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„Einfach schön hier!“ oder „Nichts wie weg!“ – die Gefühle, mit denen Menschen auf ihre Heimat blicken, könnten unterschiedlicher nicht sein. Während die einen in der regionalen Verwurzelung aufgehen, fühlen sich andere eingegrenzt und suchen ihr Glück in der großen weiten Welt.

Die Gäste bei Michael Steinbrecher:

Dieter Kosslick

Dieter Kosslick (Foto: SWR)

Viele Jahre war der rote Teppich das Zuhause von Dieter Kosslick. Als langjähriger Leiter der Berlinale war er auf Du und Du mit den Stars und Sternchen und wurde zu einem Aushängeschild der Metropole. „Als Jugendlicher wurde mir die Enge meines Dorfes bewusst und da merkte ich: Ich will hier weg.” Heimat ist für den kulturbegeisterten Großstadtmenschen dennoch bis heute das Dörfchen Ispringen auf der badisch-schwäbischen Grenze. Und eine Sache aus dem Ländle vermisst er in Berlin ganz besonders …

Abdullah Kenan Karaca

Abdullah Kenan Karaca (Foto: SWR)

Eine unbeschwerte Kindheit erlebte Abdullah Kenan Karaca im bayrischen Oberammergau – selbstverständlich mit Leidenschaft für die berühmten Passionsspiele. Heute ist er selbst im Leitungsteam dieser tief verwurzelten Institution und ist stolz, dort sogar auf der Bühne zu stehen. „Mein Vater war zuerst dagegen, dass ich da mitspiele und auch in Oberammergau gab es zunächst Kritik”, erklärt der Muslim, dessen Eltern aus der Türkei in die bayrische Provinz kamen.

Konrad Beikircher

Konrad Beikircher (Foto: SWR)

Als „Erfinder des Rheinlands“ wurde Kabarettist Konrad Beikircher einmal von einem Kollegen bezeichnet. Kaum jemand kann das Rheinland und seine Bewohner so humorvoll, pointiert und liebevoll beschrieben wie er, und das obwohl seine eigenen Wurzeln in Südtirol liegen. Zunächst fremdelte der ehemalige Gefängnispsychologe mit der neuen Umgebung. Doch dann lernte er sein Umfeld richtig kennen und lieben: „Dem Rheinländer ist die Gegenwart wichtiger als die Zukunft“, so Beikircher.

Gloria Gray

Gloria Gray (Foto: SWR)

„Ich war wie lebendig begraben“, so erinnert sich Gloria Gray an ihre Kinder- und Jugendzeit im Bayerischen Wald zurück. Im Körper eines Jungen geboren, wurde sie in ihrem Heimatort früh für ihr Anderssein verspottet und beschimpft. Kaum erwachsen, entfloh sie diesem Gefühl von Enge in der Provinz. Sie tauchte ein ins pulsierende Großstadtleben, schaffte es als Künstlerin bis nach Hollywood und fand ihren Weg zu sich selbst. Erst Jahrzehnte später kehrte die Entertainerin wieder in ihre Heimatregion zurück und fühlt sich dort heute tief verwurzelt.

Sina Martin

Sina Martin (Foto: SWR)

Die Natur, die Familie und ihre Firma: Für Sina Martin gibt es viele gute Gründe, für immer dort zu bleiben, wo sie herkommt. Ihre Heimat ist die „Spielzeugstadt“ Sonneberg im Süden Thüringens, wo sie in fünfter Generation eine Teddybären-Manufaktur führt. Sie liebt die Traditionen ihres Heimatortes und sieht keinen Grund jemals von dort wegzuziehen: „Hier habe ich alles, was ich brauche”, sagt Sina Martin, die sich auch dafür engagiert, dass ihre Heimatstadt lebendig bleibt.

Literatur zur Sendung:

Konrad Beikircher

Gloria Gray

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