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Bei Biene denken viele zuerst an die Honigbiene, dabei gibt es in Deutschland auch rund 560 Wildbienen-Arten. Mehr als die Hälfte von ihnen ist bedroht.

„Die Rolle der Wildbienen wird für die Bestäubung unserer Früchte oftmals vergessen. Das Bienensterben betrifft die Honigbiene ja auch weniger stark als ihre wilden Verwandten, wird sie doch von immer mehr Imkern gepflegt, gefüttert und gesund erhalten, so dass die Bestände sogar steigen“, erklärt die Imkerin Sabine Holmgeirsson, Nabu-Fachbeauftragte für Wildbienen.

Am 20. Mai ist Weltbienentag. Mehr als die Hälfte der Wildbienen-Arten, die in Deutschland vorkommen, ist laut Bundesamt für Naturschutz inzwischen in ihrem Bestand bedroht, Tendenz steigend. Es gibt schlicht zu wenig Blühpflanzen und Lebensräume für sie. Aber noch können Tierfreunde Wildbienen begegnen – im eigenen naturnahen Garten oder etwa bei einer Wanderung. Wir stellen hier einige der häufigeren Wildbienen-Arten vor.

 

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Fertighaus gesucht: die Zweifarbige Schneckenhausbiene

Vorne schwarz, hinten leuchtend rostrot: eine Biene aus der Hausbesetzer-Szene. Diese Biene sucht leere Schneckenhäuser, gerne von der Schnirkelschnecke, trägt Pollen und Nektar rein und legt darauf ein Ei, erklärt Martin Klatt, Nabu-Artenschutzreferent und aktiv im Arbeitskreis Wildbienen-Kataster. Danach wird das Schneckenhaus verschlossen und getarnt. Klatt erklärt: „Die Schneckenhausbiene nimmt dafür - ich nenne es mal Pflanzenmörtel. Dann wird einmal oben das Schneckenhaus betupft. Das sieht nachher aus wie ein Tarnnetz. Dann wird noch ein Zelt gebaut, aus kleinen Pflanzenteilen, aus Grashalmen und ähnlichem, so dass man dieses Schneckenhaus praktisch nicht mehr sieht.“

Wer die Schneckenhausbiene unterstützen möchte, kann leere Schneckenhäuser sammeln und sie an möglichst sonnigen Stellen auslegen, zum Beispiel auf Sand – möglicherweise werden daraus Kinderzimmer für Bienen.  

Wildbienen: Die zweifarbige Schneckenhausbiene (Foto: Pressestelle, Heiko Bellmann/Arbeitskreis Wildbienen-Kataster)
Die zweifarbige Schneckenhausbiene Pressestelle Heiko Bellmann/Arbeitskreis Wildbienen-Kataster

Profitiert vom Klimawandel: Die Blauschwarze Holzbiene

Groß wie eine Hummel, metallisch-schwarz glänzender Körper, blau-violett schimmernde Flügel – ein Brummer, der es warm und trocken mag. Wegen des Klimawandels hat sich die Blauschwarze Holzbiene immer weiter nach Norden ausgebreitet. Bei der Futtersuche ist sie nicht zimperlich. Wenn sie bei einer besonders tiefen Blüte von oben nicht an den Nektar gelangt, kommt sie von der Seite und nagt einfach ein Loch in die Blütenwand.

Für ihre Brut bohrt sie kleine Höhlen in totes Holz, dabei fällt richtig Sägemehl an. Martin Klatt appelliert: „Ganz wichtig: zum Beispiel alte Obstbäume, die teilweise oder ganz abgestorben sind, auf keinen Fall entfernen, sondern stehen lassen. Alt- und Totholz ist nicht nur für die Holzbiene, sondern für eine ganze Reihe von Insekten, übrigens auch Vögel, ein ganz wichtiger, unverzichtbarer Lebensraum.“

Blaue Holzbiene (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/WILDLIFE)
Handwerklich begabt ist die Blaue Holzbiene, für ihre Brut bohrt sie kleine Höhlen in morsches Holz. picture alliance/WILDLIFE

Öl statt Nektar: Die Auen-Schenkelbiene

Diese Biene ernährt ihre Nachkommen zuckerfrei – mit einem Kuchen aus Pollen und Pflanzenöl. So tanken die Larven von Anfang an mächtig Energie. Das Öl liefern verschiedene Gilbweiderich-Arten. Eine davon wächst in unseren Gärten als Zierpflanze. Auf den Ölkuchen der Auen-Schenkelbiene sind auch andere Wildbienen scharf.

Auen-Schenkelbiene (Foto: Pressestelle, Volker Mauss/Arbeitskreis Wildbienen-Kataster)
Die Auen-Schenkelbiene ist der Wirt für Kuckucks-Bienen. Pressestelle Volker Mauss/Arbeitskreis Wildbienen-Kataster

Die Schmuckbiene: ein Kuckuck unter den Bienen

Die Schmuckbiene huscht ins Boden-Nest der Auen-Schenkelbiene, legt ihr Ei auf den Ölkuchen und verschwindet schnell wieder. Martin Klatt erklärt: „Dann ist es so wie im Kuckucksnest, dass aus dem Ei der Schmuckbiene die Larve schlüpft, die die Larven, die von der Schenkelbiene im Nest sind, tötet, und den ganzen Vorrat, den die Mutter Schenkelbiene für den eigenen Nachwuchs gesammelt hat, verzehrt. Am Ende schlüpft dann tatsächlich aus diesem Nest die Schmuckbiene als Kuckuck.“

Die Schmuckbiene (Foto: Pressestelle, Iris Mühlberger/Arbeitskreis Wildbienen-Kataster )
Die Schmuckbiene zählt zu den sogenannten Kuckucks-Bienen. Pressestelle Iris Mühlberger/Arbeitskreis Wildbienen-Kataster

Auch andere Wildbienen setzen auf die Methode „Lass doch andere schuften“. Rund ein Viertel der heimischen Bienenarten lebt als Kuckuck – auf Kosten der Wirtsbiene.

Damit noch mehr Menschen Mauer- von Sandbienen unterscheiden können und erkennen, dass die kleinen Tierchen auf den Blüten keine Ameisen, sondern winzige Scheren-, Zottel- oder Löcherbienen sind, lädt der NABU vom 29. Mai bis 7. Juni und vom 31. Juli bis 9. August wieder zum Insektensommer ein.

12 Pflanzen, auf die Insekten fliegen

Tolle Bilder, wertvolle Tipps 12 Pflanzen, auf die Insekten fliegen

Biene sitzt auf der Blüte einer Kornblume (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Zahl der Insekten sinkt dramatisch. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen passende Nahrung anbieten. Zum Beispiel die Kornblume: eine schlichte Schönheit, die von Juni bis September blüht. In dieser Zeit werden ihre leuchtend blauen Blüten gerne von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen besucht. Auch gut für den Balkon! Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Das Lungenkraut hat viel Nektar. Deswegen ist die Pflanze bei Hummeln, Pelz- und Mauerbienen sehr begehrt. Da sie im März erstmals blüht, ist sie für die früh fliegenden Insekten wichtig. Die Pflanze mag keine pralle Sonne, ist winterhart und sehr dekorativ. Sie ist auch für Balkon und Terrasse geeignet. picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen
Die Blüten der Ginsterpflanze sind besonders bei Schmetterlingen und ihren Raupen beliebt. Ginster blüht zwischen Mai und Juli. Meist sind die Blüten gelb, es gibt sie aber auch in Rosa, Rot oder Weiß. Die Pflanze mag es gerne sonnig und sollte nicht zu feucht gehalten werden. picture-alliance / WILDLIFE - Bild in Detailansicht öffnen
Von der Weide gibt mehrere Arten. Als Zwergsträucher werden z.B. sie nur wenige Zentimeter hoch und passen sogar auf den Balkon. Die Bäume können sehr groß werden. Die Weide ist deswegen für Insekten wichtig, weil sie schon früh im März blüht und ihr Pollen den Bienen hochwertiges Eiweiß für ihre Brut liefert. picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen
Die Bienenweide (auch Bienenfreund oder Büschelschön) ist, wie der Name schon sagt, besonders interessant für Bienen. Sie trägt viel Nektar und Pollen. Die Pflanze wächst gerne in Büscheln und ist in der Pflege anspruchslos. Sie verträgt Sonne, kommt aber auch mit Halbschatten zurecht. Im Garten tut die Bienenweide auch dem Boden gut. picture-alliance / Arco Images - Bild in Detailansicht öffnen
Der Deutsche Ziest ist besonders für die Wollbiene wichtig. Außer Pollen und Nektar sammeln die Weibchen an der Pflanze auch Pflanzenwolle. Damit kleiden sie ihre Nester aus. Die Blüten mögen auch Hummeln und Pelzbienen. Der Ziest gilt als pflegeleichte Pflanze, die es sonnig mag und auch den Winter gut übersteht. picture-alliance / dpa Themendienst (Montage: SWR) - Bild in Detailansicht öffnen
Lavendel ist ein anspruchsloser Allrounder für Garten oder Balkon, der einfach herrlich duftet. Bienen, Hummeln und Falter wie das Taubenschwänzchen mögen ihn. Seine ätherischen Öle wehren lästige Insekten wie Stechmücken, Zecken und Wespen ab. Und wenn es mal ein bisschen sonniger und trockener ist, macht das dem Lavendel nichts. picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen
Unsere besondere Unterstützung brauchen die Wildbienen, denn ihr Bestand ist deutlich zurückgegangen. Zu den markantesten Arten zählt sicherlich die blauschwarze Holzbiene. Sie mag u.a. gerne die Blüten des Blauregens, weil sie eine gute Pollenquelle sind. Die Kletterpflanze hat es gerne warm und sonnig. picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen
Kräuter wie Thymian kennen wir alle aus der Küche. Seine Blüten sind bei Insekten sehr begehrt, weil sie viel Nektar und Pollen enthalten. Besonders Schmetterlinge mögen ihn. Die ätherischen Öle wehren außerdem Schädlinge wie z.B. Blattläuse ab. Thymian hat es gern sonnig und trocken und ist auch für den Balkon geeignet. picture-alliance / imageBROKER - Bild in Detailansicht öffnen
Die rotkelchige Nachtkerze betört mit ihrem Duft Menschen und Insekten gleichermaßen - aber erst zur Abendzeit. Zum Sonnenuntergang öffnet sie ihre großen gelben Blüten weit, um nachtaktive Insekten anzulocken. Der Standort sollte sonnig sein, der Boden nährstoffreich und eher trocken. picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen
Die Brombeere hat nicht nur leckere Früchte, sondern auch wunderschöne Blüten. Ihr großes Pollen-Angebot lockt viele Insekten wie Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Schwebfliegen an. Wer die Früchte ernten möchte, sollten auf einen möglichst sonnigen und windgeschützten Standort achten. picture-alliance - Bild in Detailansicht öffnen
Der rote Fingerhut ist in Deutschland weit verbreitet. Seine Blüten sind sehr auffällig und werden vor allem von Hummeln geliebt. Die Pflanze wächst gut im Topf und mag es halbschattig und feucht. Vorsicht: Alle Pflanzenteile sind giftig! Ihre Inhaltsstoffe werden auch für Herzmedikamente verwendet (Digitalis). picture-alliance / blickwinkel - Bild in Detailansicht öffnen

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