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Was tun, wenn Heimat- oder Urlaubsort plötzlich Corona-Risikogebiete werden? Wann kann ich Reisen noch stornieren? Und muss ich bei annullierten Flügen für die Umbuchung draufzahlen?

In Europa können Touristen wieder in fast alle Urlaubsländer einreisen - die Reisewarnungen sind aufgehoben. Zu welchen Bedingungen dies geschehen soll, bestimmt jedes Land selbst in sogenannten Reisehinweisen. Vor einer Urlaubsreise sollte man sich also möglichst genau informieren, was wo gilt und wie genau die Lage ist.

Wenn der Heimatort Corona-Risikogebiet wird

Dass in einem bestimmten Gebiet die Corona-Fallzahlen plötzlich massiv ansteigen, kann mitunter schnell passieren - wie der Fall der Fleischfabrik Tönnies im Kreis Gütersloh zeigt. Was passiert aber, wenn ich mich bereits an einem Urlaubsort befinde und dann wird mein Heimatort zum Corona-Risikogebiet erklärt? Auf der Ostseeinsel Usedom wurden mehrere Hotelgäste aus Corona-Hotspots aufgefordert, vorzeitig abzureisen. Ist das rechtens?

Darf mich das Hotel entschädigungslos vor die Tür setzen, wenn mein Heimatland Corona-Risikogebiet wird?

Nein. Wenn man sich bereits am Urlaubsort befindet und währenddessen wird der Heimatort zum Risikogebiet erklärt, sollte der Urlaub davon nicht beeinträchtigt werden. Werde ich dennoch vom Hotelier hinausgeworfen, muss ich nur die Nächte bezahlen, in denen ich tatsächlich in dem Hotel übernachtet habe. Möglicherweise stellt sich auch die Frage nach Schadensersatzansprüchen - dazu gibt es bislang jedoch noch keine Gerichtsurteile.

Zwei junge Frauen mit Mundschutz in Café. Welche Regeln gelten im Urlaub in Corona-Zeiten? (Foto: Colourbox, MEYNTJENS JEAN_PAUL)
Vor einer Urlaubsreise sollte man sich derzeit genau informieren, welche Regeln am Zielort gelten. MEYNTJENS JEAN_PAUL

Kann mich der Hotelier abweisen, wenn ich aus einem Risikogebiet komme?

Habe ich noch nicht im Hotel eingecheckt und komme aus einem Corona-Risikogebiet ist die Lage etwas anders. Der Hotelier kann den Vertrag, den er mit mir geschlossen hat, wegen außergewöhnlicher Umstände (höherer Gewalt) kündigen. Oft sind die Gesundheitsämter vor Ort auch daran interessiert, dass keine Urlaubsgäste aus Risikogebieten ankommen.

Dem Reisenden müssten dann etwaige Anzahlungen oder schon bezahlte Hotelkosten erstattet werden.

Hilft mir ein negativer Corona-Test?

Ob aktuelle Corona-Tests anerkannt werden, ist regional sehr unterschiedlich. Sind Corona-Tests behördlich vorgesehen, kann ein aktueller negativer Test die Einreise in bestimmte Regionen ermöglichen.

Quarantäne nach Urlaub - Bekomme ich weiter meinen Lohn?

Was ist, wenn ein Gebiet, in dem ich Urlaub mache, plötzlich als Risikogebiet ausgewiesen wird und ich nach meiner Rückkehr in Quarantäne muss? Zahlt der Arbeitgeber den Lohn weiter?

Es ist zu unterscheiden, ob man „sehenden Auges“ in ein ausgewiesenes Risikogebiet, zum Beispiel in die Türkei, gefahren ist oder ob der Ort während des Aufenthaltes zum Risikogebiet wurde. Im letzteren Fall gelten die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes (§56), nach denen der Staat eine Entschädigung für den Verdienstausfall zahlt. Dies gilt nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Selbstständige und Unternehmer.

Marktcheck (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Wer in ein Corona-Risikogebiet reist, muss nach der Rückreise wahrscheinlich in Quarantäne. Picture Alliance

In den ersten sechs Wochen entspricht die Entschädigung dem Verdienstausfall, danach in der Regel dem geringeren Krankengeld der gesetzlichen Krankenkassen. Bei Angestellten zahlt in den ersten sechs Wochen der Arbeitgeber, dieser kann sich das Geld aber von den zuständigen Behörden zurückholen.

Wenn ich wissentlich in Risikogebiete reise

Im Fall, dass mein Zielort bereits vor meiner Abreise Corona-Risikogebiet war, ist die Rechtslage unklar: möglicherweise muss der Arbeitnehmer die Zeit durch bezahlten oder unbezahlten Urlaub abdecken, wenn Homeoffice nicht möglich ist.

Man sollte sich also vor der Reise in ein Risikogebiet darüber im Klaren sein, dass man nach der Rückkehr höchst wahrscheinlich 14 Tage lang in Quarantäne muss. Nur in bestimmten Fällen gelten Ausnahmen von der Quarantänepflicht.

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Ich gehöre zu einer Risikogruppe - kann ich meine Reise kostenfrei stornieren?

In den Ländern, in denen keine Reisewarnung mehr gilt, ist ein kostenfreies Stornieren deutlich schwieriger geworden. Kann ich meine Reise trotzdem noch kostenfrei stornieren, weil ich beispielsweise zu einer Risikogruppe gehöre?

Nein: Ob ich selbst zu einer Risikogruppe gehöre, ist in diesem Fall unerheblich. Für die kostenfreie Stornierung der Pauschalreise müssen „unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände“ am Urlaubsort herrschen. Ob dies objektiv gegeben ist – beispielsweise, weil Museen, Theater, der Pool etc. geschlossen sind – ist für den juristischen Laien nicht immer ganz leicht darzulegen, wie die Stiftung Warentest schreibt.

Pauschalreisen sind einfacher kostenfrei stornierbar

Generell gilt: Von Pauschalreisen kann man leichter kostenfrei zurücktreten, als von Individualreisen - sie sind durch das Pauschalreiserecht abgesichert. Ist unklar, ob meine Pauschalreise stattfinden kann, weil beispielsweise droht, dass der Reiseveranstalter pleitegeht, und ich habe bereits eine Anzahlung geleistet, habe ich folgende Möglichkeiten, wie die Stiftung Warentest schreibt: Entweder ich storniere die Reise, weil mir das Ganze zu unsicher ist. Hier fallen wahrscheinlich Stornogebühren an, die ich unter Umständen zurückfordern kann.

Oder ich nutze eine weitere Möglichkeit, die „Unsicherheitseinrede“ gemäß § 321 BGB. Dabei kann der Kunde so lange, bis sich wirklich herausstellt, ob die Reise tatsächlich stattfinden kann oder nicht, verweigern, die letzte Rate der Pauschalreise zu zahlen. Die Einrede muss der Kunde gegenüber dem Reiseanbieter erheben, am besten schriftlich und per Einschreiben. Hier gibt es dafür einen Musterbrief der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Übrigens: Wenn mir der Reiseveranstalter einen Gutschein anbietet, muss ich diesen nicht annehmen:

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Annullierung von Flügen: Dürfen mir Zusatzkosten entstehen?

Wird mein Flug annulliert, bietet mir die Fluggesellschaft möglicherweise einen späteren Flug an. Hierbei dürfen mir keine Zusatzkosten berechnet werden, auch wenn der spätere Flug beispielsweise in die Feriensaison fällt und dadurch eigentlich teurer wäre. Es gelten die AGB des alten Flugs.

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