Rücksendescheine, Rücksendungen von Bestellungen (Foto: IMAGO, Christian Ohde)

Neue Studie zum E-Commerce

Weniger Retouren vernichtet als befürchtet

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AUTOR/IN
Jutta Kaiser

Eine Studie zeigt: Das Problem zerstörter Neuware im deutschen Online-Handel wurde bisher überschätzt - Retouren sind aber aus anderen Gründen problematisch.

Nur rund 1,3 Prozent der Retouren in Deutschland 2021 wurden von den Händlern entsorgt. Das zeigt eine Studie der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Der Anteil der entsorgten Waren ist demnach bisher überschätzt worden, schlussfolgern die Forschenden.

2021 wurden geschätzt 17 Millionen Artikel aus Retouren vernichtet

Allerdings sind die absoluten Zahlen trotzdem erschreckend: Die Studie geht von geschätzt 17 Millionen retournierter Artikel aus, die anschließend vernichtet wurden.

Die Zahl erfasst auch nur einen Teil des Problems. Nicht erfasst wurde, welcher Anteil an Waren den Kunden kostenfrei überlassen wurde oder an Wiedervermarkter ging - und was dann damit passiert ist.

Jede Retoure verursacht CO2-Ausstoß

Außerdem ist nicht nur die Vernichtung der Artikel ein Umwelt-Dilemma. Auch die Rücksendungen selbst, wirken sich negativ auf die Umwelt aus. Pro Retoure fallen durchschnittlich 1.500 Gramm CO2 an, haben Berechnungen der Unternehmen ergeben, die den CO2-Fußabdruck messen.

Hochgerechnet auf alle in 2021 angefallenen Retouren in Deutschland entspricht das geschätzt 795.000 Tonnen CO2. Die Forscher vergleichen dies mit der Menge von rund 5,3 Milliarden zurückgelegten Kilometern mit dem Auto.

Mehr Retouren in Deutschland als in anderen Ländern Europas

Nach den Studiendaten der Bamberger Forscher ist Deutschland Retouren-Europameister: Hierzulande wurden die höchsten Retourenquoten beobachtet. Knapp dahinter folgen weitere deutschsprachige Länder wie die Schweiz und Österreich.

Mögliche Gründe sind der vergleichsweise hohe Anteil von rund 29 Prozent aller Bestellungen in Deutschland, die auf Rechnung erfolgen - und damit vorab nicht bezahlt werden müssen. Im Rest der EU liegt der Anteil nur bei etwa zehn Prozent.
Dazu kommen großzügige Rückgaberegeln mit längeren Fristen. Und nicht zuletzt: Rücksendungen sind in Deutschland in knapp 90 Prozent der Fälle kostenlos - im europäischen Ausland ist das nur bei etwa der Hälfte der Bestellungen so.

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