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Nach dem eigenen Tod noch ein Leben retten? Es klingt so einfach und so positiv, doch die Zahl der Organspender sinkt in Deutschland seit Jahren. Das Thema ist mit vielen Fragen, Zweifeln und Ängsten verbunden.

Aktuell benötigen hierzulande mehr als 10.000 Menschen ein Spenderorgan. Für sie ist ein Spenderherz, eine Lunge oder eine Niere überlebenswichtig, die letzte Chance. Nicht selten vergehen Jahre des bangen Wartens und Hoffens für diese Patienten, ein grausamer Wettlauf gegen die Zeit. Mit einer Transplantation bekommen sie ein neues Leben geschenkt. Doch warum ist die Bereitschaft in der Bevölkerung zur Organspende so niedrig?

Neben Schlagzeilen über Organspende-Skandale und Wartelisten-Betrug schockieren auch Fälle von Angehörigen, die von ganz persönlichen Negativ-Erfahrungen mit Organspende berichten. Sind die Ängste vieler, unfreiwillig zu einer Art menschlichem Ersatzteillager zu werden, nicht auch ernst zu nehmen?

Viele ethische Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang: Was ist die Definition von Hirntod? Wann hört ein Mensch auf zu leben?

In jedem Fall ist es eine Entscheidung über Leben und Tod, mit der sich viele Menschen nicht gerne auseinandersetzen. Dabei ist Aufklärung notwendig, um die richtige Entscheidung treffen zu können.

Nur 40 Prozent der Deutschen haben einen Organspender-Ausweis. Nun versucht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mehr Menschen dazu zu bewegen, schon zu Lebzeiten die Entscheidung zu treffen, ob man Spender sein möchte oder nicht, so wie es in anderen Ländern bereits geregelt ist.

Was gilt es bei Organspenden zu beachten? Wie berechtigt sind die Ängste? Und wo liegen Chancen?

Die Gäste bei Michael Steinbrecher:

Isolde Tarrach

Portrait von Isolde Tarrach (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Isolde Tarrach SWR - Baschi Bender

Isolde Tarrach ist nach jahrelanger Diabetes schwer nierenkrank und wartet seit einem halben Jahr auf eine Multi-Organspende. Bei der ehemaligen Moderatorin hat die Hoffnung die Zweifel zerstreut. Sie sagt: „Ich habe das Ziel, diese Transplantation zu bekommen und hoffe, dass ich die Organe vertragen werde.“

Anita Wolf

Portrait von Anita Wolf (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Anita Wolf SWR - Baschi Bender

Drei Familien können dank Anita Wolf heute voller Hoffnung in die Zukunft blicken: Nachdem ihr Ehemann Dieter 2017 überraschend starb, gab sie seine Organe zur Spende frei. „Dieser sinnlose Tod hat drei Leben gerettet und damit hat es einen dreifachen Sinn gegeben“, befindet Anita Wolf.

Silvia Matthies

Portrait von Silvia Matthies (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Silvia Matthies SWR - Baschi Bender

„Organspende ist nicht so harmlos, wie sie dargestellt wird“, stellt die Journalistin Silvia Matthies fest. Seit mehr als drei Jahrzehnten beschäftigt sie sich mit den Schattenseiten der Organspende. Besonders problematisch sind für sie die Vorgehensweise bei Hirntod-Diagnosen und der Umgang mit den Angehörigen.

Oliver Antoni

Oliver Antoni spendete seiner schwer kranken Frau eine Niere. Doch über die Risiken des Eingriffs wurde er im Vorfeld nicht aufgeklärt. Letztlich hätte ihn die Operation fast das Leben gekostet und hatte schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Dabei beklagt er vor allem den Umgang: „Mir wurde eingeredet, die Probleme kämen nur von meinem Kopf.“

Tobias Metzger

Portrait von Tobias Metzger (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Tobias Metzger SWR - Baschi Bender

Tobias Metzger wurde mit einem Herzfehler geboren und sollte mit 14 Jahren endlich ein neues Herz bekommen. Zunächst haderte er mit dem Eingriff, doch die Organspende rettete schließlich sein Leben. Heute sagt der 21-Jährige: „Ich bin noch immer ein Zweifler, aber ein hoffender Zweifler geworden.“

Prof. Dr. Johann Pratschke

Portrait von Prof. Dr. Johann Pratschke (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Prof. Dr. Johann Pratschke SWR - Baschi Bender

Seit 20 Jahren arbeitet Prof. Dr. Johann Pratschke als Transplantationsmediziner. Der Klinikchef der Berliner Charité kennt die Zweifel und Ängste der Menschen, die beim Thema Organspende vorherrschen. Und obwohl er diese aus medizinischer Sicht für unbegründet hält, befindet er: „Es ist kontraproduktiv, Organspende zu einer ‚Hurra-Veranstaltung‘ zu machen.“

Prof. Dr. Monika Bobbert

Portrait von Prof. Dr. Monika Bobbert (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Prof. Dr. Monika Bobbert SWR - Baschi Bender

Für Prof. Dr. Monika Bobbert ist klar: Das Thema Organspende berührt zentrale ethische Fragen nach Freiwilligkeit und Selbstbestimmung, die zu diskutieren sind. Was das Kriterium des Hirntodes angeht, ist sie der Ansicht: „Welchen Zeitpunkt wir als Zeitpunkt des Todes akzeptieren, muss jedem Einzelnen überlassen werden.“

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