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Derzeit sind Reisen wegen Corona-Beschränkungen schwierig. Deshalb würden mache Arbeitnehmer gerne ihren Urlaub verschieben – oder Resturlaub für 2021 aufsparen. Aber geht das?

Zwischen Freiheit und betrieblichen Zwängen

Grundsätzlich darf ein Arbeitnehmer frei entscheiden, wann er Urlaub nehmen möchte. Der Arbeitgeber muss diese Wünsche auch berücksichtigen. Aber: Der Arbeitgeber hat auch das Recht, Urlaubsanträge abzulehnen, wenn dringende betriebliche Interessen dagegen sprechen. Meist können etwa nicht alle Mitarbeiter einer Abteilung, eines Teams oder Standortes gleichzeitig in Urlaub sein, weil dadurch Arbeitsabläufe im Unternehmen nicht mehr funktionieren.

Kann ein Arbeitnehmer genehmigten Urlaub zurückgeben?

Ein Beschäftigter, der jetzt eine Reise nicht antreten kann und gerne seinen Urlaub verschieben möchte, kann durchaus versuchen, seine Urlaubstage zurückzugeben. Aber ein "Stornierungsrecht" gibt es nicht. Jeder Arbeitnehmer ist hier im Einzelfall auf die Kulanz seiner Firma angewiesen. Dies gilt auch umgekehrt. Ein bewilligter Urlaub darf auch nicht einfach vom Chef zurückgefordert werden. Auch in diesem Fall ist die eine Seite auf die Kulanz der anderen Seite angewiesen.

Kreuzfahrt oder nur Spaziergang um den Block

Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Cozumel in Mexiko. (Foto: Damon On Road for sharing their work on Unsplash.)
Kreuzfahrten sind für manche Menschen der Inbegriff eines Ehrholungsurlaubs, andere gruselt es bei dem Gedanken mit Massen unterwegs zu sein. Damon On Road for sharing their work on Unsplash.

"Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub."

Bundesurlaubgesetz § 1 Urlaubsanspruch

Kein Chef darf seinem Angestellten vorschreiben, wie und wo er sich erholen soll. Das regelt jeder Urlauber für sich allein. Und kein Arbeitgeber kann jetzt dafür verantwortlich gemacht werden, wenn eine bestimmte Erholungsform (Reise, Familientreffen, etc.) nicht möglich ist.

Kann der Arbeitgeber Urlaub anordnen?

Nein. Allerdings können Unternehmen in der aktuellen Corona-Krise ihre Angestellten bitten, nicht den gesamten Urlaub in der zweiten Jahreshälfte zu nehmen. Denn wenn alle gleichzeitig frei nehmen, kann es passieren, dass nicht alle Anträge genehmigt werden können - aus betrieblichen Gründen. Im schlimmsten Fall verfallen dann Urlaubstage. Darauf muss allerdings, dass Unternehmen frühzeitig hinweisen.

Urlaub mit ins nächste Jahr nehmen?

Kein Chef ist rechtlich verpflichtet, Urlaubstage auf das nächste Jahr zu übertragen. Das ist dann reine Kulanz. Die Rechtslage ist eindeutig: Urlaub muss im laufenden Jahr genommen werden. Wenn der Urlaub aus bestimmten Gründen - in der Regel aufgrund von Krankheit - nicht genommen werden konnte, muss er spätestens im ersten Quartal des Folgejahres genommen werden.

Wie wirkt sich Kurzarbeit auf die Urlaubstage aus?

Millionen Menschen befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Das Urlaubsgeld ist davon nicht betroffen. Aber: Der Urlaubsanspruch kann sinken. Wenn Arbeitnehmer durch Kurzarbeit regelmäßig an weniger Tagen in der Woche arbeiten als vorher, kann der Urlaubsanspruch anteilig für den betreffenden Zeitraum reduziert werden. Deshalb ist es für den Urlaubsanspruch besser, wenn Beschäftigte in Kurzarbeit weniger Stunden am Tag arbeiten.

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