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Titandioxid macht Lebensmittel und andere Produkte wie Farben und Lacke strahlend weiß. In Pulverform soll der umstrittene Inhaltsstoff in der EU bald einen Warnhinweis bekommen.

Als Weißmacher ist Titandioxid ein Allrounder in der Lebensmittelbranche und der Chemieindustrie. Seit Jahrzehnten wird das weiße Pigment verwendet. Es kann zum Beispiel in folgenden Produkten stecken – wird also verspeist, auf die Haut aufgetragen oder auch eingeatmet:

Titandioxid in Produkten erkennen: E 171 und CI 77891

Bei Lebensmitteln taucht Titandioxid als Farbstoff mit der Bezeichnung E 171 auf. Die Bezeichnung CI 77891 findet man unter anderem in Kosmetika.

Weißpigment Titandioxid kann in Zahnpasta stecken (Foto: dpa Bildfunk, Achim Scheidemann)
Wenn bei den Inhaltsstoffen von Zahnpasta CI 77891 steht, ist es Titandioxid. Achim Scheidemann

EU-Kommission: Warnhinweis für Titandioxid als Pulver

In der EU haben Experten diese Woche beraten, ob der weiße Farbstoff als krebserregend eingestuft werden soll. Die EU-Kommission möchte den Stoff nicht verbieten, Titandioxid in Pulverform soll jedoch künftig einen Warnhinweis auf die Krebsgefahr bekommen.

Europäische Agentur ECHA: Beim Einatmen ist das Weißpigment krebserregend

Damit folgt die Kommission einer Beurteilung der europäischen Chemikalienagentur ECHA von 2017: Sie besagt, dass Titandioxid-Pulver krebserregend ist, wenn es eingeatmet wird. Formal soll der Warnhinweis im Oktober beschlossen werden. Es dürfte mindestens 20 Monate dauern, bis diese Festlegung dann gilt.

Frankreich will Titandioxid in Lebensmitteln verbieten

Unabhängig von der Nutzung in Lacken, Farben und Baumaterialien läuft auf EU-Ebene auch eine Debatte über Titandioxid in Lebensmitteln. Hierbei ist die Europäische Union sich aber noch nicht einig.

Mozzarella kann das Weißpigment Titandioxid enthalten (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Der Weißmacher Titandioxid kann in Mozzarella stecken. Picture Alliance

Frankreich verbietet Titandioxid wegen gesundheitlicher Bedenken ab 2020 in Lebensmitteln. Wegen fehlender Daten könne eine Gesundheitsgefahr nicht ausgeschlossen werden. Auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung hielt im Mai 2019 schriftlich fest: „Es besteht noch Forschungsbedarf.“

 Toxikologe: „Uralte Studie“ mit sehr hohen Konzentrationen

„Dieser Vorstoß aus Frankreich ist für alle überraschend, vor allem für Experten“ sagte Dr. Harald F. Krug im SWR: „Auch für mich als Toxikologe, der jahrzehntelang mit Titandioxid gearbeitet hat, ist es völlig unverständlich, denn diese Wirkung, die dem Titandioxid hier zugeordnet wird, ist schlichtweg spezifisch nicht vorhanden.“

Er spricht von „uralten Studien“, die nach heutigen ethischen Vorgaben so nicht mehr durchgeführt werden dürften. Man habe Ratten rund zwei Jahre lang hohen Konzentrationen von Titandioxid in der Luft ausgesetzt. So viel von dem Staub über eine so lange Zeit einzuatmen, schädige die Lunge durch chronische Entzündungen. Mäuse aus dem gleichen Experiment hätten jedoch nicht an derartigen Auswirkungen gelitten.

BUND: Titandioxid bedenklicher Stoff wegen Nano-Kleinpartikeln

Titandioxid zählt zu den am meisten produzierten Nano-Kleinstpartikeln. Der Umweltexperte des BUND, Rolf Buschmann, stuft den Stoff daher als bedenklich ein, weil er auf diese Weise in Zellen eindringen könne. „Bei der Aufnahme von Nahrungsmitteln, die Titandioxid enthalten, gelangt das Titandioxid in den Magen-Darmtrakt“, erläuterte er im Juni in einem ARD-Interview. Im Darm würden möglicherweise Nanopartikel freigesetzt, und in Tierversuchen seien entzündliche Reaktionen nachgewiesen worden.

„Untersuchungen, die wir durchgeführt haben, haben zum Beispiel in einem Kaugummiüberzug acht Prozent Nanopartikel gefunden.“ Buschmanns Fazit: „Titandioxid hat keinen ernährungsphysiologischen Mehrwert für uns.“ Es solle Produkte nur schöner und glänzender zu machen.

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