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Vom 10. bis zum 12. Januar ruft der Naturschutzbund NABU zur 10. Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ auf: Vogelfreunde sollen eine Stunde lang Vögel zählen und melden.

Die „Stunde der Wintervögel“ ist laut NABU Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion und findet bereits zum zehnten Mal statt. Fast 140.000 Vogelfreunde haben im vergangenen Jahr mitgemacht.

Wie zähle ich die Vögel am besten?

Bei der Vogelzählung kann grundsätzlich jeder mitmachen. Beobachtet wird eine Stunde lang im Garten oder im Stadtpark in der Nähe von Häusern. Wer sich mit den Vogelarten nicht ganz so gut auskennt, für den gibt es Fotos der Tiere auf den Zählzetteln, die der NABU zur Verfügung stellt.

Warum werden die Vögel überhaupt gezählt?

Ziel der Aktion ist es, Begeisterung für die Natur vor der eigenen Haustür zu wecken. Außerdem sollen wissenschaftliche Daten gesammelt werden. Durch die Langzeitbeobachtung sollen Veränderungen in der Artenvielfalt geprüft werden.

Die Nabu-Vogelzählung gibt es schon seit vielen Jahren. Immer mehr Leute finden Spaß an der Vogelbeoachtung. Durch die große Zahl an Freiweilligen fallen die Fehler Einzelner nicht zu sehr ins Gewicht – gleichzeitig können Entwicklungstrends aufgezeigt werden.

Immer weniger Vogelarten

Und durch die Vogelzählung wird deutlich: In unseren Gärten gibt es immer weniger Vogelarten. Besonders gefährdet sind die Feldlerche und die Mehl-Schwalbe. Einer der Gründe sind die wenigen Brutmöglichkeiten. Die Wildnis in den Gärten verschwindet.

Feldlerche (Foto: Colourbox)
Feldlerche

Deswegen sollten Gartenbesitzer darauf achten, dass es auch Sträucher mit Beeren und heimische Pflanzen gibt, nicht nur den berühmten englischen Rasen. Kurz gesagt: In seinem Garten sollte man Natur zulassen.

Worauf es dabei ankommt erfahren Sie in unserem Artikel:
Vogelhaus & Co.: So fühlen sich Wintervögel im Garten wohl

2020 noch weniger Vögel in den Gärten?

Experten erwarten dieses Mal in den Gärten eher wenige Vogelsichtungen. Grund ist die bisher sehr milden Winterwitterung. Dadurch sinken die Chancen, dass Vögel ans Futterhäuschen im Garten oder auf dem Balkon kommen. Ohne Schnee und Eis finden sie auch in den Wäldern und in der freien Landschaft noch Futter.

Gleichzeitig sorgt die milde Witterung laut NABU dafür, dass weniger Vögel ziehen. Einige Vögel dürften gleich in ihren nördlichen und östlichen Brutgebieten geblieben sein – manche Kohlmeisen aus Nord- und Osteuropa zum Beispiel, die sonst bei uns überwintern, sind wohl gar nicht erst zu uns gekommen.

Viele Stare und Eichelhäher?

Einzelne Arten werden aber möglicherweise auch öfter gemeldet als sonst. Im Herbst sind extrem viele Eichelhäher aus Skandinavien und Russland nach Deutschland und Mitteleuropa eingeflogen, im Oktober haben Vogelzugstationen sechzehnmal so viele Eichelhäher gezählt wie sonst üblich. Die Ursache dafür vermutet der NABU im Jahr 2018. Da gab es in Nordosteuropa eine sogenannte Eichelvollmast – die Eichen hingen also voller Eicheln. Super Bedingungen für Eichelhäher! Mit reichlich Futter sind viel mehr Vögel als sonst gut über den Winter gekommen und haben dann 2019 jede Menge Junge bekommen.

Eichelhäher (Foto: Colourbox)
Eichelhäher

Für all diese Eichelhäher gab’s dann aber wohl nicht mehr genug zu fressen – also sind viele ausgewichen und versuchen inzwischen bei uns ihr Glück.

Stare, die sonst aus Deutschland wegziehen, bleiben dafür im Winter inzwischen eher hier.

Auswirkungen von Dürre und Hitze auf die heimische Vogelwelt

Nach dem zweiten Rekordsommer in Folge könnte die Vogelzählung außerdem darüber Aufschluss geben, wie sich anhaltende Dürre und Hitze auf die heimische Vogelwelt auswirken. Darüber wollen die NABU-Experten mit der "Stunde der Wintervögel" mehr rausfinden. Während die Vogelkundler vermuten, dass Haussperlinge recht gut mit solchen Sommern klar kommen, sehen sie andere Arten eher als stärker betroffen an. Junge, unerfahrene Amseln zum Beispiel können in trockenen Böden nicht so gut nach Regenwürmern stochern – viele Jungvögel sterben dann.

Doch wie es tatsächlich aussieht, erfahren wir erst nach der Auswertung der Aktion.

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