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Das Coronavirus breitet sich aus - in Deutschland, Europa und der Welt. Die Bundesregierung hat ihre Reisewarnung deshalb bis mindestens 14. Juni verlängert. Was jetzt wichtig ist.

Die weltweite Reisewarnung für touristische Reisen infolge der Corona-Pandemie bleibt bestehen. Das hat Berlin jetzt entschieden, Reisende können sich auf den Seiten des Auswärtigen Amtes über die Reise- und Sicherheitshinweise informieren. Die Reisewarnung gilt nun "bis auf weiteres", mindestens aber bis 14. Juni.

Für deutsche Urlauber hat das finanzielle Folgen, für viele bereits für die Pfingstferien. Denn diese Reisen sind längst gebucht und in vielen Fällen auch schon bezahlt.

Bekommen Pauschalurlauber bei Stornierung wegen Corona-Krise ihr Geld zurück?

Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, können durch diese Reisewarnung ihre Reisen nun kostenlos stornieren - und zwar in alle Länder. Rechtliche Grundlage dazu ist § 651h des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Dieser sieht vor, dass Kunden von einer Reise zurücktreten dürfen, wenn im Reiseland unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen, die gegen eine Durchführung der Reise sprechen. In der bisherigen Rechtspraxis und nach Einschätzung vieler Verbraucherschützer liegen solche Umstände unter anderem dann vor, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung herausgibt.

Theoretisch Rückzahlung – praktisch: Umbuchungen und Gutscheine

De facto ist es im Moment aber so, dass die Reiseveranstalter überfordert sind mit der Situation, mit den Folgen der Corona-Krise, weil bereits seit März alle Reisen abgesagt worden sind und daher bereits sehr viele Rückforderungen bestehen. Insofern wird die Rückzahlung an die Kunden dauern. Es wird von den Veranstaltern teilweise bezahlt, teilweise wird aber auch taktiert und hinausgezögert. Das heißt, den Anspruch auf die Rückzahlung haben die Reisenden zwar, sie brauchen aber viel Geduld.

Wenn es für manche Urlauber eine Option ist, können sie auch mit dem Reiseveranstalter Kontakt aufnehmen und klären, ob sie den Urlaub verschieben können oder ob ein Gutschein in Frage kommt. Das würde der Reisebranche tatsächlich etwas helfen und Luft verschaffen.

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Tipps für selbst gemietete Ferienwohnungen und -häuser und Hotels

Individualreisende haben es in puncto Stornierung schwerer. Innerhalb Deutschlands können Urlauber laut § 648a BGB kostenfrei Ferienwohnungen oder -häuser stornieren, wenn ein "wichtiger Grund" dafür spricht. Ein solcher Anlass kann die globale Reisewarnung sein. Viele Hotels in Urlaubsregionen sind auch von sich aus noch geschlossen, so dass man gar nicht selbst stornieren muss.

Wenn sich die Ferienhäuser oder -wohnungen im Ausland befinden, ist die Situation komplizierter, denn dann gilt das Recht des jeweiligen Gastlandes. Das heißt, auch die Reisewarnung des deutschen Auswärtigen Amtes hat dort keine Bedeutung. Es bedeutet für den Kunden wiederum, er muss sich mit dem Anbieter in Verbindung setzten und klären: Gibt es Geld zurück oder kann man auf einen anderen Termin umbuchen? In vielen Fällen werden die Hoteliers oder die Anbieter ablehnen, das Geld zurückzuzahlen. Da muss man also selbst schauen, wie man mit dem Anbieter einen Kompromiss findet.

Auch wer für sich selbst direkt im Ausland ein Hotel gebucht hat, hat einen Vertrag nach dem Recht des Gastlandes geschlossen. Hat das Hotel wegen der Corona-Pandemie geschlossen, müsste man gar nicht selbst stornieren. Sollte sich ein Hotelier weigern, eine geleistete Anzahlung zurückzuerstatten, könnte es unter Umständen notwendig sein, vor Ort vor Gericht zu ziehen. Ein hoher Aufwand, den vermutlich viele Urlauber scheuen werden.

Reisen nach der Reisewarnung, nach 14. Juni – jetzt schon stornieren?

Gebuchte Reisen bis Mitte Juni kann man, wie gesagt, jetzt stornieren. Dann hat man wegen der Reisewarnung einen Anspruch, den Reisepreis zurückerstattet zu bekommen. Da es für den Zeitraum nach dem 14. Juni bislang keine Reisewarnung gibt – also für Juli oder August oder noch später – müsste man die regulären Stornogebühren zahlen, wenn man jetzt schon stornieren würde. Wer also darauf setzt, seinen Sommerurlaub ohne Zusatzkosten stornieren zu können, muss noch einige Wochen warten.

Das Auswärtige Amt beurteilt die Sicherheitslage fortlaufend neu – theoretisch wäre es möglich, dass die Reisewarnung im Sommer wieder aufgehoben wird. Es ist aber unter den aktuellen Bedingungen unwahrscheinlich, dass diesen Sommer ein normaler Sommerurlaub stattfinden kann.

Pauschalreisende sollten sich mit Veranstalter in Verbindung setzen

Da sich das Virus derzeit immer weiter ausbreitet und mittlerweile viele Länder betroffen sind, empfiehlt auch die Verbraucherzentrale Pauschalurlaubern in jedem Fall, ihren Reiseveranstalter frühzeitig zu kontaktieren. Die Erfahrung zeigt, berichtet SWR-Wirtschaftsredakteurin Katharina Fortenbacher-Jahn, dass Veranstalter in solchen Fällen versuchen, eine Lösung zu finden – zum Beispiel ein Umbuchen anbieten.

Italien, Mailand: Eine Frau trägt einen Mundschutz in der U-Bahn. (Foto: dpa Bildfunk, Antonio Calanni/AP/dpa)
Deutsche Urlauber fragen sich wegen des Coronavirus, ob Reisen storniert werden können. Antonio Calanni/AP/dpa

Gutachten Verbraucherzentrale Bundesverband: Storno bis August

Mit einem Gutachten des Reiserechtsexperten Professor Klaus Tonner, Universität Rostock, will der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Urlauber unterstützen. Tonners Argumentationslinie: Die öffentlichen Äußerungen hochrangiger Politiker – wie etwa des Bundesaußenministers Heiko Maaß oder des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder – legten nahe, dass mit einer Änderung der Umstände für Auslandsreisen sogar bis Ende August nicht zu rechnen sei. Die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch, dass die Umstände der Covid-19-Pandemie weiterhin zu erheblichen Beeinträchtigungen führen. (vzbv, Stand 4. Mai 2020). Deshalb könnten Kunden ihre Auslands-Pauschalreisen mit Reiseterminen bis Ende August kostenlos stornieren – unabhängig von der globalen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes bis 14. Juni.

Auch eine Restzahlung müsse nicht mehr geleistet werden. Der Reiseveranstalter müsse die Anzahlung zurückerstatten. Folglich müssten Kunden auch nicht auf die Absage der Reise durch den Reiseveranstalter warten. Sollten Urlauber abwarten und dennoch reisen wollen, müssten sie die Restzahlung erst leisten, wenn sicher ist, dass die Reise tatsächlich stattfindet.

Widerspruch vom Deutschen Reiseverband: Keine kostenfreie Stornierung

Der bundesweite Deutsche Reiseverband (DRV) widerspricht der juristischen Auslegung des vzbv. Eine kostenfreie Stornierung des Sommerurlaubs sei derzeit nicht möglich, ist das Ergebnis eines Gutachtens von Professor Hans-Josef Vogel, Reiserechtsexperte des DRV. Entgegengesetzt zum vzbv argumentiert der DRV: Stornieren Verbraucher Reisen mit Abreisedatum nach dem 14. Juni – also nach dem bislang geltenden Datum der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes – schon jetzt, gehen sie weitreichende Risiken ein. Möglicherweise müssen sie die Stornierungskosten im Nachhinein übernehmen. „Es ist unverantwortlich vom vzbv, Verbrauchern hier eine Sicherheit zu suggerieren, die es nicht gibt und derzeit auch nicht geben kann“, sagt DRV-Präsident Norbert Fiebig.

Eine Prognoseentscheidung darüber, ob Reisen nach dem 14. Juni möglich oder nur mit großen Einschränkungen möglich sind, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht abgegeben werden. Wenn Virologen es nicht wissen, wie sollten es Juristen beurteilen können, heißt es beim DRV. Möchte ein Kunde also eine Pauschalreise mit Reiseantritt nach dem 14. Juni jetzt stornieren, finden die jeweiligen Stornobedingungen des Reiseveranstalters Anwendung.

Ausgangssperren in anderen EU-Ländern in der Corona-Krise

In den besonders von der Pandemie betroffenen Reiseländern Italien, Spanien und Frankreich liegt das öffentliche Leben immer noch weitgehend lahm, und es gelten Ausgangssperren, die erst nach und nach gelockert werden. Reisen über das unmittelbare Wohnumfeld hinaus sind auch dort verboten. Wer grenzüberschreitend unterwegs ist, muss hier in Deutschland und im EU-Ausland nachweisen, dass seine Anwesenheit am Arbeitsplatz oder die Fahrt aus gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich ist. Aktuelle Informationen dazu gibt es etwa auf den Internetseiten des Bundesinnenministeriums und des Robert-Koch-Instituts.

Für Individualreisende: Züge können oft storniert werden

Wer keine Pauschalreise gebucht, sondern geplant hatte, individuell mit dem Flugzeug, der Bahn oder mit Bussen zu reisen, muss nach deutschem Reiserecht auf Kulanz der Unternehmen hoffen. Diese wird aber bereits oft gewährt.

Die Deutsche Bahn bietet eine kostenlose Stornierungsaktion an. Passagiere, die ihre Reise nicht mehr antreten möchten, können ihren Fahrschein kostenfrei erstatten lassen. Die Geltungsdauer von Fahrkarten wird zudem auch großzügig bis Ende Oktober verlängert. Bahnreisende sollten sich in jedem Fall an den Kundenservice der Deutschen Bahn wenden.

Auch die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben auf das Coronavirus reagiert. Reisende können sich ihre Tickets erstatten lassen. Den entsprechenden Antrag finden Sie hier.

Flugtickets: Lufthansa lässt kostenlos umbuchen

Die Lufthansa Group Airlines – Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Air Dolomiti – haben aus Kulanzgründen flexiblere Umbuchungs- und Gutscheinmöglichkeiten eingerichtet. Bis Ende August sind laut Lufthansa sämtliche Tarife und Ticketpreise umbuchbar, sowohl bei Kurz-, Mittel- und Langstrecken, für bestehende als auch für Neubuchungen. Dies gilt auch für Flüge, die annulliert wurden. Die aktuellen Fluginformationen der Lufthansa finden Sie hier.

Fernbus: Flixbus und Blablabus - Verbindungen europaweit eingestellt

Auch die Fernbus-Anbieter haben auf das Coronavirus reagiert: Flixbus und Blablabus haben alle nationalen sowie grenzüberschreitende Verbindungen von und nach Deutschland deshalb ab 17. März 2020 bis auf weiteres eingestellt. Betroffene Fahrgäste werden laut Flixbus auf dem Laufenden gehalten. Reisende bei Blablabus werden ebenfalls aktuell informiert.

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