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Abschiednehmen fällt nie leicht – und noch schwerer wird es, wenn es ein Abschied für immer ist. Der Tod trennt uns schmerzhaft von unseren Liebsten und zwingt uns dazu, uns von ihnen zu verabschieden.  

Die Gäste bei Michael Steinbrecher:

 Philipp und Johannes Mickenbecker

Philipp und Johannes Mickenbecker (Foto: SWR)

Als Zwillinge sind Philipp und Johannes Mickenbecker nahezu unzertrennlich. Doch als Philipp zum wiederholten Male an Lymphdrüsenkrebs erkrankte, wurde den beiden Brüdern klar, dass die gemeinsame Zeit endlich ist. „Was würdest du tun, wenn du nur noch zwei Wochen zu leben hättest?“, fragte sich Philipp. Mit Freunden machten sich die Brüder auf zu einer vielleicht letzten gemeinsamen Reise. Wie es Ihnen gelingt, weiter hoffnungsvoll zu bleiben, berichten sie im Nachtcafé.  

 Rieka Herrmann

Rieka Herrmann (Foto: SWR)

Rieka Herrmann musste das Grausamste erleben, was einer Mutter widerfahren kann: Ihre Tochter Annika wurde vor neun Jahren brutal ermordet. Bis heute ist der Täter nicht gefunden, auch ein Motiv konnte nicht ermittelt werden. Die vielen offenen Fragen ließen Abschiednehmen und ein Loslassenkönnen lange nicht zu. Bis Rieka Herrmann merkte: „Ich muss mich entscheiden, ob ich weiterleben will oder nicht.“ Dabei half ihr ein ungewöhnlicher Weg.  

 Susanne Dürr

Susanne Dürr (Foto: SWR)

Dass ihr Vater im Frühjahr an Corona erkrankt war, dessen war sich Susanne Dürr zunächst nicht bewusst. Erst als er in ihren Armen zusammenbrach und die Ärzte Covid-19 diagnostizierten, begann ein Kampf auf Leben und Tod. Die Corona-Bestimmungen machten es unmöglich, den Sterbenden im Krankenhaus zur Seite zu stehen. „Ich wünsche mir, dass meine Geschichte allen Verharmlosern von Corona eine Mahnung ist.“ 

 Barbara Winkler

Barbara Winkler (Foto: SWR)

Barbara Winkler begleitete ihren Mann Fred bis zu dessen Freitod in der Schweiz. Oft hatte das Paar über die Möglichkeit eines selbstbestimmten Endes gesprochen, beide waren sich einig: Wenn das Leben nicht mehr lebenswert ist, muss man es beenden dürfen. Als sich die gesundheitliche Situation ihres Mannes rapide verschlechtere, bereitete Barbara Winkler alles Nötige für den assistierten Suizid vor: „Es war ein würdiger Abschied, wie ich ihn mir auch für mich wünsche.“ 

 Prof. Dr. Joachim Bauer

Prof. Dr. Joachim Bauer (Foto: SWR)

Für den Psychiater und Neurowissenschaftler Prof. Dr. Joachim Bauer ist ein guter Abschied von den Liebsten ganz entscheidend für das Weiterleben nach einem tragischen Verlust: „Was war mir wichtig? Was ist mir jetzt wichtig? Was möchte ich mit der Zeit, die mir noch bleibt, tun? Jeder Abschied wirft die existentiellen Fragen auf“, so der Psychiater, für den ein Abschied immer auch eine Neubesinnung ermöglicht.  

Literatur zur Sendung

Philipp Mickenbecker

Prof. Dr. Joachim Bauer

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