STAND
AUTOR/IN

Macht Sparen in Zeiten von Niedrigzinsen Sinn? Natürlich - aber anders, findet der Finanzexperte Hans-Peter Burghof. Der hält den "Weltspartag" zwar für überholt, aber nicht für sinnlos.

Alle Jahre wieder – Ende Oktober – ist "Weltspartag". Bei vielen Geldhäusern ist jetzt sogar von "Weltsparwochen" die Rede, da wird das Ganze dann sogar auf eine oder zwei Wochen ausgedehnt. Der Tag soll die Menschen jedenfalls zum Sparen animieren, und ist somit wohl in erster Linie eine gut platzierte Marketingidee der Banken und Sparkassen.

Als ihn Vertreter von Sparkassen aus 28 Ländern vor 96 Jahren - im Oktober 1924 - ins Leben riefen, vertrauten viele Menschen nämlich nach Erstem Weltkrieg, Hyperinflation und Währungsreform dem Wert des Geldes ganz grundsätzlich nicht mehr. Heutzutage machen dafür Corona-Krise, Klimawandel und Niedrigzinsen den Sparern das Leben schwer. Gespart wird aber trotzdem.

Sparweltmeister kommen aus Baden-Württemberg

Die Deutschen legen im Zuge der Corona-Pandemie sogar wieder mehr Geld zur Seite. Das hat der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in einer repräsentativen Umfrage zum "Weltspartag" gerade ermittelt. Demnach haben 33 Prozent der Befragten ihr Sparverhalten angesichts der Corona-Krise angepasst oder planen dies – knapp zwei Drittel (65 Prozent) wollen dabei sogar mehr sparen als bislang. 

Ein Glas mit Münzen steht auf einem Tisch.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Deutschen sparen noch immer ordentlich - selbst daheim in Gläsern, Schachteln, Sparschweinen. Picture Alliance

Besonders sparfreudig sind dabei nach wie vor die Baden-Württemberger: Sie sparen pro Jahr knapp 3.400 Euro pro Kopf, so viel wird in keinem anderen Bundesland auf die Seite gelegt. Auch bezogen aufs Einkommen sparen die Menschen im Ländle damit am meisten, nämlich von 100 Euro durchschnittlich rund 13 Euro 10. Die Rheinland-Pfälzer liegen mit ihrer durchschnittlichen Sparquote von 11 Euro 40 pro 100 verdienten Euro ebenfalls über dem Bundesschnitt (11 Euro) auf Platz 5.

Niedrigzinsen machen Sparern das Leben schwer

Doch wer heute Geld aufs Sparbuch legt, der wird nicht mehr belohnt, angesichts der Niedrigzinsen. Wenn überhaupt, gibt es nur noch minimale Zinsen. Das treibt auch den Finanzexperten Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim um. Er beklagt vor allem die soziale Ungleichheit, die dadurch - trotz vergleichsweiser hoher Sparquoten - nochmals verstärkt wird.

Der BWL-Professor Hans-Peter Burghof aufgenommen am 07.04.2017 in Stuttgart (Baden-Württemberg) auf der Messe Invest.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Der Finanzexperte Hans-Peter Burghof hält den Weltspartag für überholt. Picture Alliance

"Für Kinder, Jugendliche, für Menschen mit sehr kleinem Einkommen ist es tatsächlich so. Die gegenwärtige Zinspolitik schadet ihnen, weil sie nicht sinnvoll anlegen können, weil sie letztendlich einfach nur sparen können. Und da werden sie heftig bestraft. Das ist sehr schade. Aber das mindert nicht den Wert, zu lernen, das Sparen und Planen für eigene Anschaffungswünsche, für die Gestaltung des eigenen Lebens, dass das wichtig ist."

BWL-Professor Hans-Peter Burghof

Deshalb hält der Finanzexperte Burghof den "Weltspartag" zwar letztlich für einen "Anachronismus". Aber einen, der trotzdem sehr wertvoll ist, weil er uns Jahr für Jahr daran erinnert, dass es wichtig ist, sein Leben auch finanziell zu planen. "Und da gehört Sparen eben ganz essenziell dazu."

STAND
AUTOR/IN