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Filmtext & Video

14:42 min | So, 23.9.2018 | 5:45 Uhr | Schätze der Welt | SWR Fernsehen

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Memphis, Ägypten, Folge 170

SWR

Gegenüber der Millionenstadt Kairo erheben sich die berühmtesten Pyramiden der Welt (insgesamt neun), darunter die herausragenden Cheops-, Chefren-, und Mykerionos Pyramiden, die Grabstätten der gleichnamigen Pharaonen. Unter den neun Pyramiden von Giseh befindet sich die größte jemals in Ägypten errichtete Pyramide, die heute noch 137 m hohe, aus etwa 2,5 Mio. Quadern errichtete Cheops-Pyramide, sowie die heute 136,5 m hohe Chephren-Pyramide. Zudem gilt als Kulturdenkmal die 73,5 m lange und aus einem Felsblock gehauene Große Sphinx die 60 m hohe Stufenpyramide des Königs Djoser und zwei Bankgräber für seine Gemahlinnen Nebet und Chenut in Sakkara die 8 m lange und 4 m hohe Alabastersphinx und die Ruinen des Ptah-Tempels von Memphis die Pyramiden der Könige Sahure, Neferikare und Niuserre in Abusir die Schwarze, die Weiße und die Rote Pyramide von Dahschur.

Filmtext

Die Angst der Welt, das ist die Zeit... der Zeiten Angst, das sind die Pyramiden. Im Jahr 2490 vor Christus waren die Männer des herrschenden Pharaos Mykerinos - aus Memphis, der Hauptstadt des Alten Reiches in die Steinbrüche gekommen.

Sie ließen sich jenseits des Nils Blöcke aus hellem und dunklem Kalksandstein aus den Felsen brechen... und nahmen sogar eine tagelange Reise in die Steinbrüche des Südens - nach Assuan auf sich, um dort Platten und Säulen aus dem kostbaren Rosengranit auszuwählen. Die schwere Last wurde auf Schiffe verladen und dann machten sie sich wieder auf den Heimweg - begleitet von Arbeitern und Steinmetzen - die, wie sie bereit waren, dem Pharao zu dienen. Sieben Tage und Nächte dauerte die Reise auf dem Nil - inzwischen glitten die Boote auf einem von Menschenhand geschaffenen Kanal auf Giseh - die Totenstadt - und Nekropole von Memphis zu. Da sahen sie mit ungläubigem Staunen ein gigantisches Monument aus der Wüste auftauchen - und auch wenn sie zuvor schon von der legendären Pyramide des Königs Cheops gehört hatten, so konnte doch keiner von ihnen ihre Dimensionen auch nur erahnen oder begreifen. Jede Seite maß 230 Meter, und auf einer Höhe von 146 Metern türmten sich über 2,5 Millionen Steine zum beeindruckendsten Bauwerk ihrer Zeit. Die bis zu 15 Tonnen schweren Sandsteine waren so dicht aneinandergefügt, dass kein Blatt 'Papyrus' mehr zwischen die Fugen zu passen schien. Neben diesem Grabmal stand eine weitere - mit einer Höhe von 143 Metern etwas kleinere Pyramide - die dem Sohne Cheops, Chephren - geweiht war.

Als ob die gottgleiche Bedeutung der ägyptischen Herrscher dadurch noch immer nicht ausreichend symbolisiert wurde, thronte vor den Pyramiden eine steinerne Wächterin - halb Mensch, halb Tier - die rätselhafte Sphinx. Ergriffen warfen sich die Männer aus Assuan ihr zu Füßen.

'Die Größe der Pharaonen ist unvergleichlich', hörten sie einen der Vorarbeiter sagen - 'Auch wenn sie schwer auf unseren Schultern lastet'! Klaglos fügten sich die Neuankömmlinge ein - in die Reihen der tausenden von Arbeitern und Steinmetzen, die auf dem Plateau von Giseh eine dritte Pyramide bauen sollten - für Mykerinos, den Sohn des Chephren und Enkel des Cheops. Untergebracht waren sie in einfachen Behausungen - ganz in der Nähe der Pyramiden. Vom Leben der nur wenige Kilometer entfernten Metropole Memphis erfuhren sie kaum etwas. Block für Block schafften sie Tag für Tag die Steine heran. Im Wettstreit mit anderen Gruppen von Arbeitern, die sich selbst so bezeichnende Namen wie, 'Die Siegreichen', oder 'Die Aufrechten' gegeben hatten. 'Wie ist der König doch betrunken' flüstert ein Arbeiter dem nächsten zu und meinte den Pharao, der in seinem Palast nächtelang feierte. Ein Orakel hatte ihm geweissagt, dass er nur noch sechs Jahre zu leben hatte, und er glaubte diese Zeit verdoppeln zu können, indem er jede Nacht zum 'Tag' machte. Mykerinos Grabmal sollte mit einer Höhe von 65 Metern die kleinste der Pyramiden von Giseh werden... aber auch hier entstand nicht einfach nur eine Pyramide, sondern - wie schon bei der Anlage des Chephren und des Cheops - ein ganzer Pyramidenkomplex, ausgehend von einem Taltempel. Bei der Chephrenpyramide beindruckt dieser Tempel durch seine monumentale Schlichtheit: Eine schmucklose Säulenhalle aus massivem Rosengranit. Von hier aus führt ein breiter Weg, auf dem bei der Beerdigungsprozession die Mumie des Königs zur Pyramide gebracht wurde. Ich habe den Menschen kein Unrecht getan!

Wie beim jüngsten Gericht musste dieses Bekenntnis abgelegt werden, bevor der Pharao eintreten konnte in die 'Gefilde der Seligen' - ins Jenseits! 'Leben um zu sterben'.

Der Glaube an ein besseres Leben nach dem Tode, wies den Totenstädten eine weit höhere Bedeutung zu, als jeder 'Stadt der Lebenden'. Dreihundert Jahre zuvor, war in Sakkara die erste 'Nekropole' von Memphis entstanden und hier hatte ein genialer Baumeister mit Namen Imhotep auch die erste Pyramide entworfen.

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Memphis - Weltwunder Pyramiden

Die Pyramiden von Memphis

Pyramiden

Die traditionellen Gräber der Ägypter waren sogenannte 'Mastabas' - rechteckige Gebäude aus Lehmziegeln, mit einem Flachdach und mehreren Räumen. Imhotep setzte jetzt eine dieser 'Mastabas' auf die andere und es entstand eine sechsstufige 'Himmelsleiter'. Die 69 Meter hohe Stufenpyramide, an der Basis 119 mal 141 Meter, war umgeben von Mauern und Tempeln, bei deren Ausgestaltung sich Imhotep erneut als ein ungewöhnlich phantasievoller Baumeister erwies. So wirken die Säulen im Eingangstempel wie hochaufgeschossene Pflanzen, die tief im Boden verwurzelt scheinen. Dreizehn falsche Türen in den Umfassungsmauern sollten - in dieser Welt nutzlos - sich dem Pharao in der nächsten öffnen - auf seinem Weg in die Unsterblichkeit. Tausend Jahre später - im Jahre 1490 vor Christus taucht - in einer sternenklaren Nacht - eine Gruppe von Grabräubern vor den Pyramiden auf.

Inzwischen war das Alte Reich vergangen - ein Neues Reich entstanden, und 'Cheops', 'Chephren' und 'Mykerinos' erschienen nur noch als Namen ferner Könige. Angelockt von den Legenden über die sagenhaften Grabschätze der Pharaonen, beginnen sich die Grabräuber einen Weg in die Pyramidenwand zu brechen. Sie finden einen Tunnel, in dem schon andere - vor ihnen - die schweren Steine weggeräumt hatten. Sie stoßen auf einen Gang, der sie tief in das Innere führt - so eng und niedrig, dass sie nur noch kriechend vorwärts kommen. Erschöpft wollen sie schon wieder umkehren, da öffnet er sich zu einem fast quadratischen Durchgang und nach wenigen Metern, weit - nach oben in eine pyramidenförmige Kammer. Ein leichter Geruch von Zedernholz und aromatischen Ölen erfüllt den Raum, aber die Kammer ist leer. Enttäuscht machen sie sich auf den Rückweg und stehen plötzlich in einer atemberaubenden Galerie. Achteinhalb Meter hoch, mit einem nach innen verschoben Kraggewölbe, kann dies, muss dies der Zugang zur sagenhaften Schatzkammer sein. Erneut überwinden sie einen Durchgang und stehen dann in einer ganz mit Rosengranit ausgekleideten Kammer - nur um festzustellen, dass ihnen auch hier scheinbar schon jemand zuvorgekommen ist. Ist diese Geschichte wahr? Niemand weiß es... und keiner wird je wissen, was alles auf dem Plateau von Giseh geschah.

Aber ein Traum aus dieser Zeit, der ist verbürgt. Die Sphinx, inzwischen vom ewig wandernden Sand begraben, erscheint einem jungen ägyptischen Prinzen und weissagt ihm, dass er König werde, wenn er sie vom Sand befreie. Er lässt sie ausgraben und geht als Pharao Thutmosis IV. in die Geschichte ein. Der Traum, in eine Stele gemeißelt, wird zwischen die Pranken der Sphinx gestellt. Jahrhunderte vergehen und noch einmal erlebt Ägypten mit den Ramsespharaonen eine große Zeit, auch wenn Memphis inzwischen seine Bedeutung, als wichtigste Stadt Ägyptens, an Theben verloren hat. Dann kommt die Herrschaft der Fremden. Die Griechen regieren in Ägypten und preisen die Pyramiden als eines der sieben Weltwunder! Heute, über zweitausendfünfhundert Jahre später, existiert von den Sieben Weltwundern nur noch eines - die Pyramiden. Während Memphis - einst strahlende Stadt der Lebenden - schon vollständig im Nilschlamm versunken ist, hat sich Giseh - als Stadt der Toten - zu einer der bedeutendsten Touristenattraktionen dieser Welt entwickelt. Und jeder, der vor den Pyramiden steht, scheint auf der Suche zu sein, nach dem perfekten Bild.

Und die Pyramide als Hintergrund arabischen Lebens. Jedes Bild ein 'Traum', auch wenn die letzten Jahrtausende am Pyramidenbezirk nicht spurlos vorübergegangen sind.

Immer wieder wurden die Pyramiden als Steinbruch missbraucht - die glatten Steine der Oberfläche abgeschlagen - um damit Häuser in Kairo zu bauen. Die Millionenstadt ist den Monumenten gefährlich nahe gerückt. Der Smog wird oft dicht, dass einem die Pyramiden wie startbereite außerirdische Raumschiffe erscheinen können. Das Plateau von Giseh als ein Werk außerirdischer Intelligenz? Keine, auch noch so absurde Idee über Herkunft und Bau dieser Steinmonumente scheint aberwitzig genug, als dass sie nicht schon einmal gedacht und in Visionen oder Modelle umgesetzt wurde. Sind die schweren Steinquader vielleicht über eine Rampe bis zur Spitze der Pyramide gezogen worden? Nur, wäre diese Rampe dann nicht unglaubliche 20 km lang gewesen. Ist deshalb das andere Modell plausibler, nach dem sich die Rampe spiralförmig um die Pyramide gezogen hat?

Es gibt auf diese Fragen keine wirklich eindeutige Antworten. Als in Sakkara, in der Pyramide des König Unas, und in weiteren Gräbern die sogenannten Pyramidentexte entdeckt wurden, erhofften sich die Ägyptologen Aufklärung. Die Schrift der Pharaonen - die Hieroglyphen konnten ja inzwischen entziffert werden. Doch in den Pyramidentexten finden sich keine detaillierten Angaben zum Bau, sondern eher zu Ritualen - es ist eine Art Gebrauchsanweisung für die Reise ins Jenseits.

Nimm deinen Kopf - sammle deinen Knochen - schüttel den Staub von deinem Fleisch und mach dich auf den Weg in die Unendlichkeit!

Das Zeichen der Sonnenbarke... und das Zeichen des Sonnengottes Re...

Es bleiben viele Rätsel, die auch die kommenden Jahrhunderte sicher noch überdauern werden. In Arabien sind die Uhren schon immer anders gegangen... Während wir erst das dritte Jahrtausend erreicht haben, sehen sich die Ägypter bereits im siebten und provozierend stellen sie die Frage: Gibt es irgendwo ein perfekteres Symbol der Ewigkeit? Die Antwort gibt das arabische Sprichwort:

Die Angst der Welt, das ist die Zeit.

Der Zeiten Angst, das sind die Pyramiden.

Buch und Regie: Ralph Ströhle

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Dähn, Christian; Maus, Harald
Memphis
Buch und Regie:
Ralph Ströhle
Kamera:
Marc Liesendahl