Frauen haben im Alter oft deutlich weniger Geld zur Verfügung als Männer. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Monika Skolimowska/ZB/dpa)

Historisch bedingt? Warum Frauen oft Finanzthemen scheuen

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Viele Frauen kümmern sich zu wenig um das Thema Geld. Mit gravierenden Folgen, denn etliche haben im Alter zu wenig. Was Frauen tun können, um sich besser abzusichern.

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Rund um den Weltfrauentag am 8. März kommt ein wichtiges Thema wieder auf: Deutschland gehört nicht zu den Staaten, in denen Gleichberechtigung herrscht. Forscher kritisieren unter anderem Ungleichheiten beim Einkommen. Dazu kommt: Frauen kümmern sich deutlich weniger um finanzielle Themen als Männer. Laut einer aktuellen Studie befasst sich jeder dritte Mann regelmäßig mit den eigenen Finanzen, bei den Frauen ist es nur jede Fünfte.

Finanzen waren lange Zeit per Gesetz Männersache

Bis 1957 durften Frauen in Deutschland nicht einmal ein eigenes Konto eröffnen und bis 1974 durften Frauen nur mit der Zustimmung ihres Ehegatten arbeiten gehen. Mittlerweile sind zwar immer mehr Frauen berufstätig – mehr als 70 Prozent. Aber über ein Drittel arbeitet in Teilzeit. In keinem anderen Land in Europa tragen Frauen deshalb anteilig so wenig zum Familieneinkommen bei wie in Deutschland – der Anteil liegt bei etwas mehr als 20 Prozent.

Immer noch verdienen Frauen weniger als Männer - im gleichen Job rund sechs Prozent. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa/Oliver Berg)
Immer noch verdienen Frauen weniger als Männer - im gleichen Job rund sechs Prozent. picture alliance / dpa/Oliver Berg

Noch immer verdienen Frauen deutlich weniger als Männer, im Schnitt bekommen sie um die 20 Prozent weniger. Das liegt auch daran, dass Frauen oft schlechter bezahlte Jobs auswählen und häufig in Teilzeit arbeiten. Und wenn sie bei gleicher Qualifikation den gleichen Job machen wie ein Mann, verdienen sie durchschnittlich sechs Prozent weniger.

Gender Pay Gap gibt es schon im Kindergartenalter

Mädchen bekommen laut einer Studie der Comdirekt-Bank im Durchschnitt 17 Prozent weniger Taschengeld als Jungs. Andere Studien sagen, die Unterschiede würden kleiner.

Im Alter bekommen Frauen oft etwa 40 Prozent weniger gesetzliche Rente als Männer. Laut einer neuen Untersuchung wissen fast 70 Prozent aller in Teilzeit beschäftigten Frauen, dass sie davon später nicht leben können. Viele davon scheuen das Thema, weil es zu deprimierend sei.

Frauen sind die besseren Anleger - aber weniger aktiv als Männer

Auch mit finanziellen Investitionen beschäftigen Frauen sich offenbar nicht so häufig wie Männer: Nur jede achte Frau in Deutschland ist im Besitz von Wertpapieren, bei den Männern ist es jeder Vierte. Eine neue Studie zeigt auch: Frauen können Fragen zu Finanzen seltener richtig beantworten als Männer, wissen weniger oft, was Zinsen sind oder Inflation bedeutet.

Frauen haben im Alter oft deutlich weniger Geld zur Verfügung als Männer. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Monika Skolimowska/ZB/dpa)
Frauen haben im Alter oft deutlich weniger Geld zur Verfügung als Männer. picture alliance/Monika Skolimowska/ZB/dpa

Viele Untersuchungen sagen trotzdem: Frauen seien die besseren Anleger. Eine Untersuchung der US-Fondsgesellschaft Fidelity von 2017 zeigt: Weibliche Kunden erwirtschaften im Schnitt 0,4 Prozent mehr Rendite mehr als männliche. Offenbar meiden sie unkalkulierbare Risiken und sind geduldiger.

Frauen meiden Finanzthemen aus Angst, Zeitmangel und Bequemlichkeit

In einer Umfrage räumen viele Frauen ein, dass sie sich wenig um finanzielle Dinge kümmern. Viele investieren ihre Zeit vor allem in die Kinder und überlassen die Finanzthemen ihrem Partner – auch in den Glauben, sie würden sich in Sache Geldanlagen zu wenig auskennen. Manche Frauen sehen auch die Notwendigkeit für Finanzplanung nicht, da sie über kein Vermögen verfügen.

Haushaltsbuch, Versicherungscheck und Sparen helfen beim Kapitalaufbau

Experten raten Frauen, zu sparen – bis etwa drei Netto-Monatsgehälter auf dem Konto liegen. Dabei geht es darum, ein kaputtes Auto oder eine kurze Arbeitslosigkeit überbrücken zu können. Außerdem empfiehlt sich ein Haushaltsbuch, um eine Weile Geldeingänge und -ausgaben zu dokumentieren.

Drei junge Mütter schieben ihre Babys im Kinderwagen bei einem gemeinsamen Spaziergang. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Wolfram Steinberg/dpa)
Junge Mütter überlassen die Finanzplanung oft dem Partner. picture alliance/Wolfram Steinberg/dpa

Jede Frau sollte auch regelmäßig ihre Kosten checken: Ein neuer Handyvertrag oder Stromanbieter können helfen, Geld zu sparen. Das gilt auch für Versicherungen. Oft haben wir eine Menge unsinnige oder zu teure Verträge abgeschlossen. Bei der Entscheidung, was sinnvoll ist, können auch die Verbraucherzentralen helfen – gegen eine geringe Gebühr.

Als Geldanlage empfehlen sich ETF-Sparpläne

Zunächst überlegen: wie viel Geld habe ich im Moment übrig und wie viel will und kann ich investieren – zum Beispiel in ETF-Sparpläne. ETFs sind Investmentfonds, die an der Börse gehandelt werden und in denen mehrere Unternehmen zusammengefasst sind.

Der MSCI World Index etwa listet die größten 1.600 Unternehmen aus 23 entwickelten Ländern auf. Hätte eine Sparerin vor 20 Jahren 100 Euro monatlich in einen solchen ETF-Sparplan investiert, dann besäße sie heute 50.000 Euro, bei einer Einzahlung von 24.000 Euro.

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