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Der Frauenanteil in den Führungsgremien deutscher Börsenunternehmen ist erstmals seit Jahren gesunken. Dies werde den Konzernen bei der Modernisierung schaden, meinen Experten.

Wie aus einer Untersuchung der gemeinnützigen Allbright Stiftung hervorgeht, saßen Anfang September nur noch 23 Managerinnen in den Vorständen der 30 Unternehmen, die den Deutschen Aktienindex (Dax) bilden. Vor einem Jahr waren es noch 29. In Deutschland liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte in Dax-Vorständen nun bei 12,8 Prozent. In Schweden und Großbritannien sind es rund 25 Prozent, in den USA sogar fast 29 Prozent.

"Dieser Entwicklungsstand im Top-Management der deutschen Unternehmen passt nicht zum Selbstverständnis eines fortschrittlichen westlichen Industrielands."

Wiebke Ankersen, Co-Geschäftsführerin der Allbright Stiftung

Den Angaben zufolge sind lediglich noch in vier Dax-Unternehmen mehrere Frauen im Vorstand: Allianz, Daimler, Deutsche Telekom und Fresenius Medical Care. Die Zahl der Unternehmen ohne Frau im Vorstand stieg dagegen von sechs im September 2019 auf zuletzt elf. Deutschland sei auch das einzige Land im Vergleich, in dem keines der 30 größten Börsen-Konzerne von einer Frau geführt wird, so die Allbright Stiftung.

Bei Daimler sind zwei Frauen im Vorstand

"Mit Renata Jungo Brüngger und Britta Seeger sind 25 Prozent des Vorstands bei Daimler weiblich – das ist deutlich mehr als im Durchschnitt aller DAX-Unternehmen. Die Covid-19 Pandemie ist keine Entschuldigung, in unseren Bemühungen nachzulassen, dauerhaft noch diverser zu werden."

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender Daimler

Feste Quote für deutsche Vorstände gefordert

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katja Mast, spricht sich nach dpa-Informationen für feste Quoten in deutschen Vorständen und Aufsichtsräten aus: "Dass Freiwilligkeit nicht funktioniert, zeigen uns die Zahlen seit Jahren." Mehr Diversität in Führungspositionen sei nicht nur gerecht, sondern auch erfolgreicher. Gemischte Führungsteams aus Männern und Frauen würden die besseren Entscheidungen treffen, meint Katja Mast.

Jennifer Morgan nur ein halbes Jahr bei SAP an der Spitze

Nach knapp sechs Monaten hatte die US-Amerikanerin Jennifer Morgan im April 2020 die Doppelspitze beim Softwarekonzern SAP räumen müssen. Morgan war die erste Frau auf dem Chefsessel eines Dax-Unternehmens.

Jennifer Morgan (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Uwe Anspach/dpa)
Bislang stand nur einmal eine Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns: Jennifer Morgan bei SAP. picture alliance/Uwe Anspach/dpa

SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner hatte das überraschende Ausscheiden Morgans auf der Hauptversammlung im Juni verteidigt. Entschieden widersprach Platter den Meinungen, Morgan habe gehen müssen, weil sie eine Frau ist: "Wir haben sie nicht wegen ihres Geschlechts in die Rolle befördert. (..) Da ihr Geschlecht keine Rolle bei der Auswahl spielte, durfte es auch keine Rolle bei ihrem Austritt spielen."

2021 wird die Microsoft-Deutschlandchefin Sabine Bendiek in den Vorstand von SAP wechseln. Sie wird dort für die Personalstrategie zuständig sein. Derzeit ist bei SAP Vertriebschefin Adaire Fox-Martin das einzige weibliche Mitglied im Vorstand.

Frauenanteil im M-Dax legt leicht zu

Der M-Dax holt etwas auf: 26 weibliche Vorstandsmitglieder arbeiten in den 60 M-Dax-Unternehmen. Vergangenes Jahr sind sogar zwei neue weibliche Spitzen hinzugekommen: Martina Merz bei Thyssenkrupp und Petra von Strombeck bei New Work. Sie ergänzen Sonja Wärntges bei DIC Asset, Antje Leminsky bei Grenke und Angela Titzrath bei der HHLA. Mit Britta Giesen bei Pfeiffer Vacuum übernimmt im Januar 2021 dann eine sechste Frau den Chefposten in einem deutschen Börsenunternehmen.

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