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Seit Ende der Reisewarnungen öffnen sich die europäischen Mittelmeerländer wieder schrittweise für den Massentourismus. In Ägypten und der Türkei ist die Lage noch unsicher.

Reisewarnungen aufgehoben – und jetzt?

Seit dem 15. Juni gilt die weltweite Reisewarnung der Bundesregierung nicht mehr. Reisen in EU-Länder und einige andere sind jetzt wieder möglich. Statt einer Warnung gibt es nun individuelle Reisehinweise, die erklären, welche Beschränkungen in dem jeweiligen Land gelten.

"Normal" wird der Urlaub dieses Jahr nicht sein

Urlauber müssen überall mit Einschränkungen wie Hygienemaßnahmen, Abstandsregeln, geschlossenen Buffet- oder Wellness-Bereichen rechnen. Auch kann es bei einem Anstieg der Corona-Fälle in bestimmten Regionen oder Ländern zu erneuten Einreisebeschränkungen und Hotelschließungen kommen.

"Das, was wir als normal empfinden im Sommerurlaub, wird es dieses Jahr nirgendwo geben."

Heiko Maas, Bundesaußenminister, am 17.05.2020

Balearen: Zunächst nur deutsche Urlauber

Die Deutschen müssen diesen Sommer nicht auf ihre Lieblingsinsel Mallorca verzichten. Im Gegensatz zum spanischen Festland gab es auf den Balearen und den Kanaren sehr wenige Corona-Infektionen.

Auf die beliebten Inseln Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera dürfen seit Mitte Juni zunächst nur Urlauber aus Deutschland reisen. In einem ersten Kontingent sind insgesamt bis zu 10.900 Reisende erlaubt. Mit dem Pilotprojekt sollen Sicherheitsmaßnahmen gegen Covid-19 getestet werden. Diese kommen landesweit zum Einsatz, wenn sich ganz Spanien vom 21. Juni an wieder für den Massentourismus aus den Ländern des Schengenraumes öffnet.

Deutsche Touristen an einem Strand auf Mallorca (Foto: dpa Bildfunk, Joan Mateu)
Nach wochenlanger Corona-Pause durften wieder deutsche Touristen nach Mallorca. Joan Mateu

Italien hat Grenzen schon Anfang Juni geöffnet

Die Corona-Lage Italiens, das viele Todesopfer zu beklagen hat, hat sich nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes inzwischen verbessert. Regionale Schwerpunkte seien die Lombardei, gefolgt von Piemont, Emilia-Romagna und Venetien.

Seit dem 3. Juni sind die italienischen Grenzen wieder für Touristen aus der EU und dem Schengenraum geöffnet. Es ist nun möglich, aus dem Ausland nach Italien einzureisen, auch ohne danach zwei Wochen in Quarantäne gehen zu müssen. Museen und Bibliotheken sind seit Mitte Mai wieder offen, Kinos, Theater und Opernhäuser seit Mitte Juni.

Frankreich öffnet Strände und Restaurants

Sommerurlaub ist auch in Frankreich für Reisende aus EU- und Schengen-Staaten – außer Spanien – wieder möglich. Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser haben geöffnet – außer in Paris, da dauert das noch bis Ende Juni.

Badende am Strand von Biarritz in Frankreich  (Foto: dpa Bildfunk, Bob Edme)
In Frankreich ist Badeurlaub wieder möglich - wie hier in Biarritz. Bob Edme

Auch die Restaurants empfangen im ganzen Land wieder Gäste. Weil Paris sehr schwer vom Virus getroffen wurde, darf dort erstmal nur auf den Terrassen im Freien getrunken und gegessen werden. Freizeitangebote sind nun wieder verstärkt möglich, alle Strände und Parks sind wieder zugänglich. Große Museen und Monumente dürfen ebenfalls wieder Besucher empfangen. Vom 25. Juni an soll der seit Mitte März geschlossene Eiffelturm in Paris wieder geöffnet werden.

Griechenland: Flüge nach Athen und Thessaloniki

Griechenland ist bislang glimpflich durch die Krise gekommen. Seit 15. Juni können Reisende aus 29 Staaten ohne Quarantänepflicht nach Griechenland reisen, darunter auch aus Deutschland.

Am 1. Juli soll die Lage erneut geprüft werden; dann könnten weitere Staaten hinzukommen. Zunächst soll es Flüge aus dem Ausland nur nach Athen und Thessaloniki geben. Vom 1. Juli an sollen auch die Regionalflughäfen für Flüge aus dem Ausland geöffnet werden. Eine Corona-Kontrolle werde es stichprobenartig an den griechischen Flughäfen nach Landung aus dem Ausland geben, teilte Athen mit. Die Inseln der Ägäis und des Ionischen Meeres wurden für den Urlaubsstart für Touristen aus dem Ausland vorbereitet. Insgesamt seien zusätzlich 687 Ärzte und Pflegepersonal auf den Inseln eingestellt worden.

Damit es keine überfüllten Strände und Pools gibt, gelten harte Sicherheitsregeln. Die Hotels werden voraussichtlich mehr Personal zum Reinigen und zum Servieren einstellen. Vergangenes Jahr haben mehr als 30 Millionen Menschen Urlaub in Griechenland gemacht, darunter fast vier Millionen Deutsche.

Oia ist ein Küstendorf an der nordwestlichen Spitze der griechischen Ägäisinsel Santorin. (Foto: Unsplash foto by matt artz )
Oia ist ein Küstendorf auf der griechischen Ägäisinsel Santorin. Unsplash foto by matt artz

Kroatien: Einreise ohne Nachweis von Gründen

Kroatien wurde vom Coronavirus nicht so schwer getroffen wie andere EU-Staaten. Seit dem 9. Mai gelten schon gelockerte Einreisebestimmungen.

Mittlerweile erlaubt Kroatien Bundesbürgern wieder die Einreise ohne Nachweis von Gründen. Die Lockerung betrifft auch die Bürger neun weiterer EU-Staaten: Österreich, Slowenien, Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn, Litauen, Lettland und Estland. Reisende aus diesen Ländern müssen künftig an der Grenze lediglich erklären, wo sie sich aufhalten werden und wie sie erreichbar sind. Damit sollen sie gefunden werden können, wenn es in ihrer Umgebung neue Corona-Infektionen gibt.

Slowenien verlangt keine Auflagen

Das EU-Land zwischen Alpen und Adria lässt seit dem 8. Juni Reisende aus Deutschland und 16 anderen europäischen Ländern ohne Auflagen einreisen. Wer dort Urlaub machen will, muss nicht einmal mehr eine Buchungsbestätigung vorlegen. Darüber hinaus können Bürger aus diesen sowie anderen Ländern im Transit durch das kleine Land reisen. Vor allem für Feriengäste aus Deutschland, die mit dem eigenen Wagen nach Kroatien fahren wollen, ist das eine große Erleichterung, denn ihr Urlaubsziel ist praktisch nur über Slowenien erreichbar. Das Land verfügt selbst über eine 46 Kilometer lange Adria-Küste. Seit dem 1. Juni sind wieder alle Hotels geöffnet.

Portugal will sich schrittweise öffnen

Dank sehr frühen und strengen Maßnahmen war Portugal viel weniger von Covid-19 betroffen als etwa Spanien. Seit 15. Juni sind die Grenzen für den ausländischen Tourismus geöffnet. Der Hotelverband AHP betont, dass Mitte Juli die meisten Hotels wieder offen sein könnten. Die Tourismusbehörde will mit dem neuen Hygiene-Siegel "Clean & Safe" Vertrauen aufbauen. Als regionale Schwerpunkte mit den derzeit meisten Neuinfektionen nennt das Auswärtige Amt den Norden, die Stadt Porto sowie den Großraum Lissabon.

Menschenleerer Strand von Hurghada (Foto: dpa Bildfunk, Marcel Lauck)
Ägypten ist für ausländische Urlauber noch gesperrt - der Strand von Hurghada war wochenlang menschenleer. Marcel Lauck

Ägypten: Grenzen für ausländische Urlauber noch dicht

In Ägypten sind Hotels für einheimische Urlauber wieder geöffnet. An Ferienorten wie Hurghada und Scharm el Scheich soll schrittweise wieder Normalität einkehren – so die Hoffnung. Für Urlauber aus dem Ausland sind die Grenzen aber nach wie vor dicht. Das Auswärtige Amt rät von nicht erforderlichen Reisen nach Ägypten derzeit ab.

Einreisen in die Türkei noch unsicher

Für die Türkei als Nicht-EU-Staat gilt die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes bis 31. August. Das Land hofft aber von Mitte Juni an wieder auf Touristen und darauf, dass auch die Reisewarnung früher aufgehoben wird. Flughäfen und Hotels bereiten sich schon auf ausländische Touristen vor. Die Einrichtungen müssen sich an zahlreiche Richtlinien halten, an Stränden etwa gilt ein Sicherheitsabstand, am Pool gibt es nur abgepackte Handtücher, und in Flughäfen und Hotels werden Wärmebildkameras eingesetzt. Die Regierung hat ein Zertifikationsprogramm entwickelt, an dem sich Gastronomen und Hotels freiwillig beteiligen können. Auch deutsche Firmen wie der Tüv Süd stellen Inspektoren.

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