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Energieversorger lehnen neuerdings öfter ohne Begründung Kunden ab, die jährlich ihre Anbieter für Strom und Gas wechseln. Kunden können aber einer Absage vorbeugen.

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen

Vattenfall gibt jedem fünften Interessenten keinen Vertrag

Zur Zeit verschicken die Energieanbieter ihren Kunden wieder Briefe, in denen sie Strompreiserhöhungen ankündigen. Wer dann dem Rat von Verbraucherschützern folgt und regelmäßig einen neuen Anbieter sucht, kann in letzter Zeit eine böse Überraschung erleben: Im Durchschnitt werden nach Angaben von Wechselpilot 15 Prozent aller Wechselwilligen abgelehnt. Vattenfall ist hierbei Spitzenreiter und soll mittlerweile in 22 Prozent aller Fälle keinen neuen Vertrag vergeben. Entega und die Stadtwerke Tübingen lehnten demnach 18 Prozent der Neukunden ab.

Vattenfall, Entega und die Stadtwerke Tübingen geben gegenüber Marktcheck an, dass sie Kunden am häufigsten aufgrund schlechter Bonität oder schlechtem Zahlungsverhalten des Kunden oder aufgrund noch laufender Verträge bei anderen Lieferanten ablehnten.

Die Verbraucherzentrale berichtet allerdings auch von Fällen, bei denen Kunden am Telefon der Stromversorgerhotline gesagt worden sei, sie würden zu oft wechseln und deswegen nicht genommen werden. Besonders oft treffe eine Ablehnung Kunden mit hohen Stromverbräuchen, schreibt die Stiftung Warentest.

  • Wichtig: Ein Kunde sitzt in Deutschland nie im Dunkeln. Eine Strom-Grundversorgung ist gesetzlich garantiert. Das Energieunternehmen, das die meisten Haushalte vor Ort beliefert, ist zur Grundversorgung verpflichtet.

Sparsame Kunden und Bonusjäger bringen Versorgern keine Gewinne

Verbraucherschützer vermuten, Energieversorger wollen Kunden, die jährlich wechseln, gar nicht haben. Denn das Geschäft mit ihnen lohnt sich auf dem heiß umkämpften Strom-Markt nicht.

„Einige Energieanbieter haben ihre Tarife so kalkuliert, dass sie erst im zweiten Jahr, wenn die Boni wegfallen, mit dem Kunden Geld verdienen. Unternehmen, die ihre Tarife so knapp kalkulieren, haben wenig Interesse an Kunden, von denen sie vermuten, dass sie nach einem Jahr wieder wechseln.“

Fabian Fehrenbach, Jurist bei der Verbraucherzentrale Rhein­land-Pfalz

Der Dienstleister Wechselpilot hat 2019 ermittelt, dass außer Vattenfall auch die Firmen Maingau Energie, die Bochumer Stadtwerke, N-Ergie und E wie einfach besonders oft neue Kunden ablehnen.

Verbraucherschützer raten, Spuren zu verwischen

Kunden, die jährlich wechseln, sollten nach Ansicht der Stiftung Warentest zweierlei tun: nicht zu spät den Wechselprozess einleiten und Spuren verwischen. Das geht, indem Strom- und Gas-Verbraucher ihren ehemaligen Versorger dazu auffordern, Daten zu löschen oder zu sperren. In der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) steht das „Recht auf Vergessenwerden“. Unternehmen sind verpflichtet, persönliche Daten zu löschen, wenn der Kunde das verlangt.

Bonustarife lonen sich für Kunden oft nicht

Bonustarife, die beispielsweise im ersten Jahr günstiger sind, lohnen sich für Verbraucher oft nicht. Das berichtet Marktwächter. Demnach haben Kunden oftmals Probleme, die versprochenen Boni von ihren Versorgern auch tatsächlich zu erhalten. Zudem haben solche Verträge oftmals negative Nebeneffekte: Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen seien demnach häufig länger.

Tipps für den Stromanbieterwechsel

Tipp 1: Tatsächlichen Verbrauch checken

Viele Anbieter gehen bei der Tarifberechnung von Durchschnittswerten aus, etwa: Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht pro Jahr 4250 kWh Strom. Nach dieser Schätzung wird der Abschlag berechnet. Um Überraschungen am Ende des Jahres zu vermeiden, schauen Sie sich Ihre letzte Jahresabrechnung genau an: Wie hoch lag Ihr Verbrauch tatsächlich? So stellen Sie sicher, dass Sie nicht einen viel zu hohen Abschlag bezahlen. Aber auch nicht so wenig, dass mit einer höheren Nachzahlung zu rechnen wäre.

Tipp 2: Vergleichsportale richtig nutzen

Geben Sie Ihre Verbrauchsdaten in mehrere Internet-Vergleichsportale ein und prüfen sie genau, ob die Voreinstellungen – etwa, welche Faktoren in die Preisberechnung einfließen – mit ihren Wünschen übereinstimmen. Möchten Sie, dass eine Bonuszahlung eingerechnet wird? Sollen Anbieter angezeigt werden, die auf Vorauskasse bestehen? Nur wenn Sie auf verschiedenen Portalen dieselben Bedingungen einstellen, können Sie die Preise richtig vergleichen.

Beispiel Rheinland-Pfalz: Große regionale Unterschiede bei den Strompreisen:

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18:45 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Tipp 3: Vorsicht bei Bonus-Versprechen

Anbieter knüpfen einen möglichen Bonus an Bedingungen. So zahlen manche Versorger eine Geldprämie direkt aus bzw. verrechnen sie mit den Abschlägen – andere überweisen den Bonus erst dann, wenn der Kunde mindestens ein zweites Jahr treu bleibt. Eine Studie der Verbraucherzentralen hat ergeben, dass Bonustarife im ersten Jahr zwar meist Geld sparen – aber nicht nennenswert. Im zweiten Vertragsjahr rentierten sich die untersuchten Bonustarife nicht mehr. Außerdem sei nicht transparent, dass in manchen Fällen der Bonus gar nicht ausgezahlt werde.

Tipp 4: Fristen im Auge behalten

Sowohl die Vertragslaufzeit als auch die Kündigungsfrist sollten Sie sich genau anschauen, bevor Sie einen Vertrag abschließen. Je kürzer die Vertragsdauer, desto schneller können Sie wechseln. Dasselbe gilt für die Kündigungsfrist. Eine gewisse Flexibilität ist vor allem wichtig, wenn sich der Markt so entwickelt, dass die Tarife allgemein günstiger werden. Hat Ihr Tarif eine Preisgarantie, sind Sie während der Laufzeit vor Überraschungen geschützt. Der Strompreis kann also für den gewählten Zeitraum nicht steigen.

Tipp 5: Anbieter überprüfen

Wenn ein Anbieter ein viel günstigeres Angebot macht als alle anderen, sollten Sie misstrauisch werden. Es lohnt sich aber in jedem Fall, den Versorger, den Sie ins Auge gefasst haben, zu überprüfen. Suchen Sie im Internet nach Erfahrungen von Kunden. Gibt es kaum Bewertungen oder sehr viele Beschwerden, suchen Sie sich lieber einen anderen Anbieter und vereinbaren Sie auf keinen Fall eine Vorauskasse für den Jahresbeitrag. So halten Sie Ihr Risiko gering, bei einer Pleite auf größerem Schaden sitzenzubleiben.

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