Jeffrey Hamilton (Foto: Getty Images, Eine Spritze pikst in einen Oberarm)

Schutz vor durch Zecken übertragene FSME

FSME-Impfung wird für Risikogebiete empfohlen

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Der einzig wirksame Schutz vor FSME ist eine Impfung. Sie gilt als gut verträglich und wird von den Krankenkassen bezahlt. Im Südwesten Deutschlands wird sie dringend empfohlen.

Was ist FSME?

FSME steht für die Frühsommer-Meningoenzephalitis. Die Symptome von FSME drücken sich häufig in Grippe-ähnlichen Beschwerden aus. Das Problem ist, dass es mit Entzündungen des Rückenmarks oder des Gehirns zu schweren Verläufen kommen kann. Bis vor einigen Jahren galt vor allem der gemeine Holzbock als Überträger der Krankheit. Doch laut dem RKI konnte das Virus mittlerweile auch schon in der Auwaldzecke nachgewiesen werden.

Eine vollgesaugte Zecke steckt in der Haut. Zecken sondern ihren Speichel in unseren Körper ab und können dabei gefährliche Krankheiten übertragen, etwa Borreliose und FSME. Bei Borreliose zeigt sich eine Wanderröte. (Foto: Colourbox)
Zecken können etliche gefährliche Krankheiten und Erreger übertragen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rät allen, die in FSME-Risikogebieten wohnen oder Urlaub machen, ihren Impfschutz zu kontrollieren.

Im Südwesten empfehlen die Gesundheitsbehörden die Impfung dringend. Auch diejenigen, die in der Vergangenheit schon gegen FSME geimpft wurden, sollten ihren Impfschutz von ihrem Arzt überprüfen lassen. Wenn weiterhin ein Ansteckungsrisiko besteht, kann eine Auffrischung des Impfschutzes nötig sein. Geimpft werden kann nur zum Schutz vor FSME, gegen Borreliose gibt es keinen Impfschutz.

Risikogebiete der FSME in Deutschland

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Süd-Thüringen
  • südliche Teil von Sachsen
  • Teile von Hessen
  • Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz
  • Saar-Pfalz-Kreis im Saarland
FSME-Erkrankungen in Deutschland (Foto: SWR)
FSME-Erkrankungen breiten sich in Deutschland immer weiter aus. Unter anderem gilt Baden-Württemberg als Risikogebiet.

Im Januar 2021 hat das Robert Koch-Institut bundesweit fünf weitere Regionen zu Risikogebieten erklärt: Darunter die Landkreise Fulda in Hessen und Dillingen an der Donau in bayerisch-Schwaben.

Vorsicht: Auch in anderen europäischen Ländern tritt die FSME auf, darunter in Österreich, der Schweiz und den baltischen Staaten.

FSME-Impfquoten in Deutschland

Tatsächlich sind in der neuesten Erhebung aus dem Jahr 2019 in Baden-Württemberg 18,0 Prozent der Bevölkerung gegen FSME geimpft, während in Bayern die Impfquote bei 22,3 Prozent liegt. In Thüringen liegen die Impfquoten sogar bei 30,4 Prozent und in Hessen bei 18,8 Prozent. Erst seit 2019 ist ein ansteigender Trend in den Impfquoten sichtbar geworden.

Erreger-Hotspots

Heute ist bekannt, dass es eigentlich sehr kleine Gebiete, vergleichbar mit einem oder zwei Fußballfeldern sind, in denen sich die FSME-infizierten Zecken aufhalten. Außerhalb dieses Gebietes sind keine infizierten Zecken zu finden.

Der Infektologe Dr. Johannes Borde von der Uniklinik Freiburg ist einer der Wissenschaftler, die nach diesen sogenannten FSME-Hotspots suchen. Er hat rund um Offenburg zwei FSME-Herde identifiziert. Und einen weiteren auf der anderen Rheinseite, im Elsass.

Es gibt diese besonderen Herde, Naturherde, wo sich tatsächlich der FSME-Virus in den Zecken findet. [...] Es ist absolut davon auszugehen, dass es weitere Herde gibt, weil wir eine konstante Anzahl weiterer Patienten haben, die sich auch in anderen Regionen infiziert haben.“

Nur mehrere Impfungen und eine Auffrischung nach drei Jahren schützen zuverlässig.

Für den Aufbau des Impfschutzes gegen FSME sind drei Impfungen nötig. Die zweite Impfung erfolgt ein bis drei Monate nach der ersten. Etwa zwei Wochen nach der zweiten Impfung besteht zunächst für einige Monate der Schutz.

Eine Zecke und eine Spritze liegen auf einem Impfpass (Foto: Getty Images, iStockphoto)
Für den Aufbau des Impfschutzes gegen FSME sind drei Impfungen nötig. iStockphoto

Um die Immunisierung abzuschließen, ist eine dritte Impfung nach neun bis zwölf Monaten empfohlen. Der Schutz besteht dann für mindestens drei Jahre.

Warnschilder als sinnvolle Schutzmaßnahme

Frankreich hat auf die neue Gefahr reagiert und Warnschilder aufgestellt. Bei uns gibt es die nicht. Soll sich daran etwas ändern? Wir fragen beim Landesgesundheitsamt in Stuttgart nach.

Eine Spaziergängerin mit Hund passiert ein Warnschild, das auf Zecken-Gefahr aufmerksam macht. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Foto: Erwin Elsner)
In Frankreich wird nicht nur vor Zecken sondern insbesondere vor mit FSME infizierten Zecken gewarnt. Foto: Erwin Elsner


„Also wenn so ein Fokus über viele Jahre konstant ist, ist natürlich eine Information sehr wichtig, dass eben gerade da eben, die Zecken FSME-Viren tragen. Auf der anderen Seite kann man nie sicher sein, ob nicht 500 Meter weiter nicht auch ein Fokus besteht, den man bisher gar nicht kennt.“

Vielleicht findet man also auch bei uns bald Warnschilder? Noch ist nichts entschieden und bundesweite Schutzmaßnahmen sind nicht in Sicht.

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