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SENDETERMIN Fr, 13.3.2020 | 4:55 Uhr | SWR Fernsehen

Der Südwesten von oben Unsere Flüsse

Rhein, Mosel, Neckar, Donau und Saar - Flüsse sind Lebensadern. An ihren Ufern entstanden die ersten Siedlungen; aus einigen wuchsen bedeutende Städte, weil Handel und kulturelles Leben aufblühten. Der Mensch nutzt die Flüsse seit jeher als Nahrungsquelle und Transportweg. Er versucht, sie zu beherrschen, in ein gerades Bett zu zwingen - und scheitert doch bis heute an ihrer Naturgewalt. Eine wechselvolle Beziehung also, von der dieser Film erzählt.

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Fluss-Portraits

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Katrin Münch ist Wildtierökologin an der Wutach, dem natürlichsten Fluss in Baden-Württemberg. "Die Wutachschlucht ist für mich jedes Mal ein überwältigendes Naturerlebnis", meint Katrin Münch. "Eine einzigartige Flusslandschaft, in der wir Daten über das Vorkommen und Verhalten von Wildtieren sammeln können."

Katrin Münch ist Wildtierökologin an der Wutach, dem natürlichsten Fluss in Baden-Württemberg. "Die Wutachschlucht ist für mich jedes Mal ein überwältigendes Naturerlebnis", meint Katrin Münch. "Eine einzigartige Flusslandschaft, in der wir Daten über das Vorkommen und Verhalten von Wildtieren sammeln können."

Im Sommer gräbt Dr. Leif Hansen mit seinem Team an der sogenannten „Ostterrasse“ der Keltensiedlung Heuneburg an der jungen Donau bei Stetten. Bisherige Funde dort geben Rätsel auf. Pfeilspitzen und Menschenknochen wurden dort schon gefunden. Die Erforschung der Knochenfunde soll Auskunft darüber geben, warum die einst so wichtige Siedlung schließlich aufgegeben wurde.

Rudolf Raidt baut die berühmten Tübinger Stocherkähne, die früher für den Transport von Lasten genutzt wurden. Noch bis ins 19. Jahrhundert sah man Stocher-kähne auf allen Wasserwegen. Heute ist Rudolf Raidt der einzige im Südwesten, der solche Kähne noch baut.

Hannes und Lars Kuhn machen eine Ausbildung zum Fischwirt. Sie bilden den Nachwuchs für einen fast ausgestorbenen Beruf, außer ihnen gibt es heute nur noch zwei Berufsfischer am Rhein. Einer von ihnen ist ihr Vater, dessen Betrieb sie übernehmen wollen.

Die Biologin Hanna Jöst gehört zum Team der Mückenbekämpfer. Bekämpft werden die Mücken mit einem umweltverträglichen Wirkstoff: ein Protein, das manuell oder in Trockeneis per Hubschrauber ausgebracht wird. Die Mückenlarven nehmen das Protein auf und sterben ab.

Bis heute betreiben die Brüder Andreas und Karl Kuhn die Mühle der Familie gemeinsam. Die durch Tauberwasser angetriebene Mühle mahlt Getreide, die ebenfalls durch Wasserkraft angetriebene Turbine produziert Strom, 20 % des Energiebedarfs von Markelsheim können so mit sauberer Energie direkt aus der Nachbarschaft gedeckt werden.

Eva Job arbeitet seit 1995 als Wasserbauerin. Ein besonderer Auftrag auf ihrem Arbeitsplan ist die Bauwerksinspektion der Staustufe in Mettlach. Dafür wird der Schiffsverkehr auf diesem Abschnitt der Saar gesperrt. Erst im trockenen Zustand werden Schäden sichtbar.

Die Rheinlandschaft bei Boppard ist der Inbegriff der deutschen Romantik und ein Magnet für Touristen aus aller Welt. Schon seit dem 7. Jahrhundert wird an den Hängen Wein angebaut.

Die Mosel entspringt in den Vogesen und fließt bei Koblenz in den Rhein. Am Unterlauf der Mosel sind die Weinberge teilweise sehr steil und in Terrassen angelegt. Malerische Dörfer und alte Burgen gehören zum Landschaftsbild.

Die Rheinauen sind eine Uferlandschaft, die von unterschiedlichen Wasserständen geprägt ist. Auen sind besonders schützenswerte Naturräume.

Die Saarschleife bei Mettlach ist das Wahrzeichen des Saarlands. Die Aussichtsplattform wird gerne von Politikern genutzt um bei Staatsbesuchen den Gästen ein besonderes Ambiente zu bieten.

Die junge Donau schlängelt sich durch eine wunderschöne Landschaft, die heute als Naturpark ausgewiesen ist. Besonders schön ist der Abschnitt bei Beuron im Landkreis Sigmaringen.

Zwischen Basel und Bodensee wird der Rhein Hochrhein genannt. Zum Hochrhein gehören der Rheinfall bei Schaffhausen, er ist einer der größten Wasserfälle Europas. Das pittoreske Städtchen Stein am Rhein in der Schweiz ist ein Touristenmagnet.

Der Film beginnt mit einem kleinen, dafür aber umso wilderen Fluss: der Wutach im Schwarzwald. Am Ende der letzten Eiszeit grub sie sich ihr Bett in einer spektakulären Schlucht. Die Tier-und Pflanzenwelt darin erinnert an einen Urwald mitten in Deutschland. Nicht weit davon entfernt liegt bei Donaueschingen das Quellgebiet der Donau. Noch sieht man dem bescheidenen Bächlein nicht an, das daraus einmal ein mächtiger Strom werden wird. Doch schon 600 vor Christus wählten die Kelten ein Hochplateau an der Oberen Donau bei Hundersingen als Siedlungsplatz. Archäologen haben dort spannende Funde gemacht,
Bernstein aus dem Norden und Keramik aus dem Mittelmeerraum. Sie beweisen: Die Kelten von der Heuneburg nutzten die Donau als Transportweg in weit entfernte Regionen. Flüsse waren die "Fernstraßen der Antike".

Heute gleicht manch ein Fluss fast schon einer Autobahn, allen voran der Rhein, die verkehrsreichste Wasserstraße Europas. Der Karlsruher Ingenieur Johann Gottfried Tulla schuf im 19. Jahrhundert mit seiner Rheinbegradigung die Grundlage für die industrielle Nutzung des Flusses. Gleichzeitig wollte er ein am Rhein schwer grassierendes Übel ausrotten: das "Sumpffieber", die Malaria. Nach der Renaturierung einiger Auen kehrten die Mückenschwärme wieder zurück und plagen seither die Anwohner jeden Sommer. Heute wird der Kampf gegen die lästigen Plagegeister aus der Luft geführt.

Auch als Nahrungsquelle hat der Fluss noch lange nicht ausgedient. Zwei Brüder aus Karlsruhe erlernen den Beruf des Rheinfischers, weil es wieder Großfische zu fangen gibt. Ebenfalls ein Bruderpaar macht sich bei Bad Mergentheim die Wasserkraft der Tauber zu Nutze. Ihre Mühle produziert nicht nur Mehl, sondern auch Strom und verbindet so Tradition und Moderne. Und in Lehmen an der Mosel versucht ein ehemaliger Fischer dem Fluss, der seine Familie über Generationen ernährte, etwas zurückzugeben. Er rettet ausgewachsene Aale vor den tödlichen Turbinen der Staustufen.

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Fr, 13.3.2020 | 4:55 Uhr

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