STAND
AUTOR/IN

Viele ungewöhnliche Konto-Abbuchungen, zuerst sogar mit falscher IBAN und trotzdem sind am Ende über 30.000 Euro weg. Wie konnte es soweit kommen und trägt die Bank eine Mitschuld?

Banking ohne TAN-Eingabe - eine Einladung für Betrüger?

Ein vermeintlicher Mitarbeiter der Sparda-Bank ruft den 93-jährigen Erich H. an und behauptet, dass es ungewöhnliche Bewegungen auf seinem Konto in Form von Abbuchungen nach Spanien gebe. Er wolle daher das Konto sperren und benötige dafür eine Transaktionsnummer (TAN).  Erich H. vertraut dem angeblichen Bankmitarbeiter und teilt diesem eine TAN mit, die er mit seinem TAN-Generator erstellt.

Was er nicht ahnt: Der Anrufer ist ein Betrüger, der mit der TAN und weiteren Zugangsdaten die Verwaltung des Kontos auf die App der Sparda-Bank umstellt. Jetzt können Überweisungen ohne TAN-Generator getätigt werden - es genügt die Smartphone-App. Der Täter räumt damit das Konto leer - in vier verschieden hohen Beträgen. Dabei wird das Konto sogar überzogen, auf knapp 6.000 Euro ins Minus.

Die Secure App der Sparda-Bank wird im Internet beworben mit: „Schnell, komfortabel und sicher – Online-Banking ohne TAN-Eingabe.“ Der IT-Experte Sebastian Schreiber sieht in den Sicherheitsvorkehrungen der App zwar kein Problem, aber eine weitere Bestätigung seitens des Kunden hält er für sinnvoll:

"Andere Banken haben noch zusätzliche Faktoren eingebaut. Man könnte den Benutzer hier entsprechend anschreiben, mit einem Brief zum Beispiel, man hätte ihn auch einfach zurückrufen können und sagen können: Wollen Sie das wirklich? Oder Ähnliches. Und so könnte man es deutlich sicherer gestalten.“

Abbuchungen trotz anfänglich falscher IBAN-Nummer

Doch der Betrüger hat einen Fehler gemacht: Er hat zunächst in vier Teilbeträgen das Girokonto leergeräumt. Dabei hat er jedoch bei den meisten Überweisungen eine falsche IBAN benutzt – vermutlich ein Zahlendreher. Dadurch sind 23.000 Euro wieder auf das Konto von Erich H. zurückgeflossen. Doch der weiß zu diesem Zeitpunkt nichts davon.

Drei Tage nach dem Anruf des Betrügers will er sich in sein Online-Konto einloggen, kann aber nicht darauf zugreifen. Er ruft bei der Sparda-Bank Baden-Württemberg an. Der Bankmitarbeiter teilt ihm aber nur mit, dass es möglicherweise ein technisches Problem bei ihm gäbe. Das Konto überprüft er aber nicht.

So kann der Täter die 23.000 Euro zwei Tage später nochmal abbuchen, diesmal erfolgreich. Nun fällt auch der Sparda-Bank auf, dass etwas nicht stimmt. Ein Mitarbeiter ruft bei Erich H. an und erklärt ihm, dass sein gesamtes Geld weg ist.

Hat die Bank eine Teilschuld?

Das Geld wurde von einem Konto zum nächsten ins Ausland überwiesen und kann von der Sparda-Bank nicht mehr zurückgeholt werden. Die Polizei teilt der Familie mit, dass der Täter vermutlich nicht zu ermitteln und das Geld weg ist.

Die Familie sieht eine Teilschuld bei der Sparda-Bank. Wir fragen nach - die Sparda-Bank antwortet uns nur schriftlich und betont: "..., dass die Sicherheitssysteme der Bank zu jeder Zeit gegriffen haben." Und weiter: "Eine Teilschuld der Bank können wir nicht erkennen." Wirklich? Ein Rechtanwalt sieht das anders.

Guido Lenné, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht:

"Also wir würden den Betroffenen raten, die Bank in Regress zu nehmen. Denn es ist auch auf Seiten der Bank einiges schief gegangen. Wenn ein Kunde, doch in schon fortgeschrittenem Alter, sich bei der Bank telefonisch meldet und sagt, ich habe hier irgendetwas Komisches erlebt, dann sollten die Bankmitarbeiter schon so geschult sein, dass jedenfalls danach keine fragwürdigen Kontobelastungen mehr erfolgen können. Im Zweifel, meine ich, hätte man das Konto hier sperren müssen. Wie man den Kunden hier behandelt hat, war sicherlich fahrlässig."

Außerdem kritisiert Guido Lenné das hohe Überweisungslimit der Bank, das bei 25.000 Euro lag. Der Fachanwalt hält diese Summe für das Tageshöchstlimit als Standardeinstellung für viel zu hoch. Die Bank handelt hier aus seiner Sicht unverantwortlich.  Die Sparda-Bank entgegnet, diese Standardeinstellung sei auf vielfachen Kundenwunsch erfolgt. Ob die Familie zumindest einen Teil des Geldes von der Sparda-Bank zurückholen kann, muss wohl ein Gericht entscheiden.

Wie man sich vor solchen Betrügereien schützen kann, dazu gibt es Tipps bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen unter: „Sicherheit beim Online-Banking“

In einem ähnlichen Fall, geht es ebenfalls um einen TAN-Missbrauch und die Tatsache, dass ma Wochenende keine Hilfe von den Banken zu erwarten ist:

Und zum Nachlesen hier klicken!

Gefahren des bargeldlosen Bezahlens So schützen Sie EC-Karte, PIN-Nummer und Konto

Betrüger lassen sich immer neue Methoden einfallen, um an Ihre Kontodaten, EC-Karte und PIN zu gelangen. Schützen Sie sich und handeln Sie auch beim kleinsten Verdacht umgehend.  mehr...

Vorsicht Verbrechen SWR Fernsehen

Die Polizei warnt Die fiesesten Abzock-Tricks mit Corona

Die Angst im Umgang mit dem Coronavirus nutzen auch Betrüger aus: Manche geben sich als falsche Ärzte aus, andere versuchen es mit dem Enkeltrick oder mit Mails, die angeblich von der WHO stammen.  mehr...

Marktcheck SWR Fernsehen

Neue Regeln beim Online-Banking Ohne Smartphone geht’s (fast) nicht mehr

Die TAN-Liste auf Papier hat ausgedient: Ab 14. September müssen Banken höhere Sicherheitsstandards erfüllen. Die wichtigsten Änderungen.  mehr...

Kredit- und Debitkarten Abzocke mit kontaktlosen Zahlfunktionen

Kontaktloses Bezahlen mit der Kredit- oder Debitkarte soll einfach, schnell und sicher sein. Doch Diebe können aufgrund der NFC-Funktion der Karten ganz leicht Beute machen.  mehr...

Vorsicht Verbrechen SWR Fernsehen

STAND
AUTOR/IN