Uli Burchardt, Andreas Frisch, Prof. Dr. Volker Quaschning, Heidi Huttenlocher, Michael Steinbrecher,  Kathrin Hartmann, Maria Henke, Borris Brandt (von Links) (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)

Sendung am 20. September 2019 Von Einmachglas bis Flugverzicht - wie retten wir unsere Zukunft?

Die SWR Talkshow Gäste bei Michael Steinbrecher

Hitzewellen und Dürreperioden, Regenfluten und Gewitterstürme – wie sehr unser Konsumverhalten den Klimawandel beeinflusst, wird hitzig und sehr emotional diskutiert. Die Forderungen nach einem radikalen Wandel unserer Lebensgewohnheiten werden immer lauter, der moralische Druck auf den Einzelnen wächst.

Darf man noch mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen? Darf man guten Gewissens Fleisch essen oder mit dem Auto fahren? Die neuen E-Roller gelten als umweltfreundlich und sollen den Autoverkehr in der Stadt eindämmen. Aber wie sieht die Ökobilanz der kleinen abgasfreien tatsächlich Flitzer aus?

Wieviel Nachhaltigkeit lässt sich wirklich in unseren Alltag integrieren? Die einen wollen ihren Lebensstil nicht einschränken und empfinden die Forderungen als Öko-Diktatur, andere verlangen ein grundsätzliches Umdenken. Sie sind davon überzeugt, dass gerade die kleinen Veränderungen im Alltag eines jeden Einzelnen ökologisch eine große Wirkung erzielen. Und so wird Altes neu entdeckt - gerade bei Jungen steht Großmutters Wissen wieder hoch im Kurs. Das Einkochen von heimischem Obst und der eigene Gemüsegarten liegen voll im Trend. Ebenso das Tauschen von getragener Kleidung oder selten genutzter Elektrogeräte. Mütter wickeln ihre Babys mit Stoffwindeln, um die Umwelt zu schonen, der defekte Staubsauger wird im Reparaturcafé wieder zum Laufen gebracht.

Rohstoffe schonen, Müllberge vermeiden, dafür ökologisch konsumieren - ist das die richtige Antwort oder hilft am Ende schlichtweg nur der reine und konsequente Verzicht?

Dauer

Die Gäste bei Michael Steinbrecher:

Andreas Frisch

Portrait Andreas Frisch (Foto: SWR, SWR  - Baschi Bender)
Andreas Frisch SWR - Baschi Bender

Seit Jahren schon versucht Andreas Frisch, seinen Alltag umweltfreundlicher zu gestalten. Um so mehr ärgerte sich der Diplomingenieur über die grassierende Wegwerfmentalität - kaum ist etwas kaputt, fliegt es auch schon in den Müll. Dem wollte er etwas entgegensetzen. Seitdem hämmert und schraubt er in einem Repair-Café gegen den Konsumwahn an. Ob Fahrrad, Bügeleisen oder Toaster – der Hobbybastler erweckt so manches Lieblingsstück wieder zum Leben: „Viele Geräte werden heute so gebaut, dass sie einfach nicht lange halten.“

Heidi Huttenlocher

Portrait Heidi Huttenlocher (Foto: SWR, SWR  - Baschi Bender)
Heidi Huttenlocher SWR - Baschi Bender

Verschwenderisch hat Heidi Huttenlocher noch nie gelebt. Die Stuttgarterin ist in der Nachkriegszeit aufgewachsen, Sparsamkeit war für sie schon immer eine Selbstverständlichkeit. Vor allem wenn es um Lebensmittel geht. Aus altem Brot macht die Schwäbin Semmelbrösel, bleibt Essen übrig, wird der Rest eingefroren. Vor allem aber das Einmachglas hat bei ihr Hochkonjunktur: „Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, dass Sachen verderben.“

Maria Henke

Portrait Maria Henke (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Maria Henke SWR - Baschi Bender

Bio, regional und unverpackt - das war lange Zeit die Einkaufswelt von Maria Henke. Doch damit ist Schluss. Denn seit der Geburt ihres Kindes kann sich die junge Familie konsequente Nachhaltigkeit nicht mehr leisten. Statt Wochenmarkt und Bio-Laden geht es jetzt in den Discounter. Zwar hat das die Lebensmittelkosten mehr als halbiert, der Preis dafür aber ist hoch: „Ich bin gezwungen, unnötig viel Plastik einzukaufen und habe dabei ständig ein schlechtes Gewissen.“

Kathrin Hartmann

Portrait Kathrin Hartmann (Foto: SWR, SWR  - Baschi Bender)
Kathrin Hartmann SWR - Baschi Bender

Für Kathrin Hartmann liegt die Verantwortung nicht bei uns Verbrauchern, sondern bei Politikern und Unternehmern. Denn die Journalistin hat bei ihren weltweiten Recherchen festgestellt: Viele Firmen schwimmen nur auf der grünen Welle mit und verstecken ihr schmutziges Kerngeschäft hinter schönen Öko- und Sozialversprechen: „Die Weltrettung ist ein äußerst profitables Geschäftsmodell. Gerade auch eine gebildete Zielgruppe sitzt den Öko-Lügen gerne auf.“

Borris Brandt

Portrait Borris Brandt (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Borris Brandt SWR - Baschi Bender

Die hitzigen Debatten rund um den Klimawandel sieht Kreuzfahrt-Manager Borris Brandt eher kritisch. Der vierfache Familienvater ist bekennender Sportwagen- und Motorradfan, liebt seinen prall gefüllten Schuhschrank und steigt auch ohne schlechtes Gewissen mit seiner Familie für einen kurzen Städtetrip in den Flieger: „Ich halte nichts von den ganzen Weltuntergangsszenarien. Ich bin mit der Angst vor dem sauren Regen aufgewachsen, der uns angeblich alle vernichten wird. Wie wir sehen: Hat er nicht.“

Uli Burchardt

Portrait Uli Burchardt (Foto: SWR, SWR - Bschi Bender)
Uli Burchardt SWR - Bschi Bender

Unter Deutschlands Bürgermeistern ist Uli Burchardt ein Klima-Pionier: Denn er war der Erste, der für die Bodenseestadt Konstanz den Klimanotstand ausgerufen hat. Ob in der Bau- oder Verkehrspolitik - seit Mai wird nun jeder Gemeinderatsbeschluss auf seine Klimaauswirkung überprüft: „Es sind unsere Städte, die die Probleme der Zukunft lösen müssen. Denn dort wird auch die Masse des CO2 ausgestoßen“, so der CDU-Politiker, dessen Entscheidung bundesweit Wellen geschlagen hat.

Dr. Volker Quaschning

Portrait Prof. Dr. Volker Quaschning (Foto: SWR, SWR - Baschi Bender)
Prof. Dr. Volker Quaschning SWR - Baschi Bender

„Wir müssen handeln - und zwar jetzt.“ Davon ist Dr. Volker Quaschning überzeugt. Der Professor für regenerative Energien gründete deshalb eine Forscher-Initiative, der sich mittlerweile tausende Wissenschaftler angeschlossen haben. Sie fordern von der Politik einschneidende Maßnahmen bei der Umsetzung von Energiesparmaßnahmen und von uns Verbrauchern ein konsequentes Umdenken bei unserem Konsumverhalten, unserer Ernährung und was unsere Mobilität anbelangt.

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