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Neue Gesetze und Regelungen bringen zum neuen Jahr wieder viele Änderungen mit sich: bei Steuer oder Mindestlohn, für Autofahrer oder Familien. Wir verraten, welche wichtig sind.

Mehr Brutto vom Netto

Für Steuerzahler gibt es im kommenden Jahr viele gute Nachrichten. Der Grundfreibetrag wird angehoben: Wer nicht mehr als 784 Euro im Monat verdient, muss ab kommendem Jahr keine Einkommenssteuer zahlen. Wer ein Kleinunternehmen wie eine IT-Beratung oder Entrümpelungsfirma betreibt, darf bis zu 22.000 Euro einnehmen, bis er Umsatzsteuer zahlen muss.

Unternehmer, die ein Elektrofahrzeug anschaffen – egal ob mit zwei oder vier Rädern – kann gleich die Hälfte als Sonderabschreibung absetzen. Damit will die Bundesregierung die Elektromobilität fördern.

Zwei Menschen sitzen am Schreibtisch vor Laptop und Steuerunterlagen (Foto: Unsplash)
Der Steuer-Grundfreibetrag wird im kommenden Jahr um 240 Euro angehoben. Unsplash

Auch bei der Mehrwertsteuer gibt es Entlastungen: Auf Hygieneartikel wie Tampons oder Binden muss Frau künftig nur noch 7 Prozent Mehrwertsteuer zahlen statt bisher 19. Immerhin bei einer 5-Euro-Packung eine Ersparnis von über 60 Cent. Gleiches gilt auch für E-Reader.

Wer im kommenden Jahr einen Sprach- oder Computerkurs machen will, kann den auch von der Steuer absetzen. Daneben gibt es eine gute Nachricht für alle, die im kommenden Jahr eine Gehaltserhöhung erwarten: Die kalte Progression wird verschoben. Das heißt, man darf in Zukunft ein bisschen mehr verdienen, bis man in eine höhere Steuerklasse rutscht.

Außerdem werden zum 1. Januar die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gesenkt. 0,1 Prozentpunkte weniger müssen Beschäftigte künftig für diese Sozialversicherung abführen, der Beitrag beträgt dann 2,4 Prozent.

Bahnfahren wird günstiger, Fliegen teurer

Bahntickets für den Fernverkehr werden im Jahr 2020 günstiger: Die Mehrwertsteuer für Fernreisen per Zug wird zum Jahreswechsel von 19 auf 7 Prozent sinken. So hat es der Bundesrat noch kurz vor Weihnachten beschlossen. Diese Steuersenkung will die Deutsche Bahn dann auch an ihre Kunden weitergegeben werden. Tickets im Fernverkehr werden deshalb künftig etwa 10 Prozent günstiger.

Dauer

Andere Verkehrsmittel werden im neuen Jahr teurer. Die Luftverkehrsteuer wird zum 1. April um bis zu 17 Euro steigen. Und auch viele Autofahrer werden im neuen Jahr wohl wieder tiefer in die Tasche greifen müssen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat bereits die neuen Typklassen in der Kfz-Haftpflichtversicherung und der Kaskoversicherung veröffentlicht. Für 6,5 Millionen Autofahrer wird die Versicherung mehr kosten.

Höherer Mindestlohn, Arbeitslosengeld 2 steigt

Der Mindestlohn steigt zum 1. Januar von aktuell 9,19 Euro pro Stunde auf 9,35 Euro. Über eine weitere Erhöhung wird Mitte des Jahres entschieden. In vielen Branchen ist der Mindestlohn allerdings per Tarifvertrag geregelt – auch hier können sich Arbeitnehmer im neuen Jahr über höhere Mindestlöhne freuen, so etwa Dachdecker, Gebäudereiniger und Friseure. Auch auf dem Bau soll ab April ein höherer Mindestlohn gezahlt werden.

Auch Auszubildende bekommen bei einem Ausbildungsbeginn ab 2020 künftig erstmals eine Mindestvergütung: Sie soll im ersten Lehrjahr zunächst mindestens 515 Euro betragen, bis 2023 soll der Betrag schrittweise auf 620 Euro steigen.

Bauhelme von Hochtief-Mitarbeitern hängen am 10.2.2003 in einem Container auf der Baustelle des neuen Fußballstadions von Borussia Mönchengladbach (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa)
Der Mindestlohn steigt zum 1. Januar von aktuell 9,19 Euro pro Stunde auf 9,35 Euro. Über die weitere Erhöhung wird ab Mitte des Jahres entschieden. picture alliance / dpa

Bezieher von Hartz IV bekommen ab Januar mehr Geld. Für alleinstehende Langzeitarbeitslose erhöht sich der Regelsatz von bislang 424 auf 432 Euro. Die Grundsicherung für Paare steigt von 382 auf 389 Euro je Partner. Auch für Kinder aus Hartz-IV-Haushalten erhöhen sich die Leistungen: Für Kinder bis zu fünf Jahren steigt der Satz von 245 auf 250 Euro, für Kinder von sechs bis 13 Jahren sind es mit 308 Euro und für Jugendliche unter 18 Jahren mit 328 Euro künftig jeweils sechs Euro mehr.

Höhere Freibeträge für Familien, Masern-Impflicht ab März

Familien werden bei der Steuer entlastet: Die Kinderfreibeträge werden um 192 Euro pro Jahr und Kind erhöht. Getrennt lebende Eltern müssen ihren Kindern ab 2020 mehr Unterhalt zahlen – der Mindestbetrag wird monatlich um 15 bis 21 Euro erhöht. Kinder von Pflegebedürftigen, die in einer Einrichtung betreut werden, sollen dagegen finanziell entlastet werden. Sie werden in den meisten Fällen von den Kosten fürs Pflegeheim befreit und müssen sich an den Pflegekosten für ihre Eltern künftig erst ab 100.000 Euro Bruttoeinkommen im Jahr beteiligen.

Ab dem 1. März 2020 gilt in Deutschland eine Masern-Impfpflicht für Kinder, die in Kindertagesstätten, Schulen, anderen Gemeinschaftseinrichtungen, bei der Tagespflege oder in Flüchtlingsunterkünften untergebracht sind. Kinder ab einem Jahr und das Personal dort müssen dann gegen die hochansteckende Virusinfektion geimpft sein. Kinder können ansonsten vom Kita-Besuch ausgeschlossen werden. Weigern sich Eltern, fallen bis zu 2.000 Euro Bußgeld an.

Für alle Familien, die planen ein Haus zu bauen oder zu kaufen, gibt es noch bis Ende 2020 Baukindergeld. Wer den Zuschuss von 1.200 Euro jährlich bekommen will, muss also bis zum Ende des Jahres eine Baugenehmigung oder einen Kaufvertrag vorlegen.

Ältere Besucher der Bundesgartenschau sitzen während einer Pause auf Stühlen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Jens Wolf/zb/dpa)
Ab Juli sollen die Renten im Westen voraussichtlich um 3,15 Prozent und im Osten um 3,92 Prozent steigen. picture alliance/Jens Wolf/zb/dpa

Mehr Geld für Rentnerinnen und Rentner

Ab Juli steigt die gesetzliche Rente, um voraussichtlich 3,15 Prozent in Westdeutschland und in Ostdeutschland um 3,92 Prozent. Das macht bei 1.000 Euro Rente im Westen 31,50 Euro mehr und im Osten 39,20 Euro mehr im Monat. Gleichzeitig führt eine Rentenerhöhung auch dazu, dass mehr Rentner Steuern zahlen müssen. Dabei ist wichtig, in welchem Jahr die Person sich zur Ruhe gesetzt hat. Denn der Anteil der Rente, auf den Steuern fällig werden, steigt schrittweise. Entscheidend ist dann, ob das steuerpflichtige Einkommen über dem Grundfreibetrag liegt, der jedes Jahr angepasst wird. Informieren können sich Rentner zum Beispiel beim Finanzamt, Lohnsteuerhilfevereinen und Steuerberatern.

Die meisten Betriebsrentner müssen ab Januar weniger an ihre Krankenkasse zahlen – dank eines neuen Freibetrags. Der liegt bei 159,25 Euro pro Monat. Der volle Krankenkassenbeitrag wird erst auf die Summe fällig, die darüber hinaus geht. Das spart laut Bundesgesundheitsministerium bei einer Betriebsrente in Höhe von 210 Euro rund 25 Euro im Monat. Allerdings wird sich die Änderung wohl erst Mitte des Jahres auf dem Konto auswirken. Die Krankenkassen müssen zunächst noch ihre Technik umstellen, erstatten zu viel gezahlte Beiträge aber später zurück.

Strompreise steigen

Etwa die Hälfte der regionalen Versorger hat beim Strom Preiserhöhungen zum Jahreswechsel angekündigt. Dafür gibt es zwei Gründe: Die EEG-Umlage, also die Subvention für Ökostrom, steigt leicht. Vor allem aber verlangen einige Netzbetreiber 2020 mehr Geld für das Durchleiten von Strom, auch das wird an die Kunden weitergegeben. Die sogenannten Netzentgelte machen rund ein Viertel unserer Stromrechnung aus. Beide Faktoren zusammen lassen Strom im Schnitt um 5,5 Prozent teurer werden. Das bedeutet für eine Durchschnittsfamilie zwischen 50 und 70 Euro Mehrkosten im Jahr.

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen
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