schreibende Frau sitzt am PC vor ihrem BIldschirm zu Hause. Die Homeofficepflicht endet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Fabian Strauch)

Mobiles Arbeiten

Homeoffice-Pflicht endet – und jetzt?

STAND
AUTOR/IN

Seit Beginn der Coronapandemie arbeiten Millionen von Deutschen von zu Hause aus. Die Homeoffice-Pflicht endet nun jedoch. Was bedeutet das?

Viele Beschäftigte haben sich längst an das Arbeiten von zu Hause aus gewöhnt. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie hatten das noch viele Arbeitgeber abgelehnt, unter anderem wegen angeblich mangelnder Technik, Datenschutzkontrolle und vielem mehr. Aber mit Beginn der Pandemie wurde Homeoffice überall dort zur Pflicht, wo es ging. Abgesehen von einigen Anfangsschwierigkeiten hat das auch überraschend gut funktioniert.

Am 20. März endet jedoch die Homeoffice-Pflicht. Noch im Wahlkampf hatte Arbeitsminister Hubertus Heil einen Rechtsanspruch auf Homeoffice gefordert. Diese Option ist mittlerweile vom Tisch. Stattdessen sollen Unternehmen und Beschäftigte nun auf freiwilliger Basis ausloten, welche Möglichkeiten es in Zukunft zum mobilen Arbeiten gibt.

Homeoffice spart Spritgeld und nützt der Work-Life-Balance

Von montags bis freitags täglich im Büro anwesend zu sein, ist für viele Arbeitnehmer inzwischen undenkbar. Knapp 30 Prozent der Beschäftigten arbeiteten zu Jahresbeginn laut dem Münchner ifo-Institut im Homeoffice. Und der Wunsch weiter zu Hause zu arbeiten ist groß. Tatsächlich profitieren Arbeitnehmer von den Vorteilen. Oft fallen lange Arbeitswege weg, je nach Länge der Anfahrt sparen sie im Homeoffice jeden Tag wertvolle Zeit. Dies macht sich nicht nur in Form von mehr Freizeit bemerkbar, sondern auch im Geldbeutel. Bei ständig steigenden Spritpreisen lässt sich im Homeoffice hier viel Geld sparen.

Zudem erhöht das Arbeiten von zu Hause die Flexibilität. In der Mittagspause kurz das Kind abholen oder einkaufen war vor der Pandemie für viele undenkbar. Durch Homeoffice lassen sich Beruf und Familie hingegen nun leichter vereinbaren. Auch die Pflege von Angehörigen ist oft einfacher.

Frau sitzt arbeitend an PC neben spielendem Kind. Doppelbelastung im Homeoffice. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)
Im Homeoffice lässt sich Beruf und Familie oft leichter miteinander vereinbaren als im Büro picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Männer zieht es stärker ins Büro

Tatsächlich scheint es Männer wieder mehr in die Büros zu ziehen als Frauen. Das zeigt eine Studie des beruflichen Netzwerks LinkedIn. Viele Männer haben gemerkt, wie stressig die Vereinbarung von Beruf und Familie sein kann. Im Büro ist der Arbeitsalltag hingegen besser planbar, und es gibt weniger Störungen. Die Gefahr ist dabei groß, dass Familien wieder stark in traditionelle Rollenbilder zurückfallen, meint Marlene Haupt, Professorin für Sozialwirtschaft und Sozialpolitik an der Hochschule Ravensburg-Weingarten:

"Frauen erleben im Homeoffice bei ihren Karrieren und Entwicklungsmöglichkeiten oft Einschränkungen, weil sie weniger präsent vor Ort sind und deswegen vielleicht für neue Projekte und neue Themen weniger gesehen werden."

Helfen könnten Mentorinnen-Programme, bei denen weibliche Führungskräfte Kolleginnen fördern und sie ermuntern, sich mehr in Videokonferenzen zu zeigen.

Pandemie Mehr Homeoffice zur Corona-Bekämpfung?

Beim Bund-Länder-Treffen war es eines der zentralen Themen: Homeoffice. Arbeitgeber müssen künftig „überall, wo es möglich ist“, Arbeit von zuhause ermöglichen. Was bringt das aus wissenschaftlicher Sicht?  mehr...

Unternehmen müssen sich anpassen

Experten wie Marlene Haupt sind sich jedoch sicher, dass Homeoffice in Zukunft immer normaler wird. Viele Unternehmen wollen für die Zukunft einen Mix aus Homeoffice und Arbeit vor Ort anbieten. Noch ist jedoch unklar, wie Beschäftigungsverhältnisse in Zukunft genau aussehen. Momentan gibt es keine allgemeinen Regeln fürs Homeoffice, die für alle Büroberufe oder wo immer mobiles Arbeiten möglich ist, gelten würden.

Arbeitsschutz im Homeoffice

Dort, wo mobiles Arbeiten durchführbar ist, sollten sich beide Seiten besprechen. Klar ist aber, dass auch die Unternehmen sich anpassen müssen. Fragezeichen gibt es unter anderem noch beim Daten- und Gesundheitsschutz. Auch wenn ein Beschäftigter beispielsweise im Homeoffice verunglückt, gibt es häufig noch keine festen Regelungen zum Unfallversicherungsschutz.

Für die Arbeit im Büro wird die positive Arbeitsatmosphäre immer wichtiger. Mit einzelnen neuen Möbeln oder Beleuchtung lässt sich auch in Mietbüros eine angenehmere Arbeitsatmosphäre schaffen, schlagen Einrichtungsexperten vor.

Frau sitzt zu Hause vor PC am Telefon. Homeofficeplficht endet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Finn Winkler)
Für die Arbeit im Homeoffice benötigt es klare Regeln zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer picture alliance/dpa | Finn Winkler

Google als Vorbild

Unternehmen wie zum Beispiel der Mainzer Glashersteller Schott probieren seit einiger Zeit moderne Arbeitsformen aus. Dafür wurde der frühere Werksverkauf auf dem Mainzer Firmengelände umgebaut - nach dem Vorbild des Internetkonzerns Google, mit vielen verschiedenen Arbeitsumgebungen. So hat etwa die IT-Abteilung dort immer noch ein Großraumbüro, aber würfelartige Besprechungsräume setzen immer wieder Grenzen. Dadurch entstehen Inseln mit mehreren Schreibtischen, sogenannte "Home-Zonen". Dort sollen sich die Kolleginnen und Kollegen wie zu Hause fühlen. Einen festgelegten Arbeitsplatz pro Mitarbeiter gibt es allerdings nicht. Auch wie die neuen Arbeitsumgebungen angenommen werden, ist von Bereich zu Bereich unterschiedlich.

Homeoffice bietet Vorteile für Arbeitgeber

Anreize, Homeoffice für die Mitarbeiter anzubieten, gibt es für Unternehmen einige. Mietflächen können reduziert und so Kosten gespart werden. Auch die Attraktivität als Arbeitgeber dürfte langfristig steigen. Je mehr Unternehmen Homeoffice auch nach der Pandemie zum Regelfall machen, desto größer wird der Druck auf die Konkurrenz, ebenfalls Lösungen zum mobilen Arbeiten zu finden.

Zwar soll ein Recht auf Homeoffice nicht kommen, dafür gibt es aber die Pflicht für Arbeitgeber, die Möglichkeiten für mobiles Arbeiten auszuloten. Jetzt kommt es vor allem auf die betrieblichen Regelungen an.

Mehr zum Thema Homeoffice

SWR2 Geld, Markt, Meinung Homeofficepflicht endet - wie geht es weiter?

Die Homeofficepflicht war eine Notlösung in der Corona-Pandemie, um Infektionen zu vermeiden, aber auch Betriebe am Laufen zu halten.  mehr...

SWR2 Geld, Markt, Meinung SWR2

Gefahr am Schreibtisch Arthrose durch zu viel Sitzen?

Durch Lockdown und Homeoffice bewegen sich die Menschen immer weniger. Das lange Sitzen führt häufig zu Gelenkproblemen. Nicht selten folgt Arthrose. Regelmäßige Bewegung kann die Erkrankung verhindern.  mehr...

Doc Fischer SWR Fernsehen

STAND
AUTOR/IN