Veggiebulette von "Beyond Meat" Was steckt drin im Zauberburger?

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Nie war der Hype um ein Veggieprodukt größer: Ab heute gibt es den fleischfreien Burger von „Beyond Meat“ bei Lidl. Viel gesünder als ein Fleischburger ist er nicht.

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Er hat eine rauchige Note und beim Reinbeißen soll sogar „Blut“ fließen – aus Rote-Beete-Saft: Die Veggiebulette von „Beyond Meat“ soll einem echten Burger täuschend ähnlich sein. Dabei besteht das Pattie laut Werbung des amerikanischen Herstellers vor allem aus Erbsenproteinen.

Kaum gesünder als ein richtiger Burger

Ein Blick auf die vollständige Liste der Inhaltsstoffe verrät: Hauptbestandteil der Bulette ist Wasser, noch vor Erbseneiweiß. Dazu kommen Rapsöl und raffiniertes Kokosnussöl. Letzteres enthält viele gesättigte Fettsäuren und ist daher nicht sonderlich gesund.

Daneben sind noch eine ganze Reihe weiterer Zusatzstoffe enthalten, Stabilisatoren wie Gummi Arabicum etwa oder Geschmacksverstärker wie Hefeextrakt. Auch wenn üblicherweise Pflanzenprodukte für unseren Körper besser sind als Tierische: Wegen der vielen Zusatzstoffe sollte der Burger kaum gesünder sein als ein richtiger Hamburger.

Ökobilanz des Burgers kann sich sehen lassen

„Beyond Meat“ wirbt damit, dass der Burger besonders klimafreundlich ist. Rund 90 Prozent weniger Treibhausgase als bei einer Fleischbulette sollen bei der Produktion entstehen, daneben sollen deutlich weniger Energie und Wasser verbraucht werden.

Tatsächlich ist die Ökobilanz selbst bei den klimafreundlichsten Tierprodukten deutlich schlechter als bei nahezu allen Lebensmitteln auf Pflanzenbasis: Weniger als ein Sechstel an Treibhausgasen fällt bei der Produktion von Hülsenfrüchten wie Erbsen an, daneben brauchen sie im Vergleich zur Tieraufzucht nur einen Bruchteil der Fläche.

Wer zugunsten des Veggieburgers auf eine Rindfleischbulette verzichtet, tut also tatsächlich etwas fürs Klima. Und das obwohl der Burger aus den USA nach Europa verschifft wird. Auch wenn für Tiefkühlen und Transport Treibhausgase ausgestoßen werden – die Ökobilanz einer Bulette vom Bauern nebenan ist deutlich schlechter.

Gesalzener Preis

Den Hype um die Burger lässt sich der Hersteller bezahlen: Zwei vegane Frikadellen gibt es ab heute bei Lidl für fünf Euro. Auf diese Weise versucht „Beyond Meat“, die hohen Entwicklungskosten wieder reinzuholen. Durchaus möglich, dass viele Verbraucher bereit sind, den Preis zu zahlen. Der Burger ist gerade in – und für Trendprodukte wird gern mehr ausgegeben.

 Ethan Brown, Vorstandsvorsitzender von Beyond Meat, lacht bei der Eröffnung der New Yorker Börse am Tag des Börsengangs von Beyond Meat an der New Yorker Nasdaq.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
In Feierlaune: Die Führungsmannschaft von „Beyond Meat“ beim Börsengang Anfang Mai. Picture Alliance

Dass viele an das Geschäft mit Fleischersatzprodukten glauben, hat vor wenigen Wochen der Börsengang des Unternehmens gezeigt: Eine Viertelmilliarde Dollar konnte „Beyond Meat“ am ersten Handelstag Anfang Mai einsammeln. Der Wert der Aktien hat sich seither mehr als verdreifacht, damit hat das Unternehmen den erfolgreichsten Börsengang in den USA seit mehr als zehn Jahren hingelegt.

Fleischersatzprodukte sind ein Zukunftsgeschäft

Der Weg an die Börse war der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Der Schutz der Umwelt und eine gesunde Ernährung gewinnen für viele an Bedeutung, vegane Burger und Bratwürste treffen da einen Nerv. Marktbeobachter sehen ein großes Wachstumspotenzial: 2040 könnten nur noch 40 Prozent der klassischen „Fleischprodukte“ tatsächlich von Tieren stammen. Der Rest könnte im Labor gezüchtetes Fleisch sein - oder auf Pflanzenbasis hergestellt werden.

Das sprunghafte Wachstum des Unternehmens dürfte aber auch mit dem geschickten Marketing von „Beyond Meat“ zusammenhängen. Prominente Investoren wie Bill Gates und Hollywoodstar Leonardo DiCaprio verleihen den Produkten Glamour. Dass auch Wirtschaftsschwergewichte wie die Google-Mutter Alphabet bei „Beyond Meat“ eingestiegen sind, dürfte manche Aktionäre zusätzlich überzeugt haben. Die eigentliche Feuertaufe hat das Unternehmen allerdings noch vor sich: Der Sprung in die schwarzen Zahlen. Bislang haben die Bulettenproduzenten nämlich nur Verlust gemacht. Ein Minus von 30 Millionen Dollar stand neulich unter dem Strich.

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