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Zecken können mit FSME und Borreliose schwere Erkrankungen übertragen. Wie schützt man sich? Hilft eine Impfung? Wie entfernt man Zecken? Und wie gefährlich sind Hyalomma und die Braune Hundezecke?

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Inhaltsangabe:
1. Wo halten sich Zecken auf?
2. Warum sind Zecken so gefährlich? Und warum bleiben Borreliose und FSME oft unerkannt?
3. Wovor schützt eine Zecken-Impfung? Und wovor nicht?
4. Wie verhindert man einem Zechenstich?
5. Zecken richtig entfernen: Schnell sein, aber die Zecke nicht quetschen!
6. Braune Hundezecke und Hyalomma: Welche Gefahr geht von eingewanderten Zecken aus?

1. Wo halten sich Zecken auf?

Zecken lauern entgegen mancher Meinung nicht auf Bäumen, sondern eher in hohem Gras oder auf kleinen Büschen. Inzwischen findet man sie auch in vielen Gärten und auch in Stadtgebieten. Sie springen ihre Opfer nicht an, sondern krallen sich beim Vorbeigehen fest. Dann stechen sie mit ihrem Saugrüssel durch die Haut und trinken Blut. Das bemerkt man jedoch nicht sofort, da die Zecke zuvor die Haut betäubt.

Überleben auch im Haus und in der Waschmaschine

Studien zeigen außerdem, dass die Spinnentiere sehr widerstandsfähig sind. Zum Beispiel überleben sie im Haus noch bis zu zehn Tage lang auf der Suche nach einem Wirt. Auch ein Waschgang bei 40 Grad in der Waschmaschine macht Zecken nichts aus. Und Zecken lieben es feucht, sie überleben drei Wochen unter Wasser. Spülen Sie eine Zecke daher nicht die Toilette hinunter.

2. Warum sind Zecken so gefährlich?

Ungefähr 30 bis 35 Prozent aller Zecken tragen Borrelien in sich und bis zu fünf Prozent die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Aber: Nicht jeder, der von einer infizierten Zecke gestochen wird, erkrankt auch. Problemtisch ist, dass man Zeckenstiche häufig gar nicht gleich bemerkt. Spätere Krankheitssymptome bringt man dann nicht mehr unbedingt mit einer Zecke in Verbindung und Ärzte tun sich oft schwer mit der richtigen Diagnose.

Borreliose - ein gefährliches Bakterium

Jede dritte Zecke ist beispielsweise mit dem Borreliose-Erreger, einer Bakterienart, infiziert. Experten rechnen mit über 100.000 Betroffenen jährlich.

Die Diagnose ist oft schwierig, denn gerade die Anfangsbeschwerden ähneln oft denen einer Grippe. Und die Symptome einer Borreliose-Infektion nach einem Zeckenstich sind nicht immer gleich. Eine kleine Haurötung an der Stichstelle ist beispielsweise oft ein Anzeichen für eine Borreliose. Doch nicht immer kommt es zu dieser sogenannten Wanderröte (Erythema migrans) und einige der Borreliose-Symptome treten erst Monate oder Jahre später auf. Die Borrelien können zudem auch unspezifische Symptome wie beispielsweise Fieber oder Müdigkeit hervorrufen. Die schnelle Entdeckung der Borrelien-Infektion ist jedoch wichtig, da die Infektion zu Spätschäden am Gehirn und an den Nerven führen kann, sich aber - rechtzeitig erkannt - gut mit Antibiotika behandeln lässt.

FSME - ein gefährlicher Virus

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sieht es ähnlich aus. Auch hier ähneln die Anfangsbeschwerden oft denen einer Grippe. Das Problem ist aber, dass es mit Entzündungen des Rückenmarkes oder des Gehirns zu schweren Verläufen kommen kann. Und das Fatale ist:

„Wenn man sich einmal infiziert hat, gibt es keine Therapie, keine ursächliche Therapie, die den Erreger im Körper vernichten kann.“

Prof. Sebastian Rauer, Neurologe, Uniklinik Freiburg

3. Wovor schützt eine Zecken-Impfung? Und wovor nicht?

Während es also gegen Borreliose wirksame Antibiotika gibt, sieht es bei einer schweren FSME-Erkrankung mit der Medikation eher düster aus. Es gibt aber eine Impfung, die als gut verträglich gilt und von den Kassen bezahlt wird. Im Südwesten empfehlen die Gesundheitsbehörden die Impfung dringend. Es gilt also Impfrisiken gegen den Schutz abzuwägen, wenn man in einem Risikogebiet lebt oder dort Urlaub machen will. Und zu den Risikogebieten zählt fast ganz Baden-Württemberg sowie Teile von Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

4. Wie verhindert man einem Zeckenstich?

Da ja die Impfung nicht vor Borrelliose schützt, gilt auch für Geimpfte: Der beste Schutz vor von Zecken übertragenenden Krankheiten ist es, sich gar nicht erst stechen zu lassen. Die folgenden Tipps der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) helfen dabei.

  • Bleiben Sie bei Spaziergängen möglichst auf festen Wegen und meiden Sie Unterholz, hohes Gras und Hautkontakt zu bodennahen Pflanzen.
  • Ziehen Sie sich und Ihrem Kind beim Aufenthalt in möglichen Zeckengebieten feste Schuhe an.
  • Achten Sie auf helle Kleidung, die den Körper weitestgehend bedeckt. Hierauf lassen sich die Zecken leichter auffinden.
  • Suchen Sie nach dem Aufenthalt in möglichen Zeckengebieten vor allem bei Kindern den Körper sorgfältig nach Zecken ab.
  • Bevorzugte Saugstellen sind am Kopf und am Hals sowie unter den Armen, zwischen den Beinen und in den Kniekehlen.

5. Zecken richtig entfernen: Schnell sein, aber die Zecke nicht quetschen!

Hat man eine Zecke auf der Haut entdeckt, sollte man nicht überstürzt handeln und dabei die Zecke versehentlich ausquetschen. Trotzdem drängt die Zeit, denn die FSME-Viren werden direkt beim Stich übertragen.

Braune Hundezecke und Hyalomma: Welche Gefahr geht von eingewanderten Zecken aus?

Bedingt durch den Klimawandel verbreiten sich neue Zeckenarten, die möglicherweise auch bei uns tropische Krankheiten oder das Mittelmeerfleckfieber übertragen können. Dazu zählen zwei Arten der Hyalomma und die Braune Hundezecke.

Tropenzecke Hyalomma

Die beiden Arten Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes stammen ursprünglich aus den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens, Süd- und Osteuropas. Mit ihren gestreiften Beinen sind sie eine auffällige Erscheinung und viel größer als der normale Holzbock. Die Riesenzecken können ihre bevorzugten Wirtstiere bis auf eine Entfernung von 100 Meter aktiv verfolgen.

Zecken im Größenvergleich: Gemeiner Holzbock (links) und Hyalomma marginatum (rechts) (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa -)
Zecken im Größenvergleich: Gemeiner Holzbock (links) und Hyalomma marginatum (rechts) Foto: Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa -

Forscher gehen davon aus, dass erwachsene Zecken große Säugetiere wie Pferde oder Rinder bevorzugen, ein Befall von Menschen sei aber auch nicht ausgeschlossen. Larven und Nymphen befallen vor allem Vögel und Kleinsäuger. Sie bleiben bis zu 28 Tage auf ihrem Wirt und können so mit Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt werden. Sie sind potentielle Überträger des Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fiebers und des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und können eine Form des Zecken-Fleckfiebers auslösen.

Wie gefährlich die Hyalomma-Zecke im Vergleich zum Gemeinen Holzbock ist, das erklärt Marktcheck-Gesundheitsexperte Dr. Lothar Zimmermann:

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Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Braune Hundezecke

Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) ist eigentlich im Mittelmeerraum, Nordafrika und vielen Teilen der Tropen und Subtropen heimisch. Sie liebt ein warmes, trockenes Klima und kann deshalb auch in Wohnungen überleben und schnell zur Plage werden. Sie ist klein, unauffällig und flink.

Braune Hundezecken stehen auch im Visier der Hohenheimer Parasitologen  (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Fabian Sommer/dpa)
Die flinke Braune Hundezecke auf einem 1-Cent-Stück. Foto: Fabian Sommer/dpa

Obwohl der Hund ihr bevorzugter Wirt ist, werden auch gelegentlich Menschen gestochen. Die Zecke kann Krankheiten wie beispielsweise das durch Rickettsien ausgelöste Mittelmeer-Fleckfieber übertragen.

Aktuelle Erkenntnisse aus der Zeckenforschung

2019 hatten Parasitologen von der Universität Hohenheim darum gebeten, Zecken für Forschungszwecke einzuschicken. Erste Erkenntnisse zu den rund 3.500 untersuchten Tieren wurden am 17. Februar 2020 veröffentlicht.

„Weder das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber, noch das Arabisch Hämorrhagische Fieber konnten wir in den eingesendeten Zecken nachweisen. Aber 41 (Anmerkung der Redaktion: rund ein Drittel der eingeschickten Hyalomma) von ihnen trugen den Erreger des Zecken-Fleckfiebers in sich.“

Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Universität Hohenheim

Die Krankheit läßt sich aber gut mit Antibiotika behandeln.

Welche Erkenntnisse die Wissenschaftler sonst noch gewonnen haben und wie Sie sich an dem weiterlaufenden Forschungsprojekt beteiligen können, das hat SWR Wissen für Sie zusammengetragen. Dort finden Sie unter anderem ein ausführliches Interview mit Prof. Dr. Ute Mackenstedt.

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