Ein Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) informiert seine Kollegen über das weitere Vorgehen.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Unwetter, Katastrophen und Arbeitsrecht

Muss ich trotz Hochwasserschäden zur Arbeit?

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Das Haus liegt in Trümmern, der Zug fährt nicht, die Straßen sind nicht befahrbar - es gibt klare Regelungen im Arbeitsrecht, wer jetzt trotzdem zur Arbeit muss und wer nicht.

Die Folgen der Hochwasserkatastrophe werden für viele Betroffene noch lange spürbar sein. Jetzt ist erstmal aufräumen angesagt, damit das Leben wieder ein Stück normaler werden kann. Wenn es um die Existenz geht, wer denkt da an die Arbeit?

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Arbeitsrecht für direkt Betroffene

Es gibt den Paragraphen 616 im Bürgerlichen Gesetzbuch, der eine "vorübergehende Verhinderung" regelt. Dieser Paragraph ist genau für solche Notlagen gedacht. Wenn ich ohne mein Verschulden daran gehindert werde, zur Arbeit zu erscheinen, kann ich „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ freigestellt werden. Arbeitsrechtler gehen dabei meistens von bis zu einer Woche aus. In besonderen Härtefällen kann der Zeitraum allerdings auch länger sein. In dieser Zeit bekommen Betroffene weiter Gehalt, allerdings gibt es auch Arbeitsverträge, die diesen Paragraphen ausschließen.

Wichtig ist natürlich, trotz all der anderen Probleme, die Chefin oder den Chef zu informieren und regelmäßig ein Update zu geben, wie die Lage ist. Wenn eine Person nicht unmittelbar von Hochwasser betroffen ist und es nicht um das eigene Zuhause geht, sind die Regeln sehr viel schärfer. Ist die Bahnstrecke überflutet, müssen Arbeitnehmer trotzdem zum Dienst erscheinen. Wer einfach so so zu Hause bleibt, hat in dem Fall rechtlich gesehen keinen Anspruch auf Bezahlung.

Beschäftigte tragen das „Wegerisiko“

Grundsätzlich gilt, dass jeder Arbeitnehmer selbst dafür verantwortlich ist, rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen. Sie tragen also das sogenannte „Wegerisiko“. Wenn man mit der Bahn zur Arbeit fährt und diese zu spät kommt oder ausfällt, muss man im Zweifel trotzdem irgendwie zur Arbeit kommen und die Verspätung eventuell ausgleichen. Beim Auto gilt das gleiche: Ein Stau oder Behinderungen durch Gegenstände auf der Fahrbahn sind ein Problem der Arbeitnehmer.

Ausnahme: Amtliche Warnung, das Haus zu verlassen

Ausnahmen gibt es nur dann, wenn aus meteorologischer Sicht ausdrücklich davor gewarnt wird, das Haus zu verlassen. Das wäre dann eine sogenannte „begründete Arbeitsverhinderung“. Gibt es von Seiten des Deutschen Wetterdienstes keine solche Warnung, sollten Arbeitnehmer auf jeden Fall zuerst mit ihrem Arbeitgeber sprechen, bevor sie zu Hause bleiben.

Helfende werden nicht immer automatisch freigestellt

Wenn Ehrenamtliche für eine größere Organisation im Einsatz sind, wie das THW, das Rote Kreuz oder eine freiwillige Feuerwehr, müssen sie offiziell von ihrem Arbeitgeber freigestellt werden, wenn ihr Einsatz im öffentlichen Interesse ist. Und das ist natürlich im Moment der Fall. In solch einer Situation bekommen Helferinnen und Helfer für die Zeit ihres Einsatzes auch weiterhin Gehalt vom Arbeitgeber.

Schwieriger ist es, wenn Hilfe wirklich rein privat organisiert ist, zum Beispiel über einen Verein für Nachbarschaftshilfe, der sich entschließt, mit anzupacken. Denn grundsätzlich sollen ehrenamtliche Tätigkeiten in der Freizeit ausgeübt werden. In dem Fall hängt es vom Wohlwollen des Chefs oder der Chefin ab, ob eine bezahlte Fehlzeit genehmigt wird.

Bei vergangenen Hochwasserkatastrophen ist es allerdings immer wieder vorgekommen, dass in betroffenen Regionen auch solche privaten Aktionen von Arbeitgebern befürwortet wurden. In keinem Fall sollte man ganz ohne Rücksprache von der Arbeit fern bleiben, auch wenn es für eine gute Sache ist.

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