Preiskampf der Drogerieketten Wie Kunden profitieren

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Müller, Rossmann und dm im Dauer-Tiefpreiskampf: Immer neue Rabatte sollen Kunden locken. Doch profitieren Verbraucher davon tatsächlich? Wir zeigen, was dahintersteckt.

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Dauertiefpreise, Rabattaktionen, Coupons zum Sparen! Derzeit unterbieten sich die drei großen Drogerieketten dm, Müller und Rossmann mit Rabattaktionen. Müller geht mit einer besonders aggressiven Aktion gegen seine Konkurrenten vor: Wer einen 10-Prozent-Gutschein von dm, Rossmann oder Douglas mitbringt, bekommt bei Müller 15 Prozent Rabatt.

Drogeriehändler dm versucht es mit einer anderen Strategie: Hier wirbt man damit, die Preise langfristig nicht zu erhöhen. Es gibt Dauerniedrigpreise statt Rabattaktionen: An den einzelnen Preisschildern steht, seit wann der Preis nicht mehr erhöht worden ist.

Lohnt sich die Rabattaktion für dm, Müller und Rossmann?

Blick auf Regale mit Angeboten einer Drogerie (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Kunden können von den Rabatten der Drogeriemärkte profitieren. picture-alliance / Reportdienste -

Die Aktion ist zwar umständlich, funktioniert aber: "Das Gute an Preisaktionen ist, dass man ziemlich schnell eine Kundenreaktion merkt, wenn mehr Kunden in die Filiale kommen", sagt Dr. Tobias Günter, Handelsexperte bei Simon-Kucher & Partners.

Ein weiterer Grund: Der Konkurrenzkampf auf dem Drogeriemarkt verschärft sich. Die Hamburger Drogeriekette Budnikowsky hat sich mit der Supermarktkette Edeka zusammengeschlossen, um in der Branche stärker mitzumischen. Jährlich sind mehr als 50 neue Filialen geplant - auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. "Das bedeutet sicherlich noch mehr Druck und ich denke, das, was wir zurzeit sehen, sind zum Teil auch Abwehrreaktionen. Man versucht, extrem aggressive Preisstellungen, was die Verbraucherpreise angeht, zu erzielen", sagt Christian Köhler, Hauptgeschäftsführer Markenverband.

Wovon profitieren die Drogerie-Kunden am meisten?

Wir stellen einen Warenkorb aus 20 klassischen Drogerieartikeln zusammen. Alle Produkte gibt es sowohl bei dm als auch bei Müller und Rossmann. Zu Beginn der Beobachtung ist unser Warenkorb bei Rossmann mit 63,39 Euro am günstigsten. Müller (65,33 Euro) und dm (65,37 Euro) liegen preislich fast gleichauf. Wir beobachten die Preisentwicklung vier Wochen lang

Zu Beginn der Beobachtung war Rossmann (grün) am günstigsten, dm und Müller lagen gleichauf. Am Ende der Beobachtung war Rossmann am teuersten und Müller am günstigsten. (Foto: SWR, SWR -)
Die Preise bei dm, Müller und Rossmann schwankten im Laufe der vier Wochen. SWR -

Während unserer Preisbeobachtung fällt auf, dass einige Produkte von Müller und Rossmann zwischendurch im Sonderangebot sind. Während beispielsweise die Zahncreme oder das Herren-Duschgel im Angebot sind, verteuert die Drogerie gleichzeitig andere Produkte. Der Grund: Rabatte zu gewähren, lohnt sich für Händler nur, wenn Kunden nicht nur Schnäppchen kaufen. Erstmal in den Laden gelockt, sollen die Kunden mehr mitnehmen. Unter dem Strich haben haben sich in den vier Wochen kaum Unterschiede bei den Warenkörben gezeigt.

Kunden sollen mehrere Produkte kaufen

"Für den Drogeriehändler ist es wichtig, dass die Kunden nicht nur ein Produkt kaufen, sondern möglichst viele, da auf einzelnen Artikeln mitunter die Marge sehr gering ist und auf anderen Artikeln wiederum höher ist. Das heißt, für den Händler ist es wichtig, aufgrund seiner Mischkalkulation, dass Kunden möglichst viele verschiedene Produkte kaufen", sagt Günter.

Besonders gering sind die Margen bei klassischen Drogerieprodukten wie Shampoo, Putzmittel und Co. Aber gerade diese Artikel könnten sogar noch günstiger werden, denn Fachleute rechnen damit, dass die Niedrigpreisspirale noch weiter anhalten werde. "Das ist die kurzfristige Sicht. Man muss jetzt mal schauen, wer diesen Preiskampf gewinnt. Denn wir wissen aus der Theorie, irgendwann wird’s vielleicht wirklich nur noch einen großen Player geben und dann viele, viele Kleine. Der Große kann dann die Preise bestimmen. Das ist immer eine Frage der Zeit", sagt Marketingsoziologe Oliver Errichiello.

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