Ein naturtrübes Pils wird im Technoseum in der Ausstellung «Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot» von einer Bierflasche in ein Bierglas geschüttet. Im Hintergrund ist ein Regal mit Flaschen und Dosen verschiedener Bierhersteller zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Uwe Anspach/dpa)

Pale Ale, IPA, Witbier Was steckt in den Craft-Beer-Sorten?

Die Craft-Beer-Welle hat Deutschland erfasst. IPA, Stout und Porter finden sich mittlerweile auf vielen Getränkekarten. Was hat es mit den neuen Sorten auf sich?

Pils, Export oder manchmal ein Dunkles. Viel mehr Auswahl hatten Biertrinker in vielen Regionen des Landes bis vor wenigen Jahren oft nicht. Doch diese Zeiten sind vorbei. Erst eroberten die ursprüngliche süddeutschen Sorten Weizenbier und Helles den Markt. Dann kam die Craf-Beer-Bewegung – und würfelte die Getränkekarte vieler Gaststätten völlig durcheinander.

Schwarzes Bier mit weißer Krone: Auch Stoutbiere werden von deutschen Craftbiermachern gebraut. (Foto: Getty Images, GettyImages)
Schwarzes Bier mit weißer Krone: Auch Stoutbiere werden von deutschen Craftbiermachern gebraut. GettyImages

Die Macher des Handwerksbieres – so die wörtliche Übersetzung aus dem Englischen – lehnen sich an britische und amerikanische Brautraditionen an. Die Brauereien sind meist deutlich kleiner als etablierte Bierhersteller. Und ihr Konzept scheint aufzugehen: Laut dem Statistischen Bundesamt gab es im vergangenen Jahr 1539 Bierhersteller, das ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Das Wachstum geht zu großen Teilen auf die Craft-Beer-Brauer zurück, die mit immer neuen Aromen experimentieren. Die neue Vielfalt hat auch den Südwesten erfasst: Im Ländervergleich liegt Baden-Württemberg mit 206 Brauereien auf Rang zwei – hinter Bayern.

Pale Ale und IPA – Schwergewichte unter den Craftbieren

Zu den populärsten unter den neuen Sorten gehören Pale Ale und Indian Pale Ale, kurz IPA: Das sind obergärige Biere wie Weizen oder Kölsch. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten. Vor allem das IPA ist ein wahres Biermonster, das mit seinem hohen Alkoholgehalt von sechs bis sieben Prozent und seinem extrem bitteren Geschmack schon manche zarten Gaumen verschreckt hat.

Craft-beer wird bei Deutschen immer beliebter. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/dpa)
Ein Pale Ale einer Brauerei aus dem Rheinland picture-alliance/dpa

Zu seinem herben Aroma kommt das Bier durch das Rösten von Malz und die Verwendung von viel Hopfen: Schon im Brauprozess werden sehr aromatische Hopfensorten verwendet. Danach wird das erkaltete Bier nochmal „kaltgestopft“: Dem Bier in den Lagertanks wird also Hopfen zugesetzt. Das Ergebnis: Viele Pale Ales und IPAs erreichen 70 Punkte auf der Bitterkeitsskala von Bieren, die in International Bitterness Units gemessen wird. Zum Vergleich: Das in Deutschland als sehr herb geltende Pils kommt auf 25 bis 40.

Als Stärkstes unter den Schwergewichten gilt das IPA. Die Erklärung dazu liefert eine Legende: Ursprünglich soll das Bier in England zur Versorgung der britischen Kolonialtruppen in Indien gebraut worden sein. Damit es den Transport überstehen konnte, wurde es besonders stark gebraut. Die Soldaten vor Ort hätten das IPA eigentlich mit Wasser verdünnen sollen. Darauf haben sie aber gerne verzichtet.

Witbier und Gose – die saure Erfrischung

Witbier ist nicht einfach Weißbier auf belgisch. Es ist ein aromatisiertes Bier. Meist kommen Orangenschalen und Koriander zum Einsatz, aber auch viele andere Gewürz- und Aromastoffe. Trotzdem ist es relativ leicht und holt daher traditionelle Freunde von Hefeweizenbieren gut ab. Aber es kommt schlanker, frischer und fruchtiger daher.

Craft-beer wird bei Deutschen immer beliebter. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/dpa)
Nur echt mit Korainder und Salz: Gosebier picture-alliance/dpa

Ähnliches gilt für die Gose. Diese Sorte stammt ursprünglich aus Goslar, wurde später aber auch als Leipziger Gose weltbekannt. Dabei handelt es sich um ein obergäriges Bier aus Gersten- und Weizenmalz, ähnlich wie Kölsch. Das besondere dabei: Dem Sud werden Milchsäurebakterien zugesetzt. In früheren Zeiten, als man noch nichts von gezüchteten Hefen wusste, ist das von Natur aus passiert. Und wenn etwas angeboten werden muss „wie sauer Bier“, dann lebt die Erkenntnis noch heute fort. Salz und Koriander gehören auch in die Gose. Das Brauwasser in Goslar war durch den Bergbau natürlicherweise salzhaltig. Whit und Gose sind eher leichte und sehr erfrischende Biere und nur wenig bitter.

Stout und Porter – Kraftnahrung im Glas

Stout und Porter sind schwarze Biere mit cremigem Schaum. Ihr bekanntester Vertreter ist das Guinness. Das Porter ist der Vorgänger des Stout, der Unterschied eher akademisch. Diese Biersorte wurde zu Beginn der industriellen Revolution für die schwer schuftenden Arbeiter entwickelt. Daher rührt auch der Name: Porter heißt Lastenträger. Gedacht war es eher als Kraftnahrung und Doping denn als Getränk. Farbe und Aroma sind von viel und stark geröstetem Gerstenmalz bestimmt. Dadurch kriegt es auch rauchige Aromen und einen Kaffee-Touch. Schokolade wird da beim „Chocolade-Stout“ noch zugesetzt.

Craft-beer wird bei Deutschen immer beliebter. (Foto: Getty Images, GettyImages)
Nicht nur mehr in Irland daheim: ein Glas Stout GettyImages

Diese Biere haben schon von Natur aus einen cremigen Schaum. Aber das Geheimnis im irischen Pub ist die Zapfanlage. Dort kommt nämlich Stickstoff statt Kohlendioxid als Zapfgas zum Einsatz. Dadurch bekommt das Bier seine typische sämige Schaumkrone.

AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG