle ihres Großvaters als Dekan der Medizinischen Fakultät auseinander. Was hat ihr Großvater von den Verbrechen an seiner Fakultät gewusst? Zugleich schildert ihre Dokumentation die Geschichte eines nationalsozialistischen Prestigeprojekts im besetzten Frankreich und die Beteiligung der geistigen Elite im Dritten Reich an grausamen Verbrechen.

Die Dokumentation „Forschung und Verbrechen – die Reichsuniversität Straßburg“ wurde mit dem Deutsch-Französischen Journalistenpreis 2019 in der Kategorie „Video“ ausgezeichnet.

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AUTOR/IN
SWR Fernsehen