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Gerade die letzten Monate haben uns vor Augen geführt, wie wichtig soziale Kontakte sind. Trotz aller Einschränkungen haben viele Menschen sich in diesem Jahr andere Möglichkeiten geschaffen, miteinander ins Gespräch zu kommen und füreinander da zu sein. Nicht selten wurden so aus anonymen Nachbarn Freunde und aus den fremden Bewohnern eines Stadtteils ein funktionierendes Netzwerk.

Die Gäste bei Michael Steinbrecher:

Lisa Federle

Dr. Lisa Federle (Foto: SWR)

Lisa Federle ist Ärztin aus Leidenschaft und setzt sich weit über das gewöhnliche Maß für ihre Patienten ein. Mit ihrer mobilen Arztpraxis versorgt sie die Ärmsten und war in diesem Corona-Jahr eine der Ersten mit einer Fieberambulanz.„ Das ist so ziemlich das Schönste, wenn man Menschen helfen kann“, sagt Lisa Federle über ihren Antrieb für ihr Engagement, für das sie sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Ruth Schwarz

Ruth Schwarz (Foto: SWR)

Seit 17 Jahren nimmt Ruth Schwarz Kinder in Bereitschaftspflege bei sich auf und gibt ihnen die fehlende Nestwärme, die sie in ihrer Herkunftsfamilie nicht bekamen. Das Abschiednehmen fällt jedesMal aufs Neue schwer, aber die 27-fache Pflegemutter weiß: „Die Liebe, die ich manchmal auch nur für wenige Wochen mitgeben kann, diese Liebe nehmen die Kinder mit und tragen sie ihr ganzes Leben in sich“, so Ruth Schwarz.

Michael Stahl

Michael Stahl (Foto: SWR)

Michael Stahl erlebte eine Kindheit voller Gewalt. Sein alkoholkranker Vater konnte ihm keine Liebe schenken und nicht für ihn da sein. Erst viele Jahre später schaffte er trotz der schwierigen Vergangenheit die Annäherung an den Vater. Doch dafür musste er lernen, dass die Liebe zu anderen Menschen manchmal auch einer Entscheidung bedarf – das bedeutet für ihn: „Bedingungslos die Menschen so zu nehmen und lieben wie sie sind.“

Michelle und Alexander Schindlmeier

Michelle und Alexander Schindlmeier (Foto: SWR)

Michelle Schindlmeier lebt aufgrund einer schweren Lungenkrankheit mit Rollstuhl und Sauerstoffgerät. Im Alltag ist sie auf die Hilfe ihres Mannes Alexander angewiesen. Während sich Freund*innen von ihr abwandten, steht er ihr seit zehn Jahren zur Seite – und nimmt auch während der Corona-Pandemie Einschränkungen in Kauf. „In guten Zeiten sind alle da”, stellte Michelle Schindlmeier fest. „Aber erst in schlechten Zeiten merkt man, wie stark man wirklich zusammenhält.“

Andrea Möhle

Andrea Möhle (Foto: SWR)

Lange Zeit hatte Andrea Möhle mit ihren Nachbarn nur wenig zu tun. Doch als dann im Frühjahr dieses Jahres der Corona-Lockdown kam, hatte Udo Hoffmann eine Idee, die das Zusammenleben in ihrer Straße nachhaltig veränderte. Aus seinem allabendlichen einsamen Trompetenspiel wurde im Lauf der Zeit ein gemeinsames Musizieren. Und es war spürbar, dass die Nachbarschaft zusammenwuchs. „Hier passiert gerade etwas, das ist etwas Besonderes“, fühlte Andrea Möhle, und Udo Hoffmann ergänzt: „Es ist einfach anders geworden.“

Prof. Dr. Tobias Esch

Prof. Dr. Tobias Esch (Foto: SWR)

Es gibt kaum etwas, was so stark auf Lebenserwartung und Lebensglück Einfluss nimmt,wie die Beziehung zu anderen Menschen“, sagt der Mediziner und Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Tobias Esch. Füreinander da zu sein ist somit der Schlüssel zu einem glücklicheren und auch längeren Leben. Zwar könne man auch alleine glücklich werden, so Esch, doch es sei ganz offensichtlich, dass der Mensch als soziales Wesen zwischenmenschliche Kontakte brauche.

Literatur zur Sendung

Prof. Dr. Tobias Esch

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