STAND

Zu häufig schauen wir aus Gewohnheit nur auf diejenigen, die in der ersten Reihe stehen. Aber wann ist die zweite Reihe ein Erfolgsrezept, wann bedeutet sie ein Schattendasein?

Wovon hängt es ab, ob man sich wohlfühlt in der zweiten Reihe oder sich nichts sehnlicher wünscht als aus dem Schatten zu treten? Und: Kann man aus der zweiten Reihe manchmal sogar mehr bewegen als auf den vorderen Plätzen?

„In der zweiten Reihe“, das ist das Thema am 10. Januar 2020 noch einmal bei Michael Steinbrecher im NACHTCAFÉ mit folgenden Gästen:

Jenny Frankhauser

Jenny Frankhauser (Foto: SWR, Baschi Bender)
Baschi Bender

Jenny Frankhauser wurde lange Zeit nur als „Schwester von“ wahrgenommen – sehr zu ihrem Leidwesen. „Keiner möchte in seinem eigenen Leben nicht an der ersten Stelle stehen“ sagt die Halbschwester von Daniela Katzenberger, die sich durch die ständigen Vergleiche mit dem berühmten Familienmitglied häufig unsichtbar fühlte.

Werner Schempp

Werner Schempp (Foto: SWR, Baschi Bender)
Baschi Bender

Ebenso wenig sichtbar, aber dafür mit Freude und Stolz übte Werner Schempp seinen Beruf aus: „Ich habe mich wohl gefühlt in der Rolle des guten Zweiten.“ Als langjähriger Protokollchef im Staatsministerium Baden-Württemberg diente er unter fünf Ministerpräsidenten und organisierte für sie Staatsbesuche, Dienstreisen und Staatsbankette.

Birgit Rodler

Birgit Rodler (Foto: SWR, Baschi Bender)
Baschi Bender

Ganz unerwartet fand sich Birgit Rodler in der ersten Reihe wieder. „Ich habe niemals mit dem Gedanken gespielt, Chefin zu werden.“ Doch als die Firma, bei der sie 25 Jahre als Maschinenstickerin angestellt war, Insolvenz anmelden musste, entschloss sie sich kurzerhand, den Handwerksbetrieb zu übernehmen – mit großem Erfolg.

Ludger Pistor

Ludger Pistor (Foto: SWR, Baschi Bender)
Baschi Bender

Ludger Pistor blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Schauspieler. Sogar in zahlreichen großen Hollywood-Filmen war er zu sehen. – Allerdings fast immer in Nebenrollen. „Eitelkeit ist in der Kunst nicht angebracht“, sagt der Schauspieler, der sich selbst einmal scherzhaft als „Mr. Germany“ bezeichnete, weil er in vielen Filmen „den Deutschen“ spielen durfte.

Frauke Gonsior

Frauke Gonsior (Foto: SWR, Baschi Bender)
Baschi Bender

Was es heißt, von Geburt an in der zweiten Reihe zu stehen, weiß Frauke Gonsior. Weil ihre Zwillingsschwester schwer körperlich behindert ist, wuchs sie als sogenanntes „Schattenkind“ auf. Ihr Alltag war durch die Behinderung ihrer Schwester geprägt, früh musste sie bei Haushalt und Pflege mithelfen. „Ich musste lernen, dass ich aus der zweiten Reihe auch einmal hervortreten darf.“

Dr. Mathias Jung

Dr. Mathias Jung (Foto: SWR, Baschi Bender)
Baschi Bender

„Im Grunde ist es eine Aufgabe für uns alle, uns mit der zweiten Reihe zu begnügen“, davon ist der Psychotherapeut Dr. Mathias Jung überzeugt. Und er weiß auch, wovon es abhängt, ob man sich wohlfühlt in der zweiten Reihe oder sich nichts sehnlicher wünscht als aus dem Schatten zu treten

Literatur zur Sendung:

Dr. Mathias Jung

STAND
AUTOR/IN