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Die deutsche und weite Teile der Weltwirtschaft werden durch die Corona-Pandemie in eine Rezession geraten. Was bedeutet Rezession für die Ökonomie und für die Verbraucher?

Was bedeutet Rezession?

Nach der Definition etwa des ARD-Börsenlexikons ist eine Rezession „eine Konjunkturphase, in der das Wirtschaftswachstum stagnierende beziehungsweise negative Wachstumsraten aufweist“. Sie liege nach der gängigen Meinung dann vor, wenn die Wirtschaft mindestens zwei Quartale hintereinander – im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal – schrumpfe. Derzeitige Prognosen von Ökonomen sagen eine Rezession für Deutschland voraus.

Vier Wirtschaftszyklen: Rezession, Depression, Aufschwung, Boom

Die Wirtschaft verläuft in vier Zyklen. Eine Rezession kennzeichnet eine Konjunkturphase, in der die Wirtschaft schwächer wird. Den Tiefpunkt der Rezession bildet die Depression. Nach dem Tiefpunkt folgt der Aufschwung, die Phase in der die Wirtschaft wieder wächst. Den Höhepunkt in der Wachstumsphase nennt man Boom. Auf ihn folgt wieder die Rezession.

Wirtschaftsweisen: Deutsche Wirtschaft schrumpft um 4,2 Prozent

Die Wirtschaftsweisen und die Bundesbank erwarten wegen der Corona-Pandemie eine schwere Rezession. Im Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für die Bundesregierung gehen die Ökonomen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 4,2 Prozent schrumpfen wird. Die Arbeitslosenquote werde 2020 auf bis zu 5,9 Prozent, die Zahl der Kurzarbeiter auf bis zu 2,4 Millionen steigen. Im kommenden Jahr werde sich die Wirtschaft aber erholen und wieder um 5,8 Prozent wachsen.

Wie reagieren die Unternehmen auf die bevorstehende Rezession?

Mehr als 700.000 Unternehmen haben bereits Kurzarbeit für Mitarbeiter angemeldet. Zudem haben laut Ifo-Institut viele Unternehmen ihre Neueinstellungen gestoppt. Wird ein Betrieb vom wirtschaftlichen Abschwung stärker getroffen, kommt es in der Regel auch zu Entlassungen.

Wie trifft die Rezession die Beschäftigten?

Wenn Firmen Insolvenz anmelden oder stark sparen müssen, sind selbstverständlich auch die Beschäftigten betroffen. Die Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter teilweise in Kurzarbeit, verlängern auslaufende Verträge nicht oder entlassen sogar Angestellte. Laut einer Ifo-Umfrage werden vor allem Betriebe im Handel Personal entlassen, auch im Dienstleistungsbereich gibt es entsprechende Pläne. Nur auf dem Bau werde es keine Änderungen beim Personal geben. In der Industrie seien schon vorher Entlassungen vorgesehen gewesen. Das werde sich fortsetzen, heißt es in einer Einschätzung des Instituts.

Was können Verbraucher tun?

Beschäftigte, deren Unternehmen von der Rezession getroffen sind, spüren die Auswirkungen der Rezession mehrfach. Auf der einen Seite fällt das Einkommen wegen Kurzarbeit teilweise oder sogar ganz weg. Auf der anderen Seite müssen die laufenden Kosten wie Miete oder Kredite weiter bedient werden. Im Einzelfall können Absprachen mit dem Vermieter, Banken oder anderen Schuldnern helfen – dieser Kontakt sollte auf jeden Fall gesucht werden. Die Verbraucherzentrale gibt auf ihrer Webseite weitere Tipps, was Betroffene tun können, wenn das Geld knapp wird.

Die Bundesregierung hat mehrere Gesetze beschlossen, die Menschen in Corona-bedingten Notlagen helfen sollen. So dürfen Mieter aktuell nicht mehr so schnell gekündigt werden, wenn sie die Miete nicht mehr zahlen können. Wer wegen der Corona-Pandemie plötzlich weniger oder gar kein Einkommen mehr hat und deshalb seine Miete vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 nicht mehr zahlen kann, dem darf der Vermieter nicht kündigen. Als Mieter hat man dann zwei Jahre Zeit, die Mietrückstände nachzuzahlen. Kommt der Mieter dem nicht nach, kann der Vermieter kündigen.

Außerdem gibt es einen Aufschub für die Zahlung von Versicherungen. Das heißt, auch durch alle staatlichen Maßnahmen zur Unterstützung entfallen die Zahlungen nicht, sie dürfen nur später geleistet werden.

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Regierung macht Schulden, um Folgen der Rezession abzumildern

Die Bundesregierung reagiert auf die kommende Rezession. So wurde die Schuldenbremse, die eine hohe Neuverschuldung eigentlich verbietet, ausgesetzt. Stattdessen ist eine Neuverschuldung in Höhe von 165 Milliarden Euro vorgesehen, um durch staatliche Investitionen die schwächelnde Wirtschaft und die Verbraucher zu unterstützen. Es gibt umfangreiche Hilfsmaßnahmen für Unternehmen, Selbstständige sowie für Familien und ärmere Menschen. Betriebe können zum Beispiel bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Corona-Hilfskredite beantragen. Damit sollen unter anderem Insolvenzen vermieden und auch Übernahmen aus dem Ausland verhindert werden.

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