Sechs Ladesäulen der Firma Tesla. (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa/Fotograf: Jens Büttner)

Elektro-Autobauer unter Druck Warum Tesla Autos nur noch im Netz verkauft

AUTOR/IN

Tesla-Autos sollen bald nur noch über das Internet verkauft werden – ein radikaler Schritt des Elektro-Autobauers. Auch die Filialen in Stuttgart und Mannheim sind davon betroffen.

Wer ein Auto kaufen möchte, der geht heutzutage zum Händler vor Ort. Der US-Autobauer Tesla schlägt jetzt aber einen ganz anderen Weg ein: Firmenchef Elon Musk hat angekündigt, dass Tesla-Autos künftig nur noch im Internet bestellt werden können.

Fragen an Michael Wegmer, SWR Aktuelle Wirtschaft

Warum will sich Tesla vom klassischen Autoverkauf verabschieden?

Es geht darum, Geld zu sparen. Das ist für mich kein langfristig geplanter Strategiewechsel, sondern eher ein Tesla-Notfall-Plan. Firmenchef Elon Musk sagt, dass nur durch solche Maßnahmen der günstige Preis für das Model 3 in der Einstiegsvariante gehalten werden könne. Das ist das Auto, auf dem alle Tesla-Hoffnungen ruhen. Noch in diesem Jahr soll es in Europa auf den Markt kommen und etwas mehr als 30.000 Euro kosten.

Ein Wagen des Tesla-Fahrzeugs Model 3. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Andrej Sokolow/dpa)
Mit dem Model 3 will Tesla den Massenmarkt erobern. picture alliance / Andrej Sokolow/dpa

In Deutschland gibt es 22 Tesla-Läden, davon zwei in Stuttgart und einen in Mannheim. Welche Filialen wann genau geschlossen werden, ist noch nicht bekannt. Eine entscheidende Änderung ergibt sich für die Kunden: Künftig wird es keine Probefahrten mehr geben. Man kann zwar laut Elon Musk einen Tesla bald innerhalb von einer Minute per App bestellen, ihn aber vorher nicht mehr ausprobieren. Dafür soll es möglich sein, ein gekauftes Auto innerhalb einer Woche wieder zurückzugeben. Sofern man nach dem Kauf nur maximal 1.600 Kilometer fährt, kriegt man den vollen Kaufpreis erstattet.

Warum läuft es bei Tesla nicht wirklich rund?

Es gibt viele hausgemachte Probleme und auch Elon Musk trägt seinen Teil dazu bei. Der Firmenchef hat noch ungefähr zehn andere Unternehmen am Laufen, trotzdem ist er bei Tesla nach wie vor selbst Geschäftsführer. Er mischt sich überall ein und er wird als sprunghaft wahrgenommen. Er macht Ankündigungen und zieht sie wieder zurück, dazu hält er sich nicht an Regeln der US-Börsenaufsicht.

Elon Musk (Foto: Imago, Xinhua)
Umtriebig, aber auch umstritten: Tesla-Chef Elon Musk. Imago Xinhua

Deshalb hat Ende Januar auch der bisherige Tesla-Finanzvorstand seinen Posten abgegeben. Branchenexperten sagen schon lange, dass es bei dem Elektro-Autobauer einige gute, autoerfahrene Manager bräuchte. Außerdem müsste sich Elon Musk zurückhalten.

Ein weiterer Faktor ist es, dass Tesla kein Autobauer mit langer Erfahrung ist – das macht sich bei der Qualität oder bei den Produktionsketten bemerkbar. Denn offenbar gibt es gerade beim Model 3 in den USA große Qualitätsprobleme. Hier beschweren sich Kunden über den Lack, den Innenraum, die Karosserie und die Fenster – also quasi über alles.

Könnten die Probleme bei Tesla dazu führen, dass deutsche Autohersteller bei der E-Auto-Produktion aufholen werden?

Das werden die nächsten ein bis zwei Jahre zeigen. Die deutschen Hersteller haben ein anderes Problem: Sie bekommen im Augenblick Batteriezellen, also die Kerntechnologie für einen Akku, nur von drei großen Herstellern aus Asien. In Deutschland gibt es noch keine eigene Batteriezellenproduktion. Das Ganze läuft erst an, geht allerdings nur sehr schleppend voran.

Ich bin deshalb noch skeptisch und auch unsicher, wie zum Beispiel Volkswagen seinen Plan umsetzen will, in Zwickau bald 330.000 E-Autos pro Jahr vom Band rollen zu lassen. Ab Ende des Jahres soll die Produktion losgehen und etwas später soll es dann einen Elektro-VW für unter 20.000 Euro geben. Das könnte schwierig werden, wenn die Kerntechnologie für viel Geld zugekauft werden muss – vor allem bei Herstellern, die jetzt schon ausgelastet sind.

AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG