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Die SWR Talkshow Gäste bei Michael Steinbrecher

Eingesperrt, gefangen, ausgeliefert. Jeder kennt die Gefühle, die hochkommen, wenn man sich plötzlich in einer scheinbar ausweglosen Situation wiederfindet: Beklemmung, Angst und Hilflosigkeit. Die Panik steigt, man kann kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Im Alltag sind diese Erfahrungen meist relativ ungefährlich und gehen schnell vorüber. Doch was, wenn man in eine lebensbedrohliche Situation gerät - zum Beispiel als Entführungsopfer oder Geisel? Zum Eingesperrtsein kommen Angst und Ausweglosigkeit hinzu, die allgegenwärtige Gefahr und die Unwissenheit, was in der nächsten Sekunde passiert und ob man je wieder freigelassen wird.

Ähnlich ergeht es Opfern eines Unglücks. Wie der Skifahrer, der von einer Lawine verschüttet ewig erscheinende Minuten unter erdrückenden Schneemassen ausharren muss, oder die Urlauberin, die sich nach einem Erdbeben plötzlich so tief unter Schutt und Geröll wiederfindet, das kein Ausweg möglich scheint. Welche Gedanken gehen Menschen während einer solchen Erfahrung durch den Kopf? Und wie gelingt es, durchzuhalten und die Hoffnung nicht zu verlieren?

Auf engstem Raum eingesperrt zu sein ohne Kontakt zur Außenwelt, bedeutet allein zu sein mit sich und seinen Gedanken. So geht es auch Gefängnisinsassen. Tage, Monate oder gar Jahre verbringen sie größtenteils in einer kleinen Zelle. So zurückgeworfen auf sich selbst kann ein Häftling zu innerer Einkehr und Reue finden, aber auch an seine Grenzen geraten.

Gefangen sein kann man allerdings auch in ganz anderen Zusammenhängen. Zum Beispiel in einer ungesunden Liebesbeziehung. Vom Partner unterdrückt und kleingehalten, erdrückt von Eifersucht und Kontrollzwang. Und wie muss es erst sein, sich gefangen im eigenen Körper zu fühlen? Betroffene des sogenannten Locked-In-Syndroms sind bei vollem Bewusstsein, doch gleichzeitig fast vollständig gelähmt. Während sie alles um sie herum wahrnehmen, hören und verstehen, können sie sich weder durch Sprache noch durch Bewegungen mitteilen.
Was macht es mit Menschen, eingesperrt zu sein?

Mit folgenden Gästen:

Marc Wallert

Portrait Marc Wallert (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Marc Wallert SWR - Baschi Bender

140 Tage lang war Marc Wallert in der Hand von Terroristen. Gemeinsam mit seinen Eltern und 18 weiteren Geiseln wurde er während eines idyllischen Tauchurlaubs verschleppt und im philippinischen Dschungel gefangen gehalten. „Der größte psychische Feind war die Ungewissheit“, sagt Wallert, der schließlich als eine der letzten Geiseln freigelassen wurde.

Stefanie Enzinger

Portrait Stefanie Enzinger (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Stefanie Enzinger SWR - Baschi Bender

Lebendig begraben wurde Stefanie Enzinger, als sie auf einer Skitour unter eine Lawine geriet. Bewegungsunfähig eingesperrt blieb ihr nur ein kleines Luftloch. „Ich habe gemerkt, dass ich bald nicht mehr die Kraft haben werde, auf mich aufmerksam zu machen.“ Der Bayerin blieb nichts anderes übrig, als auf rechtzeitige Hilfe zu hoffen. So harrte sie neunzig endlos lange Minuten unter den Schneemassen aus. 

Dirk Michgehl

Portrait Dirk Michgehl (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Dirk Michgehl SWR - Baschi Bender

Auch wenn Dirk Michgehl als Präsident eines Rockerclubs wusste, dass er mit einem Bein im Gefängnis stand, war er nicht auf den harten Knastalltag vorbereitet. Fünfeinhalb Jahre saß er wegen bewaffneten Drogenhandels hinter Gittern. Vor allem die Abgeschnittenheit zur Außenwelt und die Unfähigkeit der Familie in Not beizustehen, belasteten ihn: „Das sind Sachen, die einen in die Knie zwingen.“ 

Sophie Posch

Portrait Sophie Posch (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Sophie Posch SWR - Baschi Bender

Ihre Schwester Katarina war eine erfolgreiche und aktive Frau – umso entsetzlicher waren die Nachrichten, die Sophie Posch im Jahr 2015 erhielt: Nach einer Operation trat bei ihrer Schwester das Locked-in-Syndrom auf. „Wir haben Katarina als lebende Puppe zurückbekommen“, sagt Sophie Posch über ihre Schwester, die seitdem bei vollem Bewusstsein in ihrem Körper gefangen ist. 

Romy Stangl

Portrait Romy Stangl (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Romy Stangl SWR - Baschi Bender

Sechs Jahre lang erlebte Romy Stangl häusliche Gewalt. Ihr Ex-Partner demütigte sie, schlug sie und sperrte sie zuhause ein. Lange ertrug sie das Martyrium, schaffte es nicht, sich zu befreien. Dabei fühlte Romy Stangl eine hilflose Wut: „Wut, dass du aus dieser Situation nicht rauskannst, dass ein Mensch dir mit diesem Vorgehen deine Freiheit und dein Leben nimmt.“ 

Prof. Dr. Joachim Bauer

Portrait Prof. Dr. Joachim Bauer (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Prof. Dr. Joachim Bauer SWR - Baschi Bender

„Zu den zentralen Grundbedürfnissen des Menschen gehört es, Bewegungsfreiheit und soziale Verbundenheit zu haben“, weiß der Psychotherapeut und Neuro­wissen­schaftler Prof. Dr. Joachim Bauer. Dass eine körperliche oder psychische Gefan­gen­schaft beides einschränkt, erklärt, weshalb das Gefangen-Sein so beängstigend und belastend für Menschen ist.

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