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Wir tauchen sie in unser Essen, in leckere Smoothies und pikante Pesto - aber können wir das wirklich ohne Bedenken tun? Wie hygienisch sind Stabmixer?

Halten die Dichtungen – oder sammeln sich hier Essensüberreste über Jahre an? Was finden wir an den Stellen, die wir nicht reinigen können? Wir gehen dem Verdacht eines Zuschauers nach und entdecken Hygieneabgründe jenseits aller Befürchtungen.

Stabmixer auf einem Tisch. (Foto: SWR)
Der intensivste Keimbefall im Haushalt findet in der Küche statt. Wie sieht es bei Küchengeräten wie Stabmixern aus?

Der Marktcheck-Test

Für unsere Untersuchung haben uns 14 Zuschauer ihre Stabmixer zugeschickt. Alle stellen sich die Frage: Wie sieht es in den Geräten aus?

Um das herauszufinden bringen wir die Stabmixer zu Dr. Gereon Broil an die Universität Bonn. Er forscht seit Jahren zu Haushaltsgeräten, doch einen Stabmixer hat er bisher noch nie geöffnet. Bevor es an das Innenleben der Mixer geht, will sie der Experte in Aktion sehen und verwendet sie in klarem Wasser. Das Resultat bei einigen Geräten: Aus dem klaren Wasser wird eine milchige oder sogar bräunliche Brühe. Der Verdacht, dass sich Verunreinigungen in den Geräten befindet verstärkt sich bei Dr. Gereon Broil.

Haushaltstechnikexperte Dr. Gereon Broil testet die Stabmixer in klarem Wasser. (Foto: SWR)
Haushaltstechnikexperte Dr. Gereon Broil testet die Mixer in klarem Wasser. Das Resultat: Eine trübe Brühe.

Um zu sehen, wie es innen aussieht greift er zum Trennschleifer. Nachdem einige Stabmixer tatsächlich sauber sind, finden wir im Schaft eines Gerätes übelriechende und klebrige braune Beläge. Bei einem Mixer tropft es schon beim Aufsägen: Der Hohlraum des Schaftes ist fast komplett gefüllt mit brauner Masse. Der Fund überrascht auch Dr. Gereon Broil: "Ich bin kein Mikrobiologe, der das analysieren kann. Aber wenn man das analysieren würde, würde man sicher Lebensmittelreste, vielleicht aber auch irgendwelche Mikroorganismen finden“, vermutet er.

Millionen Keime verstecken sich im Gehäuse

Was wir in sechs der 14 Stabmixer entdeckt haben ist auf jeden Fall ekelhaft. Aber wie gefährlich ist es für unsere Gesundheit, wenn diese Rückstände in unser Essen geraten? Wir nehmen Proben und schicken sie in das Labor des Mikrobiologen Prof. Dirk Bockmühl an der Hochschule Rhein-Waal. Er findet in den Proben erschreckend hohe Keimzahlen:

„Wir konnten teils um die 100 Millionen Bakterien oder Mikroorganismen pro Milliliter finden. Das ist eine sehr hohe Gesamtkeimzahl, die wir normalerweise nicht im Haushalt finden.“

Die Zahlen seien weit davon entfernt, was in Verbindung mit Lebensmitteln toleriert werden könne.

Ekelerregender Innenraum in Stabmixern sammeln sich viele Keime und Bakterien. (Foto: SWR)
Erschreckendes Ergebnis: So ekelerregend sieht der Innenraum von einem der getesteten Stabmixer aus.

Hohes Gesundheitsrisiko durch Keimbelastung

Mit so einer hohen Keimzahl hat selbst der Mikrobiologe Prof. Dirk Bockmühl nicht gerechnet - und er hat schon einiges gesehen. Auch die Art der Keime hat es in sich: Wir finden insbesondere Fäkalbakterien. Sie können zu Magen-Darm Infektionen führen. Außerdem Hefe- und Schimmelpilze. Sie können krebserregende Schimmelpilzgifte produzieren.

Der Mikrobiologe Professor Bockmühl sieht hier eine echte Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher: „Ich habe ja die Problematik, dass die Flüssigkeit, die aus diesen Stabmixern kommt, schon ziemlich hoch mit Bakterien kontaminiert ist. Wenn die jetzt ins Lebensmittel gelangen, dann ist das Lebensmittel noch einmal ein sehr guter Nährboden. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Bakterien weiter vermehren, ist relativ hoch. Und wenn ich dann etwa ein Pesto zubereitet habe, was ich dann über eine längere Zeit esse, dann habe ich natürlich die Gefahr, dass ich im Lebensmittel irgendwann sehr, sehr hohe Keimzahlen habe, die auch ein auf jeden Fall ein hohes Infektionsrisiko darstellen.“

Im Labor werden die Proben der Stabmixer ausgewertet. (Foto: SWR)
Im Labor wird die Keimbelastung ausgewertet.

Wie kommen die Keime und Bakterien in die Stabmixer?

Haushaltstechnikexperte Gereon Broil geht davon aus, dass die Ablagerungen durch Konstruktions- oder Materialmängel zum Beispiel an den Dichtungen entstehen. Wir fragen bei den Herstellern der verschmutzen Geräte nach.

Siemens antwortet uns: „Unsere Fachabteilung nimmt an, dass die Dichtung der Mixglocke aufgrund der überschrittenen Materiallebensdauer nicht mehr richtig funktioniert. […] Im Allgemeinen gehen wir bei unseren Stabmixern von einer Lebensdauer von 10 Jahren aus.“

Bei Braun waren gleich zwei Geräte kontaminiert. Der Hersteller schreibt uns: „Auf Basis des vorliegenden Bildmaterials […] gehen wir davon aus, dass es sich um eine Verunreinigung des Schafts aufgrund mangelhafter Wartung und Reinigung handelt. Hierzu können Fallschäden oder andere Handhabungsfehler ebenfalls beitragen.“

Krups teilt uns mit: „Aus den Schilderungen und dem zugesandten Bild lassen sich zwei mögliche Ursachen […] vermuten: Zum einen könnte es sich um Dichtungsprobleme handeln, zum anderen um eine wiederholte Fehlbedienung bei der Reinigung des Mixaufsatzes. […] Wir raten, den Mixstab nach Gebrauchsanweisung immer mit dem Messer nach oben in die Spülmaschine zu stellen.“

Was tun, wenn es tropft?

Auch unsere Stabmixerbesitzer sind entsetzt über die Testergebnisse. „Das ist echt widerlich. Eigentlich wollte ich mit dem Mixer Babybrei zubereiten“, verrät uns die junge Mutter Melanie Smital-Smeda. Laut Mikrobiologe Prof. Dirk Bockmühl solle man die Stabmixer in jedem Fall entsorgen, sobald durch Essensrückstände verursachte Flüssigkeiten austreten.

Mikrobiologe Prof. Dr. Dirk Bockmühl spricht über die Keimbelastung in Stabmixern. (Foto: SWR)
Dirk Bockmühl, Professor für Mikrobiologie und Hygiene an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Rhein-Waal, nimmt für uns die Proben aus den Stabmixern genauer unter die Lupe.

Wie kann man den Bakterien oder Keimen entgehen?

Prof. Bockmühl und Haushaltsexperte Dr. Gereon Broil empfehlen Verbrauchern, Geräte zu verwenden, bei denen die abnehmbaren Unterteile möglichst offen gestaltet sind, so dass sie sich auch in der Spülmaschine reinigen lassen. Für geschlossene Mixaufsätze ist das nicht zu empfehlen, da hier die Materialien in der Spülmaschine angegriffen und damit noch schneller durchlässig werden. Dr. Gereon Broil empfiehlt außerdem: Nach jeder Nutzung sollte der Stabmixer mit klarem Wasser durchgespült und mit Kopf nach unten getrocknet werden.

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