Ein Schild mit der Aufschrift «Wirtschaft geschlossen» steht vor der Zufahrt zu einer Gaststätte (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Peter Kneffel)

Stillstand durch Corona

Wirtschaft wegen Corona komplett herunterfahren? – Pro und Contra

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Was treibt die Pandemie an? Hilft es, die Wirtschaft komplett herunterzufahren? Vor den kommenden Bund-Länder Gesprächen wägen wir die Argumente ab.

Die Corona-Zahlen sinken nicht so, wie sich das die Politik erhofft hatte. In der Diskussion sind härtere Maßnahmen, wie etwa die Wirtschaft komplett herunterzufahren. Doch macht das Sinn? Ja, meint SWR-Wirtschaftsredakteurin Katha Jansen.

Wirtschaft komplett herunterfahren – PRO

„Wirtschaftsforscher warnen vor gravierenden Folgen für die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr, wenn auch die Industrie in den Lockdown geht. Rechnerisch nachvollziehbar. Aber welchen Preis wollen wir für ein größeres Plus unter den Wirtschaftskennzahlen des Jahres 2021 zahlen? Ein immer längerer Lockdown für alle, die NICHT Industrie sind?

Ungleich härtere Maßnahmen für andere Wirtschaftszweige, für Eltern, für KiTa- und Schulkinder, noch mehr Corona-Tote? Beispiele aus dem Frühjahr aus China oder Italien legen nahe, dass es dort ebendieser flächendeckende, die Industrie einschließende Lockdown war, der wirklich Einfluss auf die Ausbreitung der Pandemie hatte. Die deutsche Industrie hat an unserer Bruttowertschöpfung einen Anteil von rund 23 Prozent. Im internationalen Vergleich ein Spitzenplatz. Gleichzeitig bedeutet das, da sind noch 77 Prozent, die aus anderen Bereichen stammen. Wenn wir, lockdownbedingt, bislang auf weite Teile der restlichen Wertschöpfung verzichten konnten, dann schaffen wir auch ein paar Wochen ohne die deutsche Industrie.“

Es ist nicht sinnvoll, die Wirtschaft komplett lahmzulegen, meint SWR Wirtschaftsredakteur Lutz Heyser. Er glaubt nicht daran, dass nach vier bis fünf Wochen Zwangspause wieder alles gut ist.

Wirtschaft komplett herunterfahren – Contra

„Okay, es gab die Fälle von Masseninfektionen von Mitarbeitern in Fleischbetrieben. Aber die sind nun geschlossen oder die Produktion dort umgestellt. Bislang hat sich die Wirtschaft und Industrie-Produktion meines Wissens nach jedenfalls nicht grundsätzlich als Corona-Hotspot erwiesen. Vielmehr haben die allermeisten Firmen und Unternehmen viel Geld ins Thema Gesundheitsschutz und Hygiene investiert, was doch ganz gut zu funktionieren scheint.

Ein neuerlicher, harter Lockdown der Wirtschaft macht daher aus meiner Sicht keinen Sinn. Er würde dem zarten Pflänzchen Hoffnung und wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr gleich zu Beginn die Luft nehmen. Und käme uns am Ende – wenn die Corona-Rechnungen dann eines Tages bezahlt werden müssen – ziemlich teuer zu stehen. Weil Firmen deswegen Pleite gehen und Menschen ihren Job verlieren meines Erachtens viel zu teuer!“

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