STAND

Doch in dieser Krise spüren wir auch die Kraft und Stärke unserer Gesellschaft. Gerade jetzt ist eine Welle der Hilfsbereitschaft zu spüren. Denn auch Solidarität ist ansteckend!

Die Gäste bei Michael Steinbrecher:

Marjoke Breuning

Marjoke Breuning (Foto: SWR)

Marjoke Breuning leitet ein traditionelles Wäschefachgeschäft, das seit 175 Jahren in Familienhand ist. Doch nun sieht sie - wie auch tausende andere Einzelhändler – sehr schwere Zeiten auf sich zukommen. Denn ihr Laden in der Stuttgarter Innenstadt wurde jetzt geschlossen: „Seit dem Zweiten Weltkrieg hatten wir keine vergleichbare Krise. Es ist eine furchtbare und noch nie dagewesene Situation für unsere Mitarbeiter und unser Unternehmen“, so die IHK-Präsidentin der Region Stuttgart.

Tobias Mann

Tobias Mann (Foto: SWR)

Es ist die große Angst vor der Insolvenz, die unter allen Selbständigen umgeht. Nicht nur Unternehmen, auch Handwerkern oder Kulturschaffenden wie Tobias Mann brechen die Aufträge weg: „Allen, die ihr Geld dabei verdienen, wenn Menschen zusammenkommen, wurde innerhalb kürzester Zeit die gesamte Existenzgrundlage unter den Füßen weggezogen“, so der Kabarettist. Den Ausnahmezustand will der Satiriker mit Solidarität und Humor überstehen.

Dr. Jens Förster

Dr. Jens Förster (Foto: SWR)

Für Sozialpsychologe Dr. Jens Förster ist nachvollziehbar, dass eine neue und scheinbar unbeherrschbare Gefahr in der Bevölkerung Ängste erzeugt: „In solch einer Krise fokussieren sich viel erst mal nur auf das Problem. In so einer Situation ist es relativ typisch, dass wir erst mal egoistisch handeln.“  Er sieht allerdings den momentanen Ausnahmezustand auch als Chance für die Gesellschaft. Denn im besten Fall führt dies zu solidarischem Miteinander und neuen gemeinsamen Ideen, wie man die Zukunft gestalten kann.

Paula Isbrecht

Paula Isbrecht (Foto: SWR)

Solidarität statt Egoismus ist das Motto der Stunde von Paula Isbrecht. Die 23-Jährige zeigt, wie wichtig es ist, dass auch Jung und Alt in dieser Ausnahmesituation zusammenstehen. Um Senioren und Kranken in dieser schwierigen Situation zu helfen, versucht die Mediengestalterin, anderen in der Krise eine Stütze zu sein. Deshalb hat sie die „Nachbarschaftshilfe Stuttgart“ ins Leben gerufen: „Die Resonanz ist groß und so positiv. Mittlerweile haben wir um die 300 Menschen, die helfen. Es werden täglich mehr.“

Rainer Fuchs

Diakon Rainer Fuchs (Foto: SWR)

Auch das Leben von Rainer Fuchs als Diakon hat sich von heute auf morgen gravierend verändert. Derzeit kann er weder Gottesdienste noch Trauungen in seiner bayerischen Gemeinde abhalten. Das einzige, was noch stattfindet, sind Beerdigungen. Gerade für alte und kranke Menschen und diejenigen, die alleine leben, ist der zwischenmenschliche Kontakt auf ein Minimum geschrumpft. Trotzdem versucht er, seine Gemeindemitglieder zu erreichen und ihnen Hoffnung in dieser unsicheren Zeit zu geben: „Jetzt zählt der Gedanke der Nächstenliebe. Wir tun alles, was möglich ist, um mit den einsamen und älteren Menschen in Kontakt zu bleiben.“

Dr. Werner Bartens

Dr. Werner Bartens (Foto: SWR)

Auch Mediziner und Publizist Dr. Werner Bartens schätzt die Lage ernst ein, geht das Thema aber gleichzeitig pragmatisch ein. Zwar steht unser Gesundheitssystem vor einer gewaltigen Belastungsprobe und möglicherweise wird es Monate dauern, bis sich unser Alltag normalisiert. Panik ist aus seiner Sicht trotzdem nicht angebracht: „Mit der Globalisierung steigt das Risiko für Seuchen, doch damit müssen wir lernen zu leben.“

Literatur zur Sendung

Dr. Jens Förster

Dr. Werner Bartens

Rainer Fuchs

STAND
AUTOR/IN