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Landwirtschaft und Wälder stehen wieder vor einem schwierigen Jahr. Wegen der Corona-Pandemie fehlen Erntehelfer. Dazu kommt: Es ist noch nicht Sommer, und es herrscht schon wieder Dürre.

Gespräch mit Werner Eckert und Dominik Bartoschek, SWR Umwelt

Wir hatten einen relativ regnerischen Winter. Warum droht schon wieder Trockenheit?

Es gibt Trockenheit im Oberboden, wo die kleinen Pflänzchen jetzt wachsen wollen, die gerade ausgesät worden sind oder zum Wachstum ansetzen – Rüben oder Mais zum Beispiel. Sie haben oben bereits wieder kein Wasser mehr, auch wenn weiter unten die Wasserspeicher etwas voller sind als in den beiden Vorjahren. Das liegt daran, dass wir sehr viel Sonne hatten in diesem Frühjahr – und Wind. Äcker sind unbedeckt, das führt zu einer extrem hohen Verdunstung und zu Trockenheit. Die Angst ist groß, denn die Wettervorhersage sagt, es bleibt erstmal so.

Was bedeutet dieses Wetter konkret für die Landwirtschaft?

Die Trockenheit bedeutet, dass der Start in das Jahr einfach ein schlechter ist. Wenn die Pflanzen nicht keimen oder beim Wintergetreide nicht wachsen können, dann ist von vornherein der Wurm drin und die Angst vor Ernteeinbußen groß.

Ein Raupenschlepper zieht eine Egge über einen Acker und bereitet das Feld für die Aussaat vor. (Foto: dpa Bildfunk, Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)
Die Landwirte bestellen im Frühjahr ihre Felder - im April ist es bereits wieder viel zu trocken. Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Der Wald ist schon gebeutelt vom Borkenkäfer, gibt ihm die Dürre den Rest?

Das wird vom Wetter im Rest des Jahres abhängen. Klar ist schon heute: Die Startbedingungen sind mit diesem trockenen April auch für den Wald ziemlich schlecht. Das gilt vor allem für die jungen Bäume, die nach den vielen Trockenschäden der letzten Jahre nachgepflanzt worden sind. Sie haben jetzt immer mehr Schwierigkeiten, an Wasser zu kommen.

Hinzu kommt: Das Laub und die Äste, die im Wald immer am Boden liegen, sind knochentrocken, dadurch steigt die Waldbrandgefahr. Der Borkenkäfer hat ein leichtes Spiel, je weniger Wasser die Bäume zur Verfügung haben. Das gilt auch für die alten Bäume. Wenn es also nicht bald Regennachschub gibt, kann das für den Wald zu einem weiteren echten Problemjahr werden.

Kann man absehen, ob die Situation mit der Trockenheit wieder besser wird?

Der April ist tatsächlich der Monat, bei dem man mindestens über die letzten 20 Jahre sagen kann, dass das tendenziell ein sehr trockener Monat geworden ist. Das klassische, wechselhafte Aprilwetter gibt es so nicht mehr. Bei Mai und Juni ist das weniger einheitlich. Wenn der April so trocken ist und auch noch ein trockener Mai folgt, ist nicht nur der Start für die Landwirtschaft schlecht, sondern dann hat man wirklich dramatische Probleme – wie etwa 2018. Die Chance dafür ist gewachsen.

Heißt das, Dürren und Trockenheit, das wird die neue Normalität?

Beim April ist da schon eine gewisse Verstetigung. Ansonsten kann man das nicht so sagen. Die Winter sind definitiv nasser geworden, das ist die gute Nachricht. Beim Grundwasserspiegel sieht es in diesem Jahr relativ gut aus, jedenfalls besser als 2019. Vor allem der Februar war dieses Jahr sehr nass, das hat sich positiv ausgewirkt auf den Grundwasserspiegel.

Ansonsten gibt es große regionale Unterschiede. Man kann sicher noch nicht zu 100 Prozent sagen, dass die Trockenheit vom Klimawandel kommt. Aber es passt in die Prognosen, in die Modelle, die die Klimawandel-Theorie entwickelt. Insofern kann es durchaus sein, dass wir mit Trockenheit mehr zu tun kriegen.

Dauer

Wie kann die Landwirtschaft sich auf den Wandel des Klimas einstellen?

Das ist gar nicht so einfach. Es gibt viele Möglichkeiten und gleichzeitig aber keine, die es alleine löst. Es gibt schon seit vielen Jahren Studien dazu.

  • Man kann auf jeden Fall arbeiten mit Humusanreicherung. Gerade in leichteren Böden ist das wichtig, weil Humus viel Wasser binden kann, gerade oben, wo es jetzt gebraucht wird.
  • Dann kann man mit der Bodenbearbeitung, etwa mit dem Mulchsaat-Verfahren, arbeiten, so dass die Böden nicht blank sind, sondern bewachsen, und man sät in diesen Bewuchs hinein. Das reduziert die Verdunstung.
  • Man kann mittelfristig auch andere Sorten oder Anbaupflanzen in den Blick fassen, bis hin zu Sorghum, also Hirse. Das ist sicherlich der Hungerkünstler schlechthin, was Wasser betrifft. Zumindest in den wärmeren Gegenden Deutschlands ist das auch eine Möglichkeit.
Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

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