Ob Naturkatastrophe, Blackout oder Atomunfall: Prepper wappnen sich für das Ende der Zivilisation und horten alles, was man zum Überleben brauchen könnte: Stephan B., Prepper und Internethändler, zeigt in seinem Versandkeller ein Überlebensregal gefüllt mit Lebensmittel (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Roland Weihrauch)

Empfehlung und Geschäftemacherei

Vorräte für Krisen: Wer profitiert von Notfall-Produkten?

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Immer mehr Deutsche versuchen momentan, sich auf einen Krisenfall vorzubereiten. Deshalb werden gerade viele Produkte zum Überleben angeboten. Doch was ist sinnvoll?

Cyberattacken auf die digitale Infrastruktur, eine lahmgelegte Grundversorgung in Haushalten, Betrieben und Verkehr: So eine Situation scheint für Sicherheitsexperten momentan nicht unwahrscheinlich. Innenministerin Nancy Faeser hat an die generelle Empfehlung erinnert, sich Notvorräte für Krisenzeiten zuzulegen. Das ist nicht neu, könnte aber Ängste in der Bevölkerung, unter anderem durch den Krieg in der Ukraine, verstärken.

Was ist momentan im Angebot für die Krisenvorsorge?

Viele Menschen versuchen, sich bestmöglich auf den Krisenfall vorzubereiten - und das kommerzielle Angebot ist groß: Geschäfte und Onlineshops bieten eine ganze Reihe von Produkten an. Kurz gesagt: Produkte fürs Überleben.

An erster Stelle besonders lange haltbare Lebensmittel: abgepacktes Wasser in Beuteln, Wasserfilter und Wasserreinigungstabletten. Es gibt kompakte Energieriegel, fertige Mahlzeiten in Konserven, aber auch einzelne konservierte Lebensmittel, mit denen man wie gewohnt kochen soll. Dazu passend: Gaskocher.

Es werden auch komplette Flucht- oder Notfallrucksäcke beworben. Darin sind neben einer Notration Essen und Wasser auch Artikel drin wie eine Taschenlampe, ein Erste-Hilfe-Set oder kleine Handtücher.

Außerdem gibt es batterie- oder mit Handkurbel betriebene Radios, Notfall-Toiletten und sogar Anbieter, die Schutzräume in Keller bauen.

Wer sind die Kunden und ist ein Einkauf für den Notfall sinnvoll?

Je nachdem, was Händler anbieten, beliefern sie zum Teil gewerbliche Kunden wie Rettungsdienste oder Militär aus verschiedenen Ländern. Die meisten Kunden scheinen aber Privatleute zu sein, erzählten Händler bei einer Stichprobe des SWR - Menschen, die Angst haben, dass der Krieg in Europa eskalieren oder Nahrungsmittel knapp werden könnten.

Für einen Notfall vorzusorgen, empfiehlt auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Hier wird geraten, bestimmte Vorräte anzulegen wie Lebensmittel, Hygieneartikel oder Kerzen. Die Frage ist, wie weit man dabei gehen will. Mit der Angst der Menschen wird auf jeden Fall auch Geld verdient.

Wo werden Produkte für den Notfallvorrat angeboten?

Viele Produkte wie Konserven oder Batterien gibt es überall im Einzelhandel. Für speziellere Artikel findet man Anbieter und Händler in der gesamten Bundesrepublik - von seriös bis zweifelhaft. Einige Hersteller verkaufen in den eigenen Onlineshops.

Es gibt aber auch Händler, die sich auf Krisenprodukte spezialisiert haben. Das meiste Geschäft damit scheint im Internet abzulaufen. Dabei fällt direkt auf, wie groß die Nachfrage offenbar ist: Viele Produkte wie Notfallrucksäcke sind ausverkauft, oder es gibt wochenlange Lieferzeiten dafür. Bei manchen Produkten leuchtet das Interesse ein, bei anderen ist es befremdlich - beispielsweise bei einem Anzug, der gegen biologische oder chemische Waffen schützen soll.

Wie viel Geld wird mit Krisenprodukten verdient?

Wie viel genau bleibt das Geheimnis der Hersteller und Händler. Die Firma Convar in Pirmasens in Rheinland-Pfalz hat allerdings ein paar konkrete Daten genannt. Das Unternehmen stellt unter anderem Fertiggerichte in Dosen her oder lange haltbare Brote. Nach Kriegsausbruch Ende Februar hatte sich der Umsatz verzehnfacht, Ende März lag er schon bei 80 Prozent des gesamten Jahres 2021. Nach Angaben des Unternehmens gibt es keine aktuellen Zahlen, aber die Umsätze steigen weiter.

Ein anderer Notnahrungsmittel-Hersteller aus der Schweiz, der seinen Europavertrieb in Baden-Württemberg hat, berichtet ähnliches. Dort hat sich der Umsatz verdrei- oder vervierfacht. Beide Firmen gehen davon aus, dass ihr Geschäft auch in den kommenden Jahren wachsen wird.

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