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Seit Oktober zahlen gesetzliche Krankenkassen einen höheren Zahnersatz- Festzuschuss. Was heißt das in Euro? Wie Patienten mit Zahnauktionen und Zusatzversicherungen sparen können.

Was bedeutet der höhere Zuschuss der Krankenkassen in Euro? Mehr als einen Tropfen auf den heißen Stein? Auf jeden Fall gibt es für Patienten auch noch andere Möglichkeiten für bessere Versorgung und günstigere Angebote.

Gesetzliche Krankenkassen zahlen seit Oktober mehr für Zahnersatz

Seit dem 1. Oktober hat sich der Anteil der Behandlungskosten, den die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen, von 50 auf 60 Prozent der Regelversorgung erhöht. Die Regelversorgung ist eine von den Krankenkassen beschlossene Basisversorgung, die als Grundlage für die Berechnung des Anteils der Krankenkassen dient. Mit der Regelversorgung werden alle notwendigen Leistungen abgedeckt und mit einem festen Preis versehen, der anteilig übernommen wird. Wer beweisen kann, dass er regelmäßig die jährliche Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt wahrnimmt, kann den Anteil mit einem fünf Jahre lückenlos zurückreichenden Bonusheft auf 70 Prozent und bei zehn Jahren nachgewiesener Vorsorge sogar auf 75 Prozent der Regelversorgung erhöhen.

Der Betrag für die Regelversorgung richtet sich nach dem Befund, also dem Problem, das mit dem Zahnersatz behoben werden soll. Dafür zahlt die Krankenkasse den prozentualen Anteil an der Regelversorgung, den Festzuschuss. Diese Summe kann der Patient dann für eine Zahnersatzlösung seiner Wahl einsetzen. Wenn er sich eine aufwändigere und teurere Lösung wie Implantate statt zum Beispiel eine Brücke aussucht, muss er die Zusatzkosten dafür selbst tragen. Es gilt immer: Rechnungsbetrag minus Festzuschuss ergibt den Eigenanteil, den der Patient zahlen muss.

Zahnzusatzversicherung übernimmt großen Anteil der Kosten

Bleiben deshalb für Verbraucher am Ende hohe Eigenanteile, können sie versuchen, die in den Heil- und Kostenplänen veranschlagten Summen zu senken – oder sie mit einer Zahnzusatzversicherung absichern. Hier ist aber zu beachten, dass der der volle Versicherungsschutz oft erst nach einigen Mitgliedsjahren greift. Außerdem zahlen viele Versicherungen in den ersten Monaten der Mitgliedschaft gar nicht, weshalb ein neuer Vertragsabschluss bei akuten Behandlungen nicht ratsam ist. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig um eine Zahnzusatzversicherung zu kümmern.

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Wie laufen Zahnersatzkosten-Auktionen ab?

Ein anderer Weg für den Patienten ist es, für die jeweilige Zahnersatzlösung einen günstigeren Zahnarzt zu finden: Im Internet bieten zahlreiche Portale Auktionen an, bei denen Patienten nach den kostengünstigsten Angeboten von Zahnärzten suchen können. Dazu müssen sie den für die Behandlung erstellten Heil- und Kostenplan auf der Website eingeben und im Anschluss einen Umkreis um den eigenen Wohnort festlegen, in dem die Zahnarztpraxen liegen sollen. Das Gesuch wird nun anonymisiert veröffentlicht und Zahnärzte können sich mit eigenen Kostenvoranschlägen darauf bewerben. Durch die Konkurrenz können Verbraucher häufig von deutlich günstigeren Preisen profitieren.

Eine klassische Auktion ist dieses Verfahren übrigens nicht. Patienten sind nicht dazu gezwungen, das niedrigste Angebot anzunehmen, sondern können nach Eingang der Vorschläge anhand eigener Kriterien entscheiden, also zum Beispiel auch nach Nähe der Praxis zum Wohnort.

Wie kommen die niedrigeren Preise über Auktionen zu Stande?

In einem Test von Stiftung Warentest waren die Angebote für Zahnersatz-Behandlungen über Auktionsportale um 20 bis 50 Prozent günstiger als die ursprünglich veranschlagten Behandlungskosten. Die Einsparungen werden vor allem über Kostensenkungen bei den Material- und Laborpreisen erreicht. Das Zahnarzthonorar bleibt normalerweise auf demselben Niveau.

In unserem Beispiel kann die Patientin ihren Eigenanteil von mehr als 4.000 Euro um fast 1.700 Euro senken. Zahnarzt Daniel Tandon bietet seine Leistungen ebenfalls über Auktionen an und erklärt die Ersparnisse so: „Wir machen alles selbst. Das bleibt alles in einer Hand. Von Modellherstellung über Scannen über Modell ausarbeiten über Keramik modellieren. Wir brauchen dafür keinen fremden Unternehmer. Dadurch sparen wir auch extrem viel Geld und können das eins zu eins weitergeben.“

Wie teuer ist die Zahnersatzkosten-Auktion für Patienten?

Je nach Anbieter der Plattform können für das Auktionsverfahren Kosten entstehen. Der Betreiber des Portals „2te-ZahnarztMeinung“ berechnet gestaffelte Vermittlungsgebühren. Bei einer Summe bis 1.000 Euro werden 2,50 Euro fällig, bei Behandlungskosten zwischen 1.001 und 5.000 Euro müssen Patienten fünf Euro zahlen und für einen Preis über 5.000 Euro kostet die Auktion 7,50 Euro. Einige Krankenkassen arbeiten mit dem Portal zusammen. Für Versicherte dieser Krankenkassen ist der Service kostenlos.

Nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte müssen bei „2te-ZahnarztMeinung“ eine Gebühr entrichten. Übernimmt ein Arzt einen Fall, muss er zehn Prozent des Gebots als Provision an den Portalbetreiber zahlen.

Muss ich bei Auktionen schlechtere Qualität fürchten?

Grundsätzlich müssen Verbraucher sich keine Sorgen um mangelnde Qualität machen. Nur qualifizierte Zahnärzte können Angebote erstellen. Teilweise gibt es sogar die Vorgabe, dass sie ausschließlich mit deutschen Laboren zusammenarbeiten dürfen. Gespart wird dafür an anderer Stelle. Häufig wird günstigeres Material verwendet. Aufpassen sollten Patienten aber trotzdem, denn in manchen Fällen wird eine alternative Behandlungsmethode vorgeschlagen. In solchen Fällen ist die Vergleichbarkeit zum ursprünglichen Heil- und Kostenplan nicht mehr gegeben. Bei verschiedenen Therapieformen sollten Patienten mit Hilfe von Experten gut abwägen, welcher Weg für sie der geeignetste ist und nicht aus Kostengründen zum niedrigsten Angebot greifen.

Was sollte ich bei Auktionen für Zahnersatz beachten?

Entscheiden sich Patienten zu einer Auktion, um Zahnersatzkosten zu verringern, gibt es ein paar Hinweise, die berücksichtigt werden sollten.

  • Schon bei der Erstellung der Auktion ist es ratsam, möglichst genaue Angaben über die notwendige Behandlung und den bisherigen Heil- und Kostenplan zu machen. Nur dann können Zahnärzte mit realistischen Angeboten reagieren.
  • Ein weiterer Tipp ist, den Radius für in Frage kommende Ärzte großzügig einzustellen, allerdings trotzdem darauf zu achten, dass die Ärzte noch gut zu erreichen sind. Sonst sind die Einsparungen durch die hohen Fahrtkosten bei mehrmaligen Terminen schnell wieder aufgebraucht.
  • In Bezug auf die Entfernung zum Arzt stellt sich noch eine zweite Problematik: Patienten haben Anspruch auf eine kostenlose Nachbehandlung, sofern diese notwendig sein sollte. Der Anspruch gilt jedoch nur bei dem Zahnarzt, der auch die Zahnersatzbehandlung durchgeführt hat. Liegt der Zahnarzt weit entfernt, haben Patienten die Wahl zwischen einer langen Anreise, oder sie müssen die Behandlungskosten bei ihrem heimischen Zahnarzt selbst übernehmen.
  • Entscheidet man sich dazu, das Angebot eines Arztes anzunehmen, gilt es zu prüfen, ob der endgültige Preis auch dem Auktionsangebot entspricht und nicht im Nachhinein zusätzliche Kosten aufgeschlagen wurden.
  • Vereinbart man mit dem Zahnarzt die Nutzung hochwertigen Materials, kann man beim Zahnarzt eine Bescheinigung des Labors anfordern, die bestätigt, dass die teuren Materialien auch tatsächlich verwendet wurden.
  • Auch wenn man sich gegen die Angebote der Zahnärzte aus dem Internet entscheidet, kann eine solche Auktion helfen, einen Überblick über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und einen ungefähren Preisrahmen zu bekommen.
  • Vor einer endgültigen Entscheidung für oder gegen eine solche Behandlung, sollte immer ein persönliches Beratungsgespräch mit dem Arzt erfolgen.

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